Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (10%); Rechtswissenschaften (45%); Sprach- und Literaturwissenschaften (45%)
Keywords
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Law and Literature,
Censorship,
Discrimination,
Germany,
Austria,
Fictionality
Das Projekt will ein besonderes Wissen der Geisteswissenschaften für die Rechtswissenschaft verwertbar machen: das Wissen über Fiktionalität als Kulturtechnik. Das Recht enthält seit dem römischen Recht eine Fülle von Erfindungen. Solche Fiktionen reichen von der Fiktion, dass ein in Gefangenschaft geratener Bürger als verstorben gilt, über die Fiktion, dass eine Frau als Mann zu verstehen ist, bis zur Fiktion im heutigen Asylrecht, dass ein Asylbewerber noch nicht angekommen ist, obwohl er sich längst im Inland befindet, wodurch ihm relevante Rechte vorbehalten werden. Andere Fiktionen verbreiten problematische Mythen, wie die Fiktion vieler Demokratien, dass ihre verfassungsgebenden Kammern repräsentativ für den Volkswillen waren, und damit eine homogene Stimme konstruiert werden kann, die mit legitimer Autorität aus diesen Rechtsnormen spricht. Aber auch im rechtlichen Alltag finden ständig Fiktionen Anwendung, vom allgemeinen Verwaltungsrecht über das Beamtenrecht bis hin zum Steuerrecht. Das Projekt wird zeigen, dass das Wissen des Rechts über Wesen und Charakter dieser Fiktionen veraltet ist, ebenso wie generell sein Verständnis von Fiktionalität nicht dem Stand der Forschung in anderen Disziplinen entspricht. Dieser Anachronismus in der Rechtstheorie und -praxis führt zu zwei aktuellen Problemen: Erstens sind wegen des mangelnden historischen Wissens über rechtliche Fiktionalität die Gefahren und Probleme von Rechtsfiktionen (könnte missverstanden werden, dass die Gefahren noch Anwendung finden; zudem Einschub unnötig, denn hast ja oben schon geschrieben, dass es heute im Alltag viele Fiktionen gibt) nicht mehr ausreichend im kollektiven Bewusstsein der Disziplin präsent. Zweitens führt ein veraltetes Fiktionsverständnis der Rechtswissenschaften dazu, dass neuere fiktionale Praktiken etwa literarische Werke wie der Roman Esra von Maxim Biller oder neuere Musiktracks von Fler und Bushido von den Gerichten missverstanden werden, was bereits zu eklatanten Fehlentscheidungen geführt hat, wobei hier vor allem ethnische Minderheiten betroffen sind, die auto-fiktionale Praktiken benutzen, um kollektive Identitäten zu etablieren. Das Projekt wird durch eine Untersuchung des Wesens dieser Fiktionen das Wissen der Rechtswissenschaftenzur Fiktionalität aktualisieren unddamit diesen Problemen entgegenwirken.
Research Output
- 1 Publikationen
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2025
Titel Rewriting the Surface: On Graffiti, the Law, and the Nature of Things DOI 10.3390/h14110215 Typ Journal Article Autor Lind H Journal Humanities Seiten 215 Link Publikation