Emotionale Intelligenz bei schizophrenen und bipolaren affektiven Störungen
Emotional Intelligence in Schizophrenia and Bipolar I Disorder
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (50%); Psychologie (50%)
Keywords
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Emotional Intelligence,
MSCEIT,
Schizophrenia,
Endophenotype,
Bipolar I Disorder
Wissenschaftlicher Hintergrund Emotionale Intelligenz (EI) als Teil der sozialen Kognition ist ein vergleichsweise neues Forschungsgebiet, das sich mit Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten beschäftigt, die den Umgang mit eigenen sowie fremden Gefühlen betreffen. Der "Mayer-Salovey-Caruso-Emotional-Intelligence-Test" (MSCEIT) (1) stellt ein valides und reliables Instrument dar, das sich auf die Erfassung emotionaler Komponenten der sozialen Kognition konzentriert. Neueste Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass Defizite im Bereich der sozialen Kognition auf eine Vulnerabilität für die Entwicklung von schizophrenen bzw. bipolaren affektiven Störungen (BD) hinweisen und einen heritablen Endophänotyp für diese Erkrankungen darstellen. Um diese Theorie zu bestätigen, sind Studien über EI bei Verwandten von Patienten mit schizophrenen und bipolaren affektiven Störungen erforderlich. Bis heute wurden weder Studien über EI bei bipolar erkrankten Patienten noch bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit Schizophrenie oder BD durchgeführt. Dementsprechend hat die aktuelle Studie zum Ziel, mithilfe des MSCEIT die EI von Patienten, ihren Geschwistern und gesunden Kontrollpersonen zu untersuchen und zu vergleichen. Wir gehen davon aus, dass die Testleistung von Verwandten zwischen jener von Patienten und Kontrollen liegt. Dieses Ergebnis würde die Trait Marker-Hypothese bestätigen und könnte zur Identifikation eines heritablen Endophänotyps für Schizophrenie und BD beitragen. Hypothesen Verglichen mit gesunden Kontrollpersonen zeigen Patienten mit Schizophrenie oder BD I Defizite im Bereich der EI. Geschwister von Patienten mit Schizophrenie oder BD I zeigen ebenfalls EI-Defizite, und ihre Testleistung liegt zwischen der von Patienten und gesunden Kontrollpersonen. Bei Schizophrenie-Patienten sind die Defizite stärker ausgeprägt als bei Patienten mit BD I. Weiters sind Defizite bei Geschwistern von Schizophrenie-Patienten stärker ausgeprägt als bei Geschwistern von Patienten mit BD I. EI-Defizite beeinflussen unabhängig von der Diagnose das Funktionsniveau und die Lebensqualität von Patienten. Methoden Emotionale Intelligenz wird mittels MSCEIT bei Patienten mit Schizophrenie, Geschwistern von Schizophrenie- Patienten, Patienten mit BD, Geschwistern von Patienten mit BD und gesunden Probanden, die nach Alter, Geschlecht und Bildungsniveau abgeglichen werden, untersucht. Zur Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss komorbider Achse I Störungen werden strukturierte klinischen Interviews nach DSM-IV (MINI + SCID II) durchgeführt. Das Funktionsniveau von Patienten wird mit der GAF (Global Assessment of Functioning Scale) und der PSP (Personal and Social Performance Scale), die subjektive Lebensqualität mit dem BELP (Berliner Lebensqualiätsprofil) bestimmt. Zur Beurteilung der prämorbiden Intelligenz wird der MWT-B (Mehrfachwahl- Wortschatz-Test-B) durchgeführt. 1. Mayer JD, Salovey P, Caruso DR, Sitarenios G. Measuring emotional intelligence with the MSCEIT V2.0. Emotion. 2003;3(1):97-105. Epub 2003/08/06.
Emotionale Intelligenz (EI) bezeichnet die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle zu erleben, auszudrücken und zu verstehen. In früheren Studien, welche den Mayer?Salovey?Caruso Emotional Intelligence Test (MSCEIT) zur Überprüfung der EI verwendeten, erzielten Patienten mit schizophrenen oder bipolaren Störungen eine im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen herabgesetzte Testleistung. Hauptziel des vorliegenden Projektes war zu überprüfen, inwiefern dieser Gruppenunterschied durch nicht?soziale kognitive Fähigkeiten erklärt werden kann. Hierfür wurde neben dem MSCEIT das Brief Assessment of Cognition in Schizophrenia (BACS) eingesetzt. Verglichen mit gesunden Kontrollpersonen erzielten Patienten mit schizophrenen Störungen niedrigere MSCEIT?Gesamtscores sowie eine niedrigere Testleistung in den MSCEIT?Teilbereichen Emotionsnutzung, ?verständnis und ? regulation und im BACS. Adjustierung für nicht?soziale kognitive Fähigkeiten führte zu einer deutlichen Verringerung der EI?Gruppenunterschiede, so dass ausschließlich der Unterschied im Bereich Emotionsregulation signifikant blieb. Insgesamt ergab eine Mediationsanalyse, dass nicht?soziale kognitive Fähigkeiten für die geringere MSCEIT?Testleistung von Patienten mit schizophrenen Störungen hauptverantwortlich sind (Frajo?Apor, Pardeller, Kemmler, Welte, & Hofer, 2016). Die Untersuchung von Patienten mit bipolaren Störungen erbrachte analoge Ergebnisse (Frajo?Apor, Kemmler, Pardeller, Plass, et al., 2017).In einem weiteren Schritt wurden ebenfalls mithilfe des MSCEIT psychisch gesunde Geschwister von Patienten mit schizophrenen oder bipolaren Störungen untersucht, um die Hypothese zu überprüfen, dass Defizite in der EI neurobiologische Krankheitskorrelate darstellen, die genetisch beeinflusst und über die Zeit stabil sind (sog. Endophänotypen). Diese Hypothese konnte bei Geschwistern von Schizophrenie?Patienten nicht bestätigt werden, d.h. die MSCEIT?Testleistung der psychisch gesunden Geschwister entsprach jener der Kontrollpersonen (Frajo?Apor, Kemmler, Pardeller, Huber, et al., 2017). Als nächstes wird überprüft, inwiefern EI?Defizite einen Endophänotyp für bipolare Störungen darstellen.Innerhalb der gesunden Kontrollgruppe wurde zusätzlich der Zusammenhang zwischen EI und nicht? sozialer Kognition mit einem speziellen Fokus auf mögliche Geschlechtsunterschiede untersucht. Die beiden Gruppen waren hinsichtlich der EI vergleichbar, allerdings waren Männer den Frauen im Bereich der nicht?sozialen Kognition überlegen. Fähigkeiten im Bereich der Wortflüssigkeit stellten einen Prädiktor für EI dar, während der MSCEIT?Teilbereich Emotionsverständnis ein Prädiktor für nicht?soziale kognitive Fähigkeiten war. Diese Ergebnisse stimmen mit jenen aus früheren Studien überein und unterstreichen die Notwendigkeit, bei einer Überprüfung der EI von Gesunden nicht? soziale kognitive Fähigkeiten zu berücksichtigen (Pardeller, Frajo?Apor, Kemmler, & Hofer, 2016).
- Moritz Mühlbacher, Paracelsus Med.-Priv.-Univ. Salzburg / SALK , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 148 Zitationen
- 7 Publikationen
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2017
Titel Ability-based emotional intelligence in schizophrenia DOI 10.1097/yco.0000000000000323 Typ Journal Article Autor Frajo-Apor B Journal Current Opinion in Psychiatry Seiten 197-200 -
2017
Titel Is Emotional Intelligence Impaired in Unaffected Siblings of Patients with Schizophrenia? DOI 10.1017/s135561771700042x Typ Journal Article Autor Frajo-Apor B Journal Journal of the International Neuropsychological Society Seiten 577-583 Link Publikation -
2016
Titel Emotional Intelligence deficits in schizophrenia: The impact of non-social cognition DOI 10.1016/j.schres.2016.02.027 Typ Journal Article Autor Frajo-Apor B Journal Schizophrenia Research Seiten 131-136 Link Publikation -
2016
Titel Emotional Intelligence and cognitive abilities – associations and sex differences DOI 10.1080/13548506.2016.1255766 Typ Journal Article Autor Pardeller S Journal Psychology, Health & Medicine Seiten 1001-1010 Link Publikation -
2015
Titel Emotional Intelligence and resilience in mental health professionals caring for patients with serious mental illness DOI 10.1080/13548506.2015.1120325 Typ Journal Article Autor Frajo-Apor B Journal Psychology, Health & Medicine Seiten 755-761 Link Publikation -
2016
Titel Emotional intelligence and non-social cognition in schizophrenia and bipolar I disorder DOI 10.1017/s0033291716002324 Typ Journal Article Autor Frajo-Apor B Journal Psychological Medicine Seiten 35-42 Link Publikation -
2011
Titel Emotional intelligence of mental health nurses DOI 10.1111/j.1365-2702.2009.03120.x Typ Journal Article Autor Van Dusseldorp L Journal Journal of Clinical Nursing Seiten 555-562 Link Publikation