Typisierung von T. vaginalis und M. hominis in Österreich
molecular typing of T. vaginalis and M. hominis in Austria
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (50%); Gesundheitswissenschaften (50%)
Keywords
-
Mycoplasma hominis,
Symbiosis,
Drug Susceptibility,
Molecular Epidemiology,
Trichomonas vaginalis
Trichomonas vaginalis ist der Erreger der Trichomonose, der weltweit häufigsten nicht-viralen, sexuell übertragbaren Krankheit, die Fallzahlen sind höher, als die von Syphilis und Gonorrhoe zusammen. Kennzeichen (Symptome) dieser Krankheit sind Juckreiz, übelriechender Ausfluss und Schmerzen beim Urinieren. Anhaltende, chronische Infektionen gelten als Risiko für Frühgeburten, Krebs, Unfruchtbarkeit und HIV-Infektionen. Mehr als 50% der T. vaginalis-Infektionen bei Frauen und fast 100% der Infektionen bei Männern verlaufen symptomlos. T. vaginalis kann in Symbiose mit Mycoplasma hominis (einem sexuell übertragbaren, wahlweise krankmachenden (pathogenen) Bakterium) leben. Es konnte gezeigt werden, dass M. hominis die Pathogenität von T. vaginalis erhöht, möglicherweise auch die Medikamenten-Toleranz. Für Österreich existieren bisher weder Daten zur Häufigkeit von Infektionen mit Trichomonaden in Symbiose mit M. hominis, noch über die molekulare Epidemiologie der beiden Erreger. Es ist bekannt, dass zwei genetisch verschiedene Typen von T. vaginalis sich in Pathogenität und Resistenzverhalten unterscheiden. Darüber hinaus verlaufen Infektionen mit M. hominis-infizierten Trichomonaden anders und eventuell schwerer, als Infektionen mit T. vaginalis alleine. Daher ist die Erhebung dieser Daten von erheblicher medizinischer Relevanz. Das vorliegende Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Pilzambulatorium Wien durchgeführt, wo Patientinnen routinemäßig auf T. vaginalis und auch M. hominis untersucht werden. Die geplante Studie hat in erster Linie das Ziel, Isolate von T. vaginalis und M. hominis auf molekularer Basis zu typisieren, da dies in Österreich noch nie gemacht wurde. Damit soll unter anderem untersucht werden, ob eine engere Verwandtschaft zwischen T. vaginalis (und auch M. hominis) die in Symbiose leben, im Vergleich zu nicht symbiontischen Erregern besteht. Auch das potentielle Vorhandensein eines Virus in T. vaginalis (Trichomonas vaginalis virus; TVV) wird geprüft werden und ob dieses Virus einen Einfluss auf die Symbiose-Fähigkeit von T. vaginalis hat. Des Weiteren soll mit den erhobenen Daten die Prävalenz von Infektionen mit T. vaginalis und M. hominis in Österreich auf den neuesten Stand gebracht werden, was zuletzt vor etwa 20 Jahren gemacht wurde. Darüber hinaus werden alle Trichomonaden auf das Vorhandensein von M. hominis untersucht, und die Prävalenz dieser Symbiose wird zum ersten Mal für Österreich erhoben. Die Empfindlichkeit gegen die oft eingesetzten Medikamente Tetrazyklin (bei M. hominis) und Metronidazol (bei T. vaginalis) werden ebenfalls zum ersten Mal für klinische Isolate in Österreich getestet werden. Zur Typisierungen von T. vaginalis und M. hominis werden DNA Sequenz-Analysen gemacht, das Vorhandensein von TVV wird mittels Gel-elektrophorese untersucht werden. Das Vorliegen einer Symbiose wird sowohl mit quantitativer PCR (qPCR), als auch mittels Kulturmethoden ermittelt werden. Die Überprüfung der Tetrazyklin-Resistenz von M. hominis wird mittels PCR auf ein Resistenz vermittelndes Transposon durchgeführt, die Metronidazol-Toleranz von T. vaginalis wird mittels Kulturmethoden und Minimale Hemm-Konzentration-Test überprüft. Alle Ergebnisse werden in spezifischen, internationalen Fachjournalen veröffentlicht werden.
Wir charakterisierten 82 T. vaginalis (TV) Isolate und wiesen die Präsenz von Endosymbionten, M. hominis und TVV, nach. M. hominis wurde bei 37 % der TV-positiven Patienten nachgewiesen; M. hominis-DNA wurde in 28 % der TVs gefunden. Bei 15 % der Patienten wurde M. hominis sowohl in den klinischen Proben als auch in den entsprechenden TV-Isolaten nachgewiesen. Bei 22 % der Patienten wurde M. hominis nur in der Kultur nachgewiesen, so dass es sich höchstwahrscheinlich um eine extrazelluläre Form von TV handelt. Bei 11 Patienten wurde M. hominis nur in den jeweiligen kultivierten TV-Isolaten nachgewiesen (13 %), während die urethralen/vaginalen Abstriche negativ für M. hominis waren, was darauf hindeutet, dass diese M. hominis ausschließlich intrazellulär waren und bei der Therapie von TV freigesetzt werden könnten. In 35 % der untersuchten Proben konnten wir TVV nachweisen. Unsere Ergebnisse geben einen ersten Einblick in die Verteilung von Symbionten in TV-Isolaten von österreichischen Patienten. Außerdem wurde die Prävalenz von genitalen Mykoplasmen und die Koinfektion mit TV in frischen Isolaten von weiblichen Patienten in Wien untersucht. Mycoplasma-Arten wurden in 28,2 % der gesammelten Vaginalproben nachgewiesen. M. hominis wurde in 21,5% der Proben gefunden, Ureaplasma-Arten in 7,5% der Proben. Die molekularen Daten der neu beschriebenen Spezies, Candidatus Mycoplasma girerdii, wurden zum ersten Mal in Österreich in einer auch für TV positiven Probe gefunden. 654 Reste von Standardurinproben gesunder, asymptomatischer österreichischer Soldaten wurden mittels spezifischer PCRs auf die Prävalenz von TV, Chlamydia trachomatis und genitalen Mykoplasmen untersucht. Unsere Studie lieferte Daten über sexuell übertragbare Krankheiten in einer hauptsächlich männlichen Kohorte, die nur spärlich vorhanden sind, da die meisten verfügbaren Informationen über sexuell übertragbare Infektionserreger aus Fruchtbarkeitskliniken (hauptsächlich Frauen) oder von symptomatischen Patienten stammen. Isolate von TV wurden untersucht, um phylogenetische Bäume zu erstellen. Uns interessierte, ob die von uns in Wien gesammelten TV-Isolate auf natürliche Weise miteinander verwandt sind, und ob diejenigen, die auf natürliche Weise M. hominis beherbergen, enger miteinander verwandt sind, was uns erlauben würde, mögliche Voraussetzungen für eine Symbiose aufzudecken. Das Screening von zwei verschiedenen Genen wurde bereits durchgeführt, die Daten werden nun ausgewertet. Wir untersuchten das Vorhandensein von alr-, goiB- und goiC-Genen in zwei Gruppen von M. hominis-Isolaten (Gruppe A: Patienten, nur M. hominis positiv; Gruppe B: Patienten, M. hominis und Ureaplasma spp. positiv; in beiden Gruppen wurde keine andere Geschlechtskrankheit festgestellt), die von symptomatischen und asymptomatischen männlichen und nicht schwangeren weiblichen Patienten gesammelt wurden. Wir bestätigten das Vorhandensein des alr-Gens bei 85 % der Isolate der Gruppe A und bei 100 % der Isolate der Gruppe B; goiB wurde bei 46 % der Proben in beiden Gruppen nachgewiesen, während goiC bei 73 % der Isolate der Gruppe A bzw. 79 % der Isolate der Gruppe B gefunden wurde.
- Ursula Fürnkranz, Medizinische Universität Wien , ehemalige:r Projektleiter:in
- Birgit Henrich, Heinrich Heine Universität Düsseldorf - Deutschland
Research Output
- 30 Zitationen
- 5 Publikationen
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2021
Titel Nosocomial Infections: Do Not Forget the Parasites! DOI 10.3390/pathogens10020238 Typ Journal Article Autor Fürnkranz U Journal Pathogens Seiten 238 Link Publikation -
2022
Titel Characterisation of Trichomonas vaginalis Isolates Collected from Patients in Vienna between 2019 and 2021 DOI 10.3390/ijms232012422 Typ Journal Article Autor Lesiak-Markowicz I Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 12422 Link Publikation -
2022
Titel Prevalence of selected sexually transmitted infectious agents in a cohort of asymptomatic soldiers in Austria DOI 10.1186/s13071-022-05508-z Typ Journal Article Autor Lesiak-Markowicz I Journal Parasites & Vectors Seiten 424 Link Publikation -
2023
Titel The Prevalence of Genital Mycoplasmas and Coinfection with Trichomonas vaginalis in Female Patients in Vienna, Austria DOI 10.3390/microorganisms11040933 Typ Journal Article Autor Hoxha I Journal Microorganisms -
2023
Titel Detection of Putative Virulence Genes alr, goiB, and goiC in Mycoplasma hominis Isolates from Austrian Patients. DOI 10.3390/ijms24097993 Typ Journal Article Autor Lesiak-Markowicz I Journal International journal of molecular sciences