PRAKTISCHER UMGANG MIT AMBIVALENZEN IN KREATIVBRANCHEN
PRACTICAL TOOLS FOR BALANCING CREATIVE WORKERS’ DILEMMAS
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (15%); Andere Technische Wissenschaften (10%); Soziologie (50%); Wirtschaftswissenschaften (25%)
Keywords
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Creative Industries,
Self Employment,
Working Conditions,
Professional Networks,
Cooperation,
Support Tools
Erwerbsfelder der Kreativwirtschaft sind mittlerweile wichtige Beschäftigungsmotoren, insbesondere in urbanen Ballungsräumen. Ein hoher Anteil der Erwerbstätigen in diesen Sektoren arbeitet in selbstständigen Beschäftigungsformen unter teilweise schwierigen Einkommens- und Arbeitsbedingungen. Die Ausweitung selbstständiger Arbeitsformen verdankt sich einerseits Bedürfnissen nach Autonomie und andererseits mangelnden Anstellungsmöglichkeiten. Bescheidene Einkommen sind häufig die Kehrseite von künstlerischen Ambitionen oder alternativen Arbeits- und Lebensstilen. Sowohl eine eigene Grundlagenstudie als auch vergleichbare Analysen gelangen zu ambivalenten Diagnosen von Erwerbsmustern in der Kreativwirtschaft "zwischen Privilegierung und Prekarisierung". An der strukturellen Arbeitsmarktsituation dürfte sich in nächster Zeit wenig ändern. Mikrounternehmen in der Kreativwirtschaft sind daher vor allem selbst gefordert, die eigene Situation zu verbessern. Betriebswirtschaftliche Standardberatung kann den sehr heterogenen und oft subkulturell verankerten Unternehmen kaum adäquate Unterstützung anbieten bzw. greift oft zu kurz, weil Expansion und Anstellung von Mitarbeitern nur selten anvisiert werden. Demgegenüber sind (informelle) Netzwerke und Kooperationen für ansonsten "Allein-Selbstständige" von zentraler Bedeutung. Welche konkreten Vor- und Nachteile in welchen Netzwerkkonstellationen liegen, bleibt dagegen oft unklar. Ausgehend von den Befunden, dass selbstständige Mikrounternehmer mit schwierigen Erwerbsbedingungen konfrontiert ist, ist nun differenzierter zu untersuchen, wie Problemlagen von den Betroffenen selbst produktiv bearbeitet werden können, um in weiterer Folge geeignete Unterstützungsinstrumente zu entwickeln. Sowohl der wissenschaftliche als auch der praktische Output dieses Projekts leisten einen Beitrag zur Abdeckung dieser Lücke, der Fokus liegt auf Unternehmensstrategien im Allgemeinen und auf Netzwerk- und Kooperationsmodelle im Besonderen. Das Projekt baut auf eigene Grundlagenforschungsergebnisse zur Kreativwirtschaft auf. Über vertiefende qualitative Untersuchungen zur Zielgruppe der Selbstständigen / Mikrounternehmen werden Materialien erarbeitet und Pilotanwendungen entwickelt, um Akteure bei Entscheidungen in Zielkonflikten zu unterstützen: Wie kann die Ausbalancierung von widersprüchlichen Anforderungen (Dilemmata) gelingen? Welche Netzwerke sind wann vorteilhaft? Aus den empirischen Erhebungen erfolgt die Ableitung von praxisrelevanten Handlungs- und Lösungsszenarien für die Zielgruppen. Die Forschungsergebnisse werden über frei zugängliche internetbasierte Tools wie "Good Practice Collection", "Self Assesment Tool" und ein Handbuch "Dilemma Management" in Anwendungskontexte der untersuchten Zielgruppen transferiert, um dort Lerneffekte auszulösen. Die Kooperation mit einem Wiener Unternehmerzentren- Netzwerk der Kreativwirtschaft als "Testbed" garantiert sowohl die Integration der Bedürfnisse der Praktiker als auch den Transfer der Forschungsergebnisse an die Betroffenen.
- Bastian Lange, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
- Felix Stalder, Zurich University of the Arts - Schweiz
- Diane Perrons, London School of Economics and Political Science - Vereinigtes Königreich