Wie kann man Photophobie bei Migräne behandeln?
How can we treat photophobia in migraine?
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%)
Keywords
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Migraine,
Photophobia,
Functional Magnetic Resonance Imaging
Erhöhte Lichtempfindlichkeit ist ein Kennzeichen von Migränepatienten. Diese Überempflindlichkeit löst oft Kopfschmerzattacken aus und kann zu erheblichen Alltagsbeeinträchtigungen der Patienten führen, da sie sich in einen dunklen Raum zurückziehen müssen. Gegenwärtig ist nicht bekannt, wie dieses Symptom am besten behandelt werden kann und es existieren sogar 2 konträre Therapievorschläge: Reduktion der Lichtexposition versus Desensibilisierung mittels kontrollierter Exposition. Der vorliegende Forschungsantrag soll die ersten umfassenden Daten zur bestmöglichen Therapie generieren. Hierzu sollen beide Therapievorschläge an derselben Patientengruppe untersucht werden. Neben einer umfassenden klinischen Evaluation wird auch eine objektive Darstellung der Effekte auf die Hirnaktivitäten der Patienten mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) durchgeführt werden. Mit den Studiendaten soll eine neurophysiologisch basierte Therapieempfehlung für die belastende Lichtempfindlichkeit erstmals möglich werden.
Das Projekt KLI455 "Wie kann man Photophobie bei Migräne behandeln?" untersuchte die Fragestellung, wie die besondere Lichtüberempflindlichkeit (Photophobie) bei Migränepatientinnen und Migränepatienten zu verstehen und am besten zu behandeln ist. Ein erster Schritt hierzu war es mit neurophysiologischen Verfahren die Hirnaktivität von Migränepat. bei Lichtexposition nicht invasiv zu beobachten. Hierzu wurde die Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) verwendet, welche eine dreidimensionale Beobachtung von Hirnaktivitäten erlaubt. Um zuverlässige Daten an individuellen Patientinnen und Patienten erzielen zu können, mussten dafür eine Reihe von methodischen fMRT Verbesserungen für individiuelle Patientendiagnostik implementiert werden. Mit diesen Verbesserungen war es dann möglich, die Hauptfrage des Projekts zu untersuchen: kann lichtüberempflichen Migränepat. durch Licht-Desensibilisierung geholfen werden? Oder ist ausschliesslich der derzeit verwendete empirische Therapiezugang - die Lichtvermeidung - hilfreich? Pilotdaten des australischen Kooperationspartners Prof. Paul Martin hatten erste, auf Verhaltensbeobachtung fußende Hinweise ergeben, dass die gezielte Desensibilisierung mittels dosierter Lichtexposition tatsächlich einen therapeutischen Erfolg bringen könnte. Neurophysiologische Studien hierzu fehlten bisher allerdings. Das Hauptergebnis des Projekts war nun, dass es höchstwahrscheinlich 2 Gruppen von Migränepat. gibt, welche unterschiedlich auf therapeutische Lichtexposition reagieren. Die erste Gruppe lässt sich tatsächlich über "Lichttherapie" behandeln. Hier konnte die Lichtempflindlichkeit verringert und die im fMRT beobachtbare Überreaktion des Gehirns auf Lichtreize reduziert werden. Die zweite Gruppe allerdings zeigte durch "Lichttherapie" keinen Erfolg. Hier blieb die Intoleranz bezüglich Licht erhalten und auch die Überreaktion des Gehirns auf Lichtreize. Die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Forschungsprojekt ist daher, dass die Behandlung der Photophobie in Zukunft mittels Präzisionsmedizin erfolgen solllte. Mit adäquaten Tests sollte zuerst festgestellt werden, ob ein Migränepat. zur Gruppe der durch Lichtexposition behandelbaren oder zur Gruppe der nicht behandelbaren Patientiennen und Patienten gehört. Anschliessend sollte die entsprechend effektivste Therapie - Desensibilisierung oder konsequente Lichtvermeidung - angewendet werden.
- Paul Martin, Griffith University - Australien
Research Output
- 268 Zitationen
- 10 Publikationen
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2019
Titel Improving sensitivity, specificity, and reproducibility of individual brainstem activation DOI 10.1007/s00429-019-01936-3 Typ Journal Article Autor Matt E Journal Brain Structure and Function Seiten 2823-2838 Link Publikation -
2019
Titel Can We Standardize Clinical Functional Neuroimaging Procedures? DOI 10.3389/fneur.2018.01153 Typ Journal Article Autor Beisteiner R Journal Frontiers in Neurology Seiten 1153 Link Publikation -
2019
Titel Transcranial Pulse Stimulation with Ultrasound in Alzheimer's Disease—A New Navigated Focal Brain Therapy DOI 10.1002/advs.201902583 Typ Journal Article Autor Beisteiner R Journal Advanced Science Seiten 1902583 Link Publikation -
2020
Titel A New Rehabilitative Mechanism in Primary Motor Cortex After Peripheral Trauma DOI 10.3389/fneur.2020.00125 Typ Journal Article Autor Fischmeister F Journal Frontiers in Neurology Seiten 125 Link Publikation -
2022
Titel Avoid or seek light – a randomized crossover fMRI study investigating opposing treatment strategies for photophobia in migraine DOI 10.1186/s10194-022-01466-0 Typ Journal Article Autor Matt E Journal The Journal of Headache and Pain Seiten 99 Link Publikation -
2017
Titel Can Functional Magnetic Resonance Imaging Generate Valid Clinical Neuroimaging Reports? DOI 10.3389/fneur.2017.00237 Typ Journal Article Autor Beisteiner R Journal Frontiers in Neurology Seiten 237 Link Publikation -
2018
Titel Primary motor cortex deactivation as a new mechanism of motor inhibition in conversion paralysis DOI 10.1002/mds.27552 Typ Journal Article Autor Matt E Journal Movement Disorders Seiten 148-149 Link Publikation -
2017
Titel Erratum to: Psychiatric comorbidities and photophobia in patients with migraine DOI 10.1186/s10194-017-0739-9 Typ Journal Article Autor Seidel S Journal The Journal of Headache and Pain Seiten 33 Link Publikation -
2017
Titel Psychiatric comorbidities and photophobia in patients with migraine DOI 10.1186/s10194-017-0718-1 Typ Journal Article Autor Seidel S Journal The Journal of Headache and Pain Seiten 18 Link Publikation -
2018
Titel Peripheral Nervous System Reconstruction Reroutes Cortical Motor Output—Brain Reorganization Uncovered by Effective Connectivity DOI 10.3389/fneur.2018.01116 Typ Journal Article Autor Amini A Journal Frontiers in Neurology Seiten 1116 Link Publikation