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Strategisches Design - Wertschöpfungsfaktor für Unternehmen

Strategic design as value creation factor for enterprises

Hartmut Esslinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/L641
  • Förderprogramm Translational-Research-Programm
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2009
  • Projektende 31.03.2011
  • Bewilligungssumme 134.365 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (60%); Soziologie (40%)

Keywords

    Design, Strategy, Designmanagement, Management, Design Theory, Strategic Design

Abstract Endbericht

Zunehmende Globalisierung und damit verbundenes Outsourcing haben in den letzten drei Jahrzehnten in vielen Unternehmen dazu geführt, dass sich die innerhalb einer Produktentwicklung integrierten Prozesse der PLM- (Produkt-Lebenszyklus Management) Kette auf diverse Firmen weltweit verteilen und dadurch stark fragmentieren. In der Praxis heißt das beispielsweise, dass nach jeder Phase des PLM Prozesses eine komplette Dokumentation an den nächsten Projektpartner übergeben werden muss, inklusive Vorgaben für die wirtschaftlichen und zeitlichen Vereinbarungen, denn jede spätere, noch so kleine Änderung verursacht Kosten und Zeitverzögerungen. Dies resultiert in einer massiven organisatorischen Aufgabe für die am Produktentwicklungsprozess beteiligten Unternehmen und deren Mitarbeiter. Darüber hinaus bringen komprimierte Produktionszeiträume - "Time-to- Market" von z.B. drei bis sechs Monaten bei High-Tech Produkten - einen so massiven Zeitdruck mit sich, dass ein reibungsloser Ablauf der einzelnen Prozesse Priorität über Originalität der Produkte hat - und aufgrund unzureichender Kommunikation zwischen den Projektpartnern oft doch nicht erreicht wird. Um also für Unternehmen Originalität der Marke, Kreativität, Qualität und globale Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, braucht es eine neue integrierende Disziplin: und an dieser Stelle bietet Design ("ein industrienaher, zur seriellen Multiplikation geeigneter, konsumenten- und produktionsnaher Entwurfsprozess") die besten Voraussetzungen. Mit dem weit gespannten Spektrum strategisch-integrativer Möglichkeiten von Design lassen sich transnational und parallel ablaufende PLM Prozesse überblicken und in einem allumspannenden Co-Design Prozess begleiten. Die so entstandene Controllingfunktion von Design könnte nachhaltige Ressourcennutzung und effektives Zeitmanagement sicherstellen ebenso wie nachträgliche Produktkorrekturen drastisch reduzieren. Ziel dieses Forschungsprojektes ist es, diese, durch die Globalisierung verursachten, Probleme zum Anlass für eine erweiterte Erforschung des strategischen Potenzials von Design zu nutzen, auf Stärken und Schwächen zu untersuchen, und dann strategisches Design innerhalb der Herausforderungen durch globale PLM Prozesse neu zu definieren. So sollen, aufbauend auf einen fundierten theoretischen Ansatz, Zukunftsperspektiven für strategisches Design als Wertschöpfungsfaktor für Unternehmen gezeichnet und Implementierungsstrategien entwickelt werden, um damit für die Zukunft den Handlungsspielraum kreativer Tätigkeit generell zu erweitern.

? Wie hat sich das Leistungsspektrum des Designs in den vergangenen Jahren international verändert? ? Wo steht die österreichische Designpraxis und -lehre im internationalen Vergleich, und was muss sich in der österreichischen Designpraxis und -lehre ändern, damit DesignerInnen und Unternehmen auch in Österreich das volle Designleistungsspektrum erreichen können? Zur Beantwortung dieser Forschungs-fragen folgte das Forschungsprojekt "Strategisches Design" einem qualitativen Forschungsansatz aufbauend auf "Grounded-Theorie" nach Glaser und Strauss (1998) und kam zu folgendem Ergebnis: 1/ Die ökonomische, ökologische und soziale Qualität und Relevanz der Arbeitsergebnisse von DesignerInnen variieren international stark voneinander. Vor allem die Designindustrie in den USA arbeitet mit neuen Designprozessen und -methoden daran, den Wirkungsgrad der eigenen Arbeit zu erhöhen und zunehmend mehr Einfluss auf die Strategieentwicklung von Unternehmen zu gewinnen. Für DesignerInnen eröffnete sich so ein neues Arbeitsfeld, das mit dem Begriff "Strategisches Design" beschrieben wird: Mit kreativen Methoden und Prozessen werden dabei Konzepte (beispielsweise für Produkte, Services, Erlebniswelten, Organisationen oder Arten der Interaktion) und/oder Langzeitstrategien für Unternehmen entwickelt, die Unternehmen helfen, ihr innovatives Potenzial zu aktivieren und sich zu verantwortungsvollen, nachhaltigen und strategisch starken Akteuren auf dem Weltmarkt zu wandeln. Während Design in den USA so stetig an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnt, scheint in Österreich die Zeit still zu stehen: Noch immer kreist der österreichische Designdiskurs primär um ästhetische Aspekte und Selbstreflektion, statt international relevante Fragestellungen zu akzeptieren. 2/ Die österreichische Designlehre spiegelt diese Problematik bis auf wenige Ausnahmen wieder: Nach wie vor liegt ihr Fokus vorrangig auf sogenanntem "Autoren-Design", welches künstlerisches Talent erfordert, aus methodologischer Sicht jedoch auf Low-Tech-Methoden, also traditionellem Kunsthandwerk basiert. Die österreichische Designausbildung basiert auf handwerklicher Grundausbildung in den Bereichen Holz, Möbel, Grafik, Medien, Textil, Mode, Glas und Keramik, sowie einen betont künstlerischen Diskurs. In den USA seit Jahren übliche, technische, wirtschaftliche, ökologische und anthropologische Designfragestellungen werden jedoch kaum berührt. Das Ergebnis: Österreichische DesignerInnen schöpfen Möglichkeiten des Designleistungsspektrums nicht annähernd aus und sind international weder konzeptionell noch wirtschaftlich relevant - z.B. auch nur die Haelfte an durchschnittlichem Einkommen im Vergleich mit KollegInnen in Gross-Britannien. Das Fazit: a/ DesignerInnen in Österreich müssen sich von der naiven und sozial verantwortungslosen Rolle der "halben und verkannten Künstler" lösen, heute notwendige Kompetenzen erwerben und sich ihren wirklichen Aufgaben in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt stellen. b/ Die technophobe und kunsthandwerklich orientierte Praxis der österreichischen Designausbildung ist angesichts der neuen, globalen Anforderungen nicht mehr haltbar. Designlehrstätten müssen antiquierte Arbeits- und Lehrmethoden durch zeitgemäße ersetzen und bei der Auswahl der Lehrkräfte auf eine kompetente Qualifikation achten, die dem internationalen Standard entspricht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für angewandte Kunst Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Thomas Lockwood, The Design Management Institute - Vereinigte Staaten von Amerika

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