Staaten als Akteure und Rechensysteme
States as Agents and Computing Systems
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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State Agency,
State Computation,
Group Agency,
Computation,
Statehood,
Institutions
Wir leben in einer Welt, die von Staaten dominiert wird. Ob es uns gefällt oder nicht, wie Staaten intern organisiert sind und wie sie miteinander interagieren, hat direkte Auswirkungen auf unser Leben. Wirtschaftliche Entwicklung, Kriege, Demokratisierung, Klimawandel und viele andere wichtige Phänomene lassen sich zumindest teilweise dadurch erklären, wie Staaten funktionieren. Aber wie funktionieren sie? Wie sollten wir über sie nachdenken? Politikwissenschaftler neigen oft dazu, Staaten so zu behandeln, als wären sie menschliche Wesen als Dinge, die Wünsche, Überzeugungen und Absichten haben. So wird beispielsweise oft gesagt, ein Staat erhöhe seine Militärausgaben, wenn er glaubt, dass die Bedrohung durch seine Rivalen wächst. Aber macht es Sinn, Staaten wie Menschen zu behandeln? Auf den ersten Blick scheint die Antwort ein offensichtliches Nein zu sein, da Staaten nicht aus Fleisch und Blut bestehen und kein Bewusstsein besitzen wie wir. Doch die Sache ist komplizierter. Tatsächlich vertreten viele Philosophen die Ansicht, dass Staaten in wichtigen Aspekten menschenähnlich sind, und viele Politikwissenschaftler argumentieren, dass es nützlich ist, so zu tun, als wären sie es, selbst wenn Staaten nicht buchstäblich wie Menschen sind. Wenn dem so ist, fragt man sich, gibt es andere Dinge, denen Staaten ähnlich sind? Gibt es Dinge, bei denen es sich lohnt, vorzugeben, dass Staaten ihnen ähnlich sind, um bessere Erklärungen und Vorhersagen in den Sozialwissenschaften zu erzielen? Sollten wir insbesondere so tun, als wären Staaten wie Computer, die gut definierte Regelabfolgen befolgen, ähnlich wie Algorithmen? Sollten wir so tun, als würde sich Österreich in gewisser Hinsicht wie ein MacBook verhalten? Mein Projekt versucht, Licht auf diese und verwandte Fragen zu werfen, indem es Erkenntnisse aus der Philosophie, Politikwissenschaft, Informatik und anderen relevanten Disziplinen zusammenführt. Konkret wird es zu langjährigen Debatten über die Natur des modernen Staates beitragen, indem es verschiedene Literaturstränge vereint, die sich bisher weitgehend unabhängig voneinander entwickelt haben. Es wird versuchen, eine philosophische Theorie darüber zu entwickeln, was es bedeutet, dass ein Staat menschenähnlich ist (oder, wie es in der akademischen Sprache heißt, ein Akteur oder Akteur ist) und computerähnlich, und zu untersuchen, ob die Agency eines Staates mit seinem rechnerischen Charakter in Zusammenhang steht.
- University of Edinburgh - 100%