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Kurzvideos zur Suizidprävention von und für Jugendliche: Eine randomisierte kontrollierte Studie

Suicide Prevention Public Service Announcements (PSAs) Targeting Adolescents: A Randomized Controlled Trial

Thomas Niederkrotenthaler (ORCID: 0000-0001-9550-628X)
  • Grant-DOI 10.55776/KLI627
  • Förderprogramm Klinische Forschung
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.05.2018
  • Projektende 01.12.2021
  • Bewilligungssumme 141.203 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Psychologie (100%)

Keywords

    Suicide Prevention, Media, Adolescents, Randomized Controlled Trial, Social Advertising, Austria

Abstract Endbericht

Suizid zählt in den meisten westlichen Ländern, so auch in Österreich, zu den häufigsten Todesursachen unter jungen Menschen. Eine der Strategien, die international zunehmende Unterstützung in der Bekämpfung von Jugensuizid erhält, sind Medienkampagnen, insbesondere in Form von TV-Werbespots für Suizidprävention. Evaluationen von solchen Spots sind allerdings rar. Die Ziele dieses Projektes sind daher, potentielle positive und negative Effekte von Suizidpräventionsspots auf Suizidgedanken, Einstellungen zum Suizid, emotionale Befindlichkeit und Hilfesuchverhalten zu analysieren. Das Projekt wird in Wien über drei Phasen durchgeführt werden. In Phase 1 werden SchülerInnen im Rahmen eines Schulprojektes TV Spots zur Suizidprävention entwickeln. In Phase 2 werden wir Gruppendiskussionen mit den beteiligten SchülerInnen führen, um ihre Erfahrungen mit dem Prozess zu erfassen. In Phase 3 werden wir ein Experiment hinsichtlich der Wirkung des besten Spots durchführen, der von einer internationalen Jury ausgewählt wird. Dabei werden 288 16-19-Jährige in Schulen eingeladen, und randomisiert entweder (a) den Suizidpräventionsspot oder (b) einen Spot zu einem nicht verwandten Gesundheitsproblem mit ähnlichen stilistischen Merkmalen sehen. Vor dem Beginn des Experiments werden die TeilnehmerInnen neben sozio-demographischen Angaben eine Reihe von Fragebögen ausfüllen, um verschiedene Aspekte emotionaler und psychischer Befindlichkeit zu erfassen, inklusive einen Fragebogen zur Beurteilung von gegenwärtiger Suizidalität, damit Personen mit Suizidrisiko frühzeitig Hilfe angeboten werden kann. Unmittelbar nach dem Sehen des Spots werden die TeilnehmerInnen dieselben Fragebögen wie davor, einen weiteren Fragebögen über den Spot selbst und über ihre Identifikation mit den ProtagonistInnen im Spot ausfüllen, um unmittelbare Effekte der Fernsehspots zu untersuchen. Vier Wochen nach dem Experiment werden die Teilnehmer die Fragebögen erneut ausfüllen, um die Nachhaltigkeit der Effekte zu analysieren. Wir werden zudem untersuchen, ob die Effekte der Spots unterschiedlich sind, wenn sich die TeilnehmerInnen mit den gezeigten Personen identifizieren oder vulnerabel bezüglich Suizidalität sind. Das Projekt ist innovativ und wichtig, da es Spots testen wird, die von jungen Menschen produziert werden und daher vermutlich auch bei anderen jungen Menschen Resonanz hervorrufen werden. Das Projekt wird Material für Suizidpräventionskampagnen für Jugendliche in Österreich und in anderen Ländern liefern und kann letztendlich dazu beitragen, junge Leben zu retten.

Suizid zählt in den meisten westlichen Ländern, so auch in Österreich, zu den häufigsten Todesursachen unter jungen Menschen. Eine Strategie in der Bekämpfung von Jugendsuizid sind Medienkampagnen in Form von Kurzfilmen. Die Einbindung der Zielgruppe in der Produktion von Suizidpräventionsvideos erscheint besonders vielversprechend. Dies wurde bisher allerdings noch nicht systematisch untersucht und eine Evaluation von Suizidpräventionsvideos, produziert von Jugendlichen, für andere Jugendliche, fand bisher nicht statt. Die Ziele dieses Projektes waren es daher, die Effekte von Präventionsvideos auf Suizidgedanken, Einstellungen zum Suizid, emotionale Befindlichkeit und Hilfesuchverhalten bei Jugendlichen zu analysieren, sowie Einblicke in die Erfahrungen von Jugendlichen beim Produzieren von Suizidpräventionsvideos zu erhalten. Das Projekt wurde in Wien über drei Phasen durchgeführt werden. In Phase 1 wurden gemeinsam mit Schüler:innen im Rahmen eines Schulprojektes Kurzfilme zur Suizidprävention entwickelt. Es wurden sieben Kurzfilme produziert, die verschiedenste Herausforderung und Möglichkeiten zur Bewältigung zum Inhalt hatten. In Phase 2 wurden Gruppendiskussionen mit den beteiligten Schüler:innen geführt, um ihre Erfahrungen mit dem Produktionsprozess zu erfassen. Die Jugendlichen berichteten in den Interviews ausschließlich über positive Erlebnisse und betonten eine Vielzahl an Lerneffekten über Suizidprävention. Auch Jugendliche mit persönlicher Betroffenheit mit der Thematik empfanden das Schulprojekt als positiv. In Phase 3 wurde eines der Videos, das zuvor von einer internationalen Expert:innen-Jury ausgewählt wurde, in einer Studie untersucht. Dabei wurden 299 14-19-Jährige randomisiert und bekamen entweder (a) den Suizidpräventionsspot oder (b) einen Spot zu einem nicht thematisch relevanten Gesundheitsproblem zu sehen. Vor dem Ansehen des Videos, unmittelbar danach sowie 4 Wochen später füllten die Teilnehmer:innen ein Set von Fragebögen aus. Diese beinhielten Fragen zur Soziodemographie sowie zu Aspekten emotionaler und psychischer Befindlichkeit, inklusive einem Fragebogen zur Erfassung gegenwärtiger Suizidalität. In der randomisierten kontrollierten Studie zeigte sich das untersuchte Video als wirkungsvoll; Jugendliche verzeichneten reduzierte Suizidalität und berichteten stärkere Absichten, sich im Falle einer Krise Hilfe zu holen. Auch problematische Einstellungen zu Suizid waren reduziert. Die Identifikation mit den in dem Video dargestellten Personen spielte bei der Wirkung auf Suizidalität eine essentielle Rolle: Je mehr sich die Jugendlichen identifizierten, desto stärker waren die positiven Effekte. Diese Ergebnisse sind von großer Relevanz für Suizidprävention. In diesem Projekt übernahmen Jugendlichen selbst eine aktive Rolle in der Erstellung von Suizidpräventionsvideos, was von den Teilnehmer:innen als positiv bewertet wurde. Dies kann für Pädagog:innen, Expert:innen im Bildungswesen sowie Personen in der Öffentlichkeitsarbeit als ermutigende Basis dienen, um ähnliche Projekte zur Suizidprävention im Schulbereich zu implementieren. Die Ergebnisse der Untersuchung über die Effekte der Suizidpräventionsvideos legen nahe, dass zielgruppenorientierte Kurzfilme zur Suizidprävention, die persönliche Geschichten über die Bewältigung von suizidalen Krisen beinhalten und speziell von Jugendlichen für andere Jugendliche produziert wurden, wirksam sind. Die Erkenntnisse dieses Projekts können dazu beitragen, Suizidprävention von und für Jugendliche zu stärken, und letztendlich helfen, junge Leben zu retten.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Jane Pirkis, The University of Melbourne - Australien
  • Madelyn Gould, Columbia University New York - Vereinigte Staaten von Amerika
  • Daniel J. Reidenberg, SAVE - Suicide Awareness Voices of Education - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 400 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 1 Künstlerischer Output
  • 3 Disseminationen
  • 1 Medizinische Produkte
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2021
    Titel Mental health over nine months during the SARS-CoV2 pandemic: Representative cross-sectional survey in twelve waves between April and December 2020 in Austria
    DOI 10.1016/j.jad.2021.08.153
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal Journal of Affective Disorders
    Seiten 49-58
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Effects of media stories of hope and recovery on suicidal ideation and help-seeking attitudes and intentions: systematic review and meta-analysis
    DOI 10.1016/s2468-2667(21)00274-7
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal The Lancet Public Health
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Suicide Prevention Videos Developed by and for Adolescents
    DOI 10.1027/0227-5910/a000696
    Typ Journal Article
    Autor Braun M
    Journal Crisis: The Journal of Crisis Intervention and Suicide Prevention
    Seiten 114-120
  • 2020
    Titel Association between suicide reporting in the media and suicide: systematic review and meta-analysis
    DOI 10.1136/bmj.m575
    Typ Journal Article
    Autor Niederkrotenthaler T
    Journal BMJ
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Effects of Educative Materials on Doctors' Intention to Initiate Life-Saving Procedures After a Suicide Attempt: Randomised Controlled Trial
    DOI 10.3389/fpsyg.2021.718084
    Typ Journal Article
    Autor Braun M
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 718084
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Effects of suicide prevention videos developed by and targeting adolescents: a randomized controlled trial
    DOI 10.1007/s00787-021-01911-6
    Typ Journal Article
    Autor Braun M
    Journal European Child & Adolescent Psychiatry
    Seiten 847-857
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Aspects of Suicide Prevention With a Specific Focus on Adolescents and the Media
    Typ PhD Thesis
    Autor Marlies Braun
    Link Publikation
Künstlerischer Output
  • 2019
    Titel Suicide Prevention Video Developed By Adolescents For Other Adolescents
    Typ Film/Video/Animation
Disseminationen
  • 2018
    Titel School visit and introduction workshop
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2019
    Titel Video Presentation Event
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
  • 2019
    Titel Science Lunch at the Center for Public Health, Medical University of Vienna, Austria
    Typ A talk or presentation
Medizinische Produkte
  • 2021 Link
    Titel Suicide Prevention video
    Typ Preventative Intervention - Behavioural risk modification
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2021
    Titel Oral Presentation at the Papageno Media Award for Preventive Media Reporting on Suicide
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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