Ökologische Bodenbewertung im mittleren Maßstab
Regional-scale ecological soil evaluation
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (50%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (50%)
Keywords
-
Soil Protection,
Spatial Planning,
Soil Function,
Standardised Procedures,
Soil Evaluation,
Geoinformatics
Der Boden stellt eine zentrale Schnittstelle im Landschaftshaushalt dar. Trotz seiner meist nur geringen Mächtigkeit von wenigen Dezimetern sind seine Funktionen sehr vielfältig. Die natürliche Bodenbildung geht langsam vor sich, so dass ein zerstörter Boden einen dauerhaften Verlust der ökologischen Funktionen nach sich zieht. Daher muss Bodenschutz auf allen Ebenen der räumlichen Planung thematisiert werden. Effektiv umgesetzter Bodenschutz setzt jedoch praxisrelevant aufbereitete Informationen voraus, in erster Linie eine differenzierte Bewertung der zahlreichen Bodenfunktionen. Dass Bodenschutz trotz jahrelanger Bemühungen bisher nur sehr unzureichend umgesetzt werden konnte, liegt auch im Fehlen praxisrelevanten Bodeninformationen begründet. Die vorgesehene Bodenbewertung erfolgt durch regelhafte Verknüpfung von Bodenparametern (z.B. Korngrößenverteilung, Lagerungsdichte, ...) zu komplexen Bodeneigenschaften (z.B. nutzbare Feldkapazität) und Bodenfunktionen (z.B. Filter- und Pufferfunktion für Schadstoffe zum Schutz des Grundwassers). Das Endprodukt des Verfahrens sind flächenhafte Informationen im mittleren Maßstabsbereich, die konkrete, für Planungsvorhaben nutzbare Aussagen darüber ermöglichen, in welchem Maße die lokalen Böden bestimmte komplexe Funktionen oder konkrete Leistungen erfüllen. Ebenso wird ihre Gefährdung (z.B. durch Erosion oder Verdichtung) bewertet. Die Verknüpfung der Ergebnisse mit den geplanten Nutzungen bietet wertvolle, bisher fehlende Entscheidungshilfen. Zur flächendeckenden Bewertung der Böden stehen Daten unterschiedlicher Qualität zur Verfügung. Während für die vorwiegend land- oder forstwirtschaftlichen genutzten Bereiche meist detaillierte Bodendaten vorliegen (Bodenschätzung, digitale Bodenkarten, Datenbanken), fehlen diese in Siedlungsbereichen sowie in höheren Lagen fast vollständig. In diesen Fällen sollen die für die Bewertung notwendige Bodeninformation aus sekundären Daten abgeleitet bzw. auf der Grundlage von punktuellen Bodenaufnahmen flächig modelliert werden. Ein zentraler Arbeitsschritt des Projektes besteht also in der Weiterentwicklung von Methoden, um bestehende Bodeninformationen zusammenzuführen und aus sekundären Daten ergänzen zu können. Darauf aufbauend findet die eigentliche Bewertung der Böden statt, die der inhomogenen Datenlage bei der Differenzierung der Bewertung zwar Rechnung trägt, jedoch eine Einheitlichkeit anstrebt, die für die Planung wichtig ist. Im Rahmen des Projektes werden auf wissenschaftlicher Grundlage vorhandene Standards und Tools zusammengeführt und fallweise neu entwickelt, um die Datenverknüpfung und -bewertung in praktikabler Weise vornehmen zu können. In der Testregion Bezirk Kufstein mit vielfältigen Naturraumparametern und Nutzungen kommt das Verfahren beispielhaft zur Anwendung. Die Ergebnisse und ihre Darstellung orientieren sich an den Ansprüchen der Planungspraktiker und werden dazu beitragen, auch die Vielfalt der Böden als differenziertes Argument bei der Abwägung von Schutzgütern innerhalb der Raumplanung berücksichtigen zu können.
Böden als lebenswichtige Ressource sind zahlreichen Gefährdungen ausgesetzt, wobei in Mitteleuropa Versiegelung und Schadstoffbelastung dominieren. Bodenschutz kann nur dann effektiv sein, wenn er gesetzlich verankert und im Rahmen der Raumplanung umgesetzt wird. Von Seiten der Bodenwissenschaften sind räumlich und inhaltlich differenzierte Bodendaten und -bewertungen bereit zu stellen, die den Anforderungen der Planer genügen. Eine wesentliche Aufgabe des Projektes besteht darin, diesen Informationstransfer in Österreich zu optimieren. Die dafür bearbeiteten Testgebiete liegen in Tirol. Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes sind folgende: (i) Es werden differenzierte Vorschläge für unterschiedliche Detaillierungsstufen ausgearbeitet, um vorhandene (Boden)Daten mit den Planungsebenen auf unterschiedlichen Maßstäben bestmöglich zu kombinieren. (ii) In der Literatur vorliegende Algorithmen für die Bodenbewertung lassen sich an die österreichische Bodensystematik anpassen. (iii) Bodenmodellierungen für Bereiche fehlender Daten erweisen sich als problematisch, u.a. aufgrund der gebirgstypischen Kleinräumigkeit. (iv) Vorhandene Bodendaten sind (aufgrund unterschiedlicher Systeme) schwer zusammen zu führen und weisen, durch eigene Kartierungen belegt, einige Mängel auf. (v) Das Interesse der Raumplanung am Bodenschutz ist in Österreich noch wenig entwickelt, daher werden entsprechenden Bodeninformationen kaum nachgefragt. Auf Grundlage der Datensichtung und -auswertung sowie eigener Kartierung wurde in einem Leitfaden aufgezeigt, wie der Transfer der Bodeninformation in die Planung vonstatten gehen kann. Dabei wurden auch Hinweise für die Einschätzung von diffuser Schadstoffbelastung der Böden gegeben. Um die praktische Anwendung noch deutlich zu erleichtern, wurde ein Computer-Tool entwickelt, mit dem die konkrete Bewertung automatisch durchgeführt werden kann. Diese Werkzeuge erleichtern die Bodenbewertung für die Raumplanung wesentlich. Sie sollten in Zukunft von den Planungsverantwortlichen eingesetzt und mit anderen Ansätzen, die eher von der Seite der Praxis entwickelt worden sind, verglichen gegenseitig optimiert werden. Durch die Ergebnisse des Projektes ist man der effektiven Umsetzung des Bodenschutzes ein gutes Stück näher gekommen.
- Universität Innsbruck - 100%