TVNS & Diaphragmatisches Atmen bei POTS
TVNS & Diaphragmatic Breathing in POTS
Wissenschaftsdisziplinen
Gesundheitswissenschaften (60%); Klinische Medizin (40%)
Keywords
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Postural Orthostatic Tachycardia Syndrome,
Transcutaneous vagus nerve stimulation,
RCT,
Diaphragmatic Breathing
Das Posturale Tachykardie-Syndrom (POTS) ist eine Erkrankung des autonomen Nervensystems, die sich insbesondere durch einen starken Anstieg der Herzfrequenz beim Aufstehen bemerkbar macht. Schätzungen zufolge sind etwa 0,2 bis 1 Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen etwa fünfmal häufiger erkranken als Männer. Typische Symptome sind Herzrasen, Schwindel, chronische Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit. Diese Symptome beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten sind oft unzureichend. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie ist die Zahl der diagnostizierten POTS-Fälle weiter angestiegen, wodurch die Dringlichkeit neuer Therapieansätze zusätzlich verdeutlicht wird. Das Ziel dieses an der Medizinischen Universität Wien durchgeführten Forschungsprojekts ist es, eine nicht-medikamentöse Behandlungsstrategie zu untersuchen. Dabei werden zwei vielversprechende Verfahren kombiniert getestet: die transkutane aurikuläre Vagusnervstimulation (TVNS) und die Zwerchfellatmung. Bei der TVNS wird ein kleines Gerät verwendet, das elektrische Impulse an einen bestimmten Bereich des Ohrs sendet. Dadurch wird der Vagusnerv aktiviert, der eine zentrale Rolle bei der Regulation des autonomen Nervensystems spielt, also jenes Systems, das unbewusste Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Entzündungsprozesse steuert. Studien zeigen, dass TVNS bei autonomen Störungen wie POTS potenziell wirksam sein kann. Die Zwerchfellatmung ist eine bewusste, langsame und tiefe Atemtechnik, bei der das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, gezielt aktiviert wird. Diese Technik trägt zur Entspannung bei und kann die Aktivität des autonomen Nervensystems positiv beeinflussen. In früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Zwerchfellatmung Stress reduziert, die Herzfrequenz senkt und das allgemeine Wohlbefinden steigert. In dieser Studie werden drei Gruppen miteinander verglichen. Die erste Gruppe erhält die Kombination aus TVNS und Zwerchfellatmung, die zweite Gruppe nur TVNS ohne Atemübungen und die dritte Gruppe eine Placebo-TVNS (eine Scheinbehandlung ohne therapeutische Wirkung, die äußerlich nicht von der echten Behandlung zu unterscheiden ist) in Kombination mit Zwerchfellatmung. Die Intervention erfolgt täglich über einen Zeitraum von zwölf Wochen, wobei jede Sitzung etwa 30 bis 45 Minuten dauert. Vor und nach der Behandlung werden die Herzfrequenz, der Blutdruck, bestimmte Blutwerte, die Hinweise auf Entzündungen im Körper geben, sowie die Schlafqualität und die allgemeine Lebensqualität der Teilnehmenden erfasst und verglichen. Im Rahmen des Projekts soll geprüft werden, ob die Kombinationstherapie einen stärkeren Nutzen bietet als jede Methode einzeln. Die Ergebnisse könnten zu einer sicheren und alltagstauglichen Zusatzbehandlung für Menschen mit POTS führen, mit dem Ziel, deren Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
- Michael Stingl, nationale:r Kooperationspartner:in