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Quantifizierung der Verletzlichkeit durch Wildbachprozesse

Quantitative vulnerability assessment for torrent processes

Sven Fuchs (ORCID: 0000-0002-0644-2876)
  • Grant-DOI 10.55776/L535
  • Förderprogramm Translational-Research-Programm
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2008
  • Projektende 30.09.2012
  • Bewilligungssumme 223.251 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (40%); Bauwesen (30%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (30%)

Keywords

    Torrent Processes, Risk Assessment, Intensity-Loss Relationship, Vulnerability

Abstract Endbericht

Im Konzept des integralen Risikomanagements wird Risiko als eine Funktion der Eintretenswahrscheinlichkeit eines Prozesses, des Wertes gefährdeter Objekte und deren Verletzlichkeit verstanden. Für den Bereich alpiner Naturgefahren wurden in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Studien zum Prozessverhalten durchgeführt, unter anderem im Bereich der Wildbäche. Für die Bewertung gefährdeter Objekte bestehen erst in jüngerer Zeit Ansätze zur Bestimmung des Schadenpotentials. Dadurch existieren bislang kaum Methoden, die Verletzlichkeit gefährdeter Objekte in Abhängigkeit möglicher Prozessintensitäten quantitativ zu bestimmen. Das Ziel des vorgeschlagenen Projektes ist es, diese Lücke zu schließen und quantitative Verletzlichkeitsfunktionen für die Verwendung im integralen Risikomanagement von Wildbachprozessen zu entwickeln. Verletzlichkeit wird definiert als der zu erwartende Schaden an einem gefährdeten Objekt als Konsequenz eines bestimmten Ereignisses. Somit wird Verletzlichkeit als Quotient zwischen Schaden und individuellem Wert eines Objektes definiert, in Abhängigkeit der auftretenden Pro-zessintensität und der Widerstandsfähigkeit des gefährdeten Objektes. Somit werden naturwissenschaftliche Ansätze der Gefahrenbeurteilung und ökonomische Ansätze der Bewertung gefährdeter Objekte kombiniert, um die Verletzlichkeit zu bestimmen. Im vorgeschlagenen Projekt werden Daten aus österreichischen Testgebieten verwendet, um die Verletzlichkeit gefährdeter Objekte als Funktion auftretender Prozessintensitäten zu analysieren und zu bewerten. Die Beurteilung des Prozessverhaltens im Auslaufbereich basiert auf der detaillierten Dokumentation vergangener Ereignisse sowie auf ergänzender Modellierung. Die durch diese Ereignisse hervorgerufenen Schäden werden ebenso erfasst und bewertet wie das exponierte Schadenpotential. Durch die Kombination von Prozessintensität, Schadenpotential und Schadenausmaß werden individuelle Verletzlichkeitswerte abgeleitet, in weiterer Folge werden Verletzlichkeitsfunktionen für verschiedene Objektkategorien in Abhängigkeit der Prozessintensität abgeleitet. Im Anschluss daran wird eine umfassende Gleichung zur Beschreibung der Verletzlichkeit entwickelt, die im Rahmen des integralen Risikomanagement angewandt werden kann. Hierzu findet eine Validierung der Ergebnisse anhand von Ergebnissen aus anderen Alpenländern statt. Abschließend werden Empfehlungen und Richtlinien erarbeitet, um Stakeholdern die ex-ante Quantifizierung des durch Wildbäche hervorgerufenen Risikos zu ermöglichen. Zukünftige Schutzstrategien können somit auf Basis des Vorsorgeprinzips implementiert werden, was zu einer Verringerung der Schäden durch Wildbachprozesse beiträgt.

Das Risikokonzept wird zunehmend angewendet, um die Anfälligkeit der Gesellschaft gegenüber Naturgefahren in Gebirgsräumen zu bestimmen. Risiko ist definiert als eine Kombination aus Auftretenswahrscheinlichkeit und Größe eines gefährlichen Prozesses, dem Wert exponierter Elemente wie Gebäude, und deren Schadensanfälligkeit. Diese Schadensanfälligkeit oder Vulnerabilität ergibt sich aus dem Schadengrad infolge der Beschädigung durch Naturgefahren, und ist bislang nicht hinreichend genau quantifiziert worden. Unter Zuhilfenahme gut dokumentierter Wildbach-Ereignisse wurden Vulnerabilitätsfunktionen für unterschiedliche Gebäudekategorien und verschiedene Wildbachtypen entwickelt. Die zugrunde liegende Methodik basiert auf einem räumlich- expliziten Ansatz unter Verwendung von Prozessgröße, individueller Eigenschaften der gefährdeten Gebäude sowie deren Wert; zudem wurden Daten bereits aufgetretener Schadensfälle analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass eine modifizierte Weibull-Verteilung das beobachtete Schadensmuster für absolute Werte am besten widerspiegelt, und eine modifizierte Frechet-Verteilung für auf die individuelle Gebäudehöhe bezogene relative Werte. Unsicherheiten aus der Berechnung und aus den Grundlagendaten wurden hierbei berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht zwischen unterschiedlichen Wildbachtypen (wie Murgang oder geschiebeführendes Hochwasser) unterschieden werden muss, da die KurvenverläufedererrechnetenVulnerabilitätsfunktionen hinreichendgenau übereinstimmen, und die Schadenlast gut abbilden. Zusätzlich wurden räumliche Verteilungsmuster der Vulnerabilität von Gebäuden auf Wildbachkegeln untersucht, da bislang lediglich vage Aussagen möglich waren, dass hohe Prozessintensitäten mit einer größeren Schadensanfälligkeit einhergehen als kleinere Prozessintensitäten. Wir zeigen auf, dass die Schadensverteilung neben den Gebäudecharakteristika auch andere Ursachen hat, Beispiele hierfür ist eine unterschiedliche Siedlungsstruktur oder ein unterschiedliches Muster in der Landnutzung. Die errechneten Funktionen wurden abschließend mit Daten aus anderen Gebirgsräumen verglichen, und sind grundsätzlich auch dort anwendbar. Die präsentierten Vulnerabilitätsfunktionen können im Rahmen des Risikomanagements verwendet werden, um den Schutz gefährdeter Objekte zu erhöhen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Matteo DallAmico, Università di Trento - Italien
  • Hans Romang, Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung - Schweiz

Research Output

  • 598 Zitationen
  • 7 Publikationen
Publikationen
  • 2012
    Titel Towards dynamics in flood risk assessment
    DOI 10.5194/nhess-12-3571-2012
    Typ Journal Article
    Autor Mazzorana B
    Journal Natural Hazards and Earth System Sciences
    Seiten 3571-3587
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Vulnerability assessment in natural hazard and risk analysis: current approaches and future challenges
    DOI 10.1007/s11069-012-0352-9
    Typ Journal Article
    Autor Fuchs S
    Journal Natural Hazards
    Seiten 1969-1975
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Spatial scan statistics in vulnerability assessment: an application to mountain hazards
    DOI 10.1007/s11069-011-0081-5
    Typ Journal Article
    Autor Fuchs S
    Journal Natural Hazards
    Seiten 2129-2151
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Mountain torrents: Quantifying vulnerability and assessing uncertainties
    DOI 10.1016/j.enggeo.2012.12.019
    Typ Journal Article
    Autor Totschnig R
    Journal Engineering Geology
    Seiten 31-44
    Link Publikation
  • 2010
    Titel A quantitative vulnerability function for fluvial sediment transport
    DOI 10.1007/s11069-010-9623-5
    Typ Journal Article
    Autor Totschnig R
    Journal Natural Hazards
    Seiten 681-703
    Link Publikation
  • 2010
    Titel A coupled vulnerability approach for European mountain regions
    DOI 10.2495/risk100441
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Fuchs S
    Seiten 527-541
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Mountain hazards: reducing vulnerability by adapted building design
    DOI 10.1007/s12665-011-1410-4
    Typ Journal Article
    Autor Holub M
    Journal Environmental Earth Sciences
    Seiten 1853-1870
    Link Publikation

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