Zerebrale Pharmakokinetik/-dynamik von Nimodipin
Cerebral Pharmacokinetic/-dynamics of Nimodipine
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (80%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)
Keywords
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Subarachnoid Hemorrhage,
Nimodipine,
Cerebral Microdialysis,
Multimodality Neuromonitoring,
Pharmacodynamic,
Pharmacokinetic
Blutungen aus einer Gefäßaussackung (Aneurysma) im Gehirn haben meist schwerwiegende neurologische Folgen. Einerseits führt die Blutung selbst zu Schäden im Gehirn, andererseits treten im Verlauf Schlaganfälle auf, deren Ursache noch nicht vollständig geklärt ist. Bis heute gibt es keine klar definierte und effiziente Behandlung gegen diese verzögert einsetzenden Schlaganfälle. Es konnte jedoch bereits in mehreren Studien gezeigt werden, dass das Medikament Nimodipin diese Schlaganfälle verhindern und somit das neurologische Langzeitergebnis verbessern kann. Seine klinische Anwendung bleibt jedoch umstritten und der genaue Wirkungsmechanismus von Nimodipin ist bis heute unbekannt. Es wird vermutet, dass das Medikament mit seinem gefäßerweiternden Effekt den Gefäßkrämpfen, welche häufig nach dieser Art der Gehirnblutung beobachtet werden, entgegenwirkt. Außerdem wird diskutiert, dass Nimodipin das Absterben von Nervenzellen verhindern könnte. Jedoch ist bis heute noch unbekannt, ob das Medikament überhaupt in das Gehirn eindringen kann, um dort seine Nervenzellen-schützende Funktion zu erzielen. Nimodipin kann sowohl als Tablette, über die Vene als auch direkt in die gehirnversorgenden Arterien verabreicht werden. Die Überlegenheit einer dieser Verabreichungswege und die effektivste Dosierung ist jedoch unklar. Ziel dieser Studie ist daher die Bestimmung, ob und ab welcher Dosis Nimodipin in das Gehirn eindringen kann und die Auswirkung von Nimodipin auf die Gehirnsauerstoffversorgung und den Gehirnstoffwechsel je nach Verabreichungsweg und Dosis zu überprüfen. Zu diesem Zweck werden bei 30 PatientInnen mit schwerer Gehirnblutung aus einem Aneurysma die Nimodipin-Konzentrationen gleichzeitig in Blut, Hirnwasser und im Gehirn selbst mit speziellen Sonden (Mikrodialyse) je nach Verabreichungsweg (Tablette, Vene, Arterie) und Dosierung gemessen.Zusätzlich werdender Hirndruck, die Gehirnsauerstoffversorgungund der Gehirnstoffwechsel sowie Blutdruck und die Herzleistung aufgezeichnet, um die Auswirkung von Nimodipin auf die Gehirnversorgung und den Körper zu bestimmen. Mit Hilfe unserer Ergebnisse können wir somit nicht nur die Wirkungsweise, sondern auch die Effektivität und den besten Verabreichungsweg von Nimodipin zur Verhinderung von verzögert einsetzenden Schlaganfälle nach einer Gehirnblutung aus einem Aneurysma bestimmen.
Unsere Studie hat gezeigt, dass die Verabreichung des Medikaments Nimodipin über die Vene möglicherweise wirksamer ist als die orale Gabe, um das Gehirn nach einer bestimmten Art von Gehirnblutung, der Subarachnoidalblutung, zu schützen. Dies ist wichtig, da die Verhinderung von Hirnschäden bei diesen Patient*innen ihre Chancen auf Genesung und langfristige Gesundheit verbessern kann. Wir haben zwei Methoden der Verabreichung von Nimodipin verglichen: oral und intravenös. Dabei stellten wir fest, dass bei der intravenösen Verabreichung deutlich höhere Konzentrationen des Medikaments sowohl im Blut als auch in der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) erreicht wurden als bei der oralen Verabreichung. Diese Erkenntnis legt nahe, dass intravenöses Nimodipin Hirnschäden besser verhindern könnte, da höhere Liquorkonzentrationen wahrscheinlich wirksamer bei der Vorbeugung von Minderdurchblutungen des Gehirns sind. Gleichzeitig wurde jedoch festgestellt, dass in beiden Verabreichungsformen nur geringe Mengen des Medikaments im eigentlichen Gehirngewebe nachgewiesen wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Schutzwirkung von Nimodipin eher in der Flüssigkeit um das Gehirn (Liquor) als im Gehirngewebe selbst stattfindet. Dies legt nahe, dass die Wirkung vor allem auf der Erweiterung der Blutgefäße im Gehirnwasser-(Liquor-)Raum beruht und nicht durch eine Schutzwirkung an den Gehirnzellen selbst. Diese Erkenntnis ist wichtig, da sie verdeutlicht, wie Nimodipin funktioniert und darauf hinweist, dass die intravenöse Verabreichung eine konstantere und höhere Medikamentenexposition in den kritischen Bereichen des Gehirns gewährleistet. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verwendung von intravenösem Nimodipin wirksamer sein könnte als die derzeit empfohlene orale Verabreichung und möglicherweise zu besseren Behandlungsergebnissen bei Patienten nach einer Subarachnoidalblutung führen könnte. Obwohl unsere Ergebnisse die Verwendung von intravenösem Nimodipin unterstützen, sind weitere Studien erforderlich, um zu bestätigen, ob diese höheren Medikamentenspiegel im Liquor tatsächlich zu weniger verzögerter zerebraler Ischämie und zu einer verbesserten langfristigen Genesung führen. Eine zukünftige klinische Studie wird nötig sein, um dies genauer zu untersuchen.
- Walter Jäger, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
Research Output
- 6 Zitationen
- 4 Publikationen
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2024
Titel Cerebral Ischemia Protection After Aneurysmal Subarachnoid Hemorrhage: CSF Nimodipine Levels After Intravenous Versus Oral Nimodipine Administration DOI 10.1002/cpt.3499 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Clinical Pharmacology & Therapeutics Seiten 589-597 Link Publikation -
2024
Titel Agreement between CT-Angiography and Digital Subtraction Angiography in Predicting Angiographic Vasospasm in Patients with Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.3390/jcm13133743 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Journal of Clinical Medicine Seiten 3743 Link Publikation -
2025
Titel Continuous Intravenous Nimodipine Infusion With Ethanol as Carrier in Aneurysmal Subarachnoid Hemorrhage Does Not Result in Measurable Cerebral Ethanol Levels DOI 10.1002/cpt.3753 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Clinical Pharmacology & Therapeutics Seiten 928-934 Link Publikation -
2023
Titel The Effect of Oral Nimodipine on Cerebral Metabolism and Hemodynamic Parameters in Patients Suffering Aneurysmal Subarachnoid Hemorrhage DOI 10.1097/ana.0000000000000928 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Journal of Neurosurgical Anesthesiology Seiten 317-325 Link Publikation