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KUTANE AUTOIMMUNPHÄNOMENE IN HIV+ PATIENTEN

CUTANEOUS AUTOIMMUNE PHENOMENA IN HIV+ PATIENTS

Christopher Schuster (ORCID: 0000-0001-5126-3853)
  • Grant-DOI 10.55776/KLI716
  • Förderprogramm Klinische Forschung
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2018
  • Projektende 31.01.2022
  • Bewilligungssumme 246.471 €

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (100%)

Keywords

    AIDS, HIV, Autoimmune Blistering Skin Disease, Autoimmunity, Bullous Pemphigoid, Pemphigus

Abstract Endbericht

Autoimmunerkrankungen sind dadurch gekennzeichnet, dass sich das Abwehrsystem fälschlicherweise gegen sich selbst richtet und dadurch mannigfachen Schaden zu setzen vermag. Paradoxerweise finden sich solche Autoimmunphänomene auch in Patienten, die sich mit dem Humanen Immundefizienz Virus (HIV) infiziert haben. Das HI-Virus befällt zentrale Steuerzellen des Immunsystems, sog. Helfer-T-Zellen, wodurch es über die zunehmende Krankheitsdauer zu einem stetigen Funktionsverlust des Immunsystems und dadurch vermehrt zu schweren Infekten kommt. Der Verlust dieser Zellen führt allerdings auch zu einem Verlust der Immunregulation, weshalb Autoimmunphänomene bei HIV infizierten Patienten oftmals nachweisbar sind. Aufgrund der nunmehr breiten Anwendung moderner HIV-Therapien gleicht sich die Lebenserwartung HIV infizierter Patienten immer mehr jener der nicht infizierten Bevölkerung an, nicht zuletzt weil diese Patienten einen therapiebedingten guten Immunstatus zeigen. Eine Untergruppe der Autoimmunerkrankungen stellen blasenbildende Hauterkrankungen dar, die durch spezielle, im Blut des Patienten nachweisbare Proteine, sog. Auto-Antikörper, hervorgerufen werden. Die Auto-Antikörper binden dabei an unterschiedliche Strukturen in der Haut, wo sie über unterschiedlichste Mechanismen den Zusammenhalt der Haut stören und dadurch zur Blasenbildung führen. Über die Häufigkeit, Prognose bzw. den klinischen Verlauf dieser Hauterkrankungen in HIV infizierten Patienten ist derzeit wenig bekannt. Es ist allerdings davonauszugehen, dass diese Erkrankungen infolge der steigenden Lebenserwartung und des therapiebedingten besseren Status des Immunsystems deutlich zunehmen werden. Der Zweck dieser klinischen Studie in HIV infizierten Patienten und HIV negativen Kontrollpatienten ist die Erhebung der Häufigkeit von diesen speziellen Blutparametern, die in Verbindung mit blasenbildenden Hautkrankheiten stehen. Dazu werden unterschiedliche Labor-Testverfahren kombiniert, um neben der Häufigkeit auch die klinische Signifikanz festzustellen. Sollten dabei Auto-Antikörper nachweisbar sein, wird auch evaluiert, ob die Patienten Hautveränderungen aufweisen, die mit der jeweiligen Diagnose kompatibel wären. Zusammenfassend erwarten wir uns, dass die Ergebnisse dieser Studie Klinikern Richtlinien für das Verordnen dieser Testverfahren sowie dem Interpretieren der Ergebnisse in HIV infizierten Patienten liefern.

Bei HIV-infizierten Patienten sind aufgrund des Ungleichgewichts des Immunsystems im Zusammenhang mit der retroviralen Infektion zahlreiche Immunphänomene gegen "selbst" beschrieben worden. Wir haben eine Unterart dieser so genannten Autoimmunphänomene untersucht, nämlich Proteine, so genannte Autoantikörper, die an wichtige Strukturen in der Haut binden und dadurch potenziell Hauterkrankungen verursachen können. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Häufigkeit dieser gegen Hautstrukturen gerichteten Autoantikörper bei HIV-infizierten Patienten und nicht infizierten Kontrollpersonen heutzutage ähnlich ist, was wahrscheinlich auf die Wirksamkeit moderner antiretroviraler Behandlungen zurückzuführen ist. Da nun eine wirksame und verträgliche antiretrovirale Behandlung zur Verfügung steht, können viele HIV-infizierte Patienten mit einer mehr oder weniger normalen Lebenserwartung und einem zumeist voll funktionsfähigen Immunsystem rechnen. Dies hat zur Folge, dass das Auftreten einer Gruppe von Krankheiten, die als Autoimmunblasenerkrankungen bezeichnet werden und von denen einige mit einem höheren Lebensalter einhergehen, möglicherweise zunehmen wird. Diese Krankheiten werden durch Autoantikörper verursacht, die an spezifische Strukturen in der Haut binden und schließlich zur Bildung von Blasen führen, was zu für die Patienten erheblichen physischen und psychischen Belastungen führt. Bevor es wirksame HIV-Therapien gab, konnte gezeigt werden, dass Autoantikörper, die mit der häufigsten Autoimmunblasenerkrankung der Haut, dem bullösen Pemphigoid, assoziiert sind, bei bis zu 38 % der HIV-infizierten Patienten vorhanden waren, insbesondere in späteren Stadien der HIV-Infektion. Wir haben in einer großen Stichprobe von HIV-infizierten Patienten mit meist gut kontrollierter Virusinfektion festgestellt, dass die Häufigkeit einer Reihe von kutanen Autoantikörpern gering und mit der von nicht infizierten Kontrollpersonen vergleichbar ist. Interessanterweise konnten die Autoantikörperspiegel, die auf die häufigste Autoimmunerkrankung mit Blasenbildung, das bullöse Pemphigoid, hinweisen, anhand der Vorgeschichte der Patienten mit einer früheren Syphilisinfektion, einer häufigen sexuell übertragbaren Krankheit, vorhergesagt werden, jedoch nicht anhand eines einzigen demografischen, HIV- oder infektiösen Labormarkers. Es ist möglich, dass eine Entzündung im Gehirn oder in den peripheren Nerven im Zuge einer Syphilisinfektion eine (Auto-)Immunreaktion auslöst, die zu Kreuzreaktionen zwischen Strukturen in den Nerven und der Haut führt und die Bildung dieser Autoantikörper zur Folge hat. Unsere Empfehlung ist daher, dass Patienten mit hohen Konzentrationen dieser Autoantikörper, die keine typischen klinischen Zeichen eines bullösen Pemphigoids aufweisen, unter anderem auf Syphilis hin untersucht werden sollten. Da die überwiegende Mehrheit der Patienten mit positiven Ergebnissen nur eine Reaktivität auf nur eine Struktur in der Haut zeigte, wurde außerdem kein spezifisches Kombinationsmuster der untersuchten Autoantikörper bei HIV-infizierten Patienten oder Kontrollpatienten beobachtet. Insgesamt können die Ergebnisse dieses Projekts Klinikern bei der Entscheidungsfindung helfen, wenn sie Autoimmunerkrankungen mit Blasenbildung als potenzielle Differentialdiagnosen in Betracht ziehen. Die Ergebnisse dieser Studie bieten darüber hinaus Orientierung und Hilfe bei der Analyse und Interpretation der Ergebnisse von Antikörpertests, die für die Diagnose verschiedener Autoimmunerkrankungen mit Blasenbildung bei HIV-infizierten Patienten erforderlich sind.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Wien - 100%

Research Output

  • 3 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Prevalence of Skin-specific Autoantibodies in HIV-infected Patients and Uninfected Controls.
    DOI 10.2340/00015555-3251
    Typ Journal Article
    Autor Touzeau-Roemer V
    Journal Acta dermato-venereologica
    Seiten 978-983
    Link Publikation
  • 2021
    Titel aß?d T cells play a vital role in fetal human skin development and immunity
    DOI 10.1084/jem.20201189
    Typ Journal Article
    Autor Reitermaier R
    Journal Journal of Experimental Medicine
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Frequency of Envoplakin and Type VII Collagen Autoantibodies and Co-occurrence with Other Skinspecific Autoantibodies in HIV-infected Patients and Uninfected Controls
    DOI 10.2340/actadv.v101.440
    Typ Journal Article
    Autor Reitermaier R
    Journal Acta Dermato-Venereologica
    Seiten 440
    Link Publikation

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