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Kooperation, Partner und Kognition bei Raben

Cooperation, collaborators and cognition in ravens

Jorg J. M. Massen (ORCID: 0000-0002-1630-9606)
  • Grant-DOI 10.55776/M1351
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.01.2012
  • Projektende 14.01.2014
  • Bewilligungssumme 117.560 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Animal Behaviour, Ravens, Social Cognition, Reciprocal Altruism, Cooperation, Inequity Aversion

Abstract Endbericht

Kooperation erlaubt Probleme zu bewältigen, die als Einzelindividuum unlösbar sind; allerdings geht diese Strategie mit der Ungewissheit einher, von anderen ausgenützt zu werden. Als Konsequenz haben sich Mechanismen entwickelt, die einen Umgang mit dieser Ungewissheit erlauben. Unter Gruppenmitgliedern und gut bekannten Individuen scheint kooperatives Verhalten vor allem unbewusst abzulaufen und via Emotionen gesteuert zu sein. Hingegen setzen Menschen beim Umgang mit Unbekannten bzw. Fremden höhere kognitive Fähigkeiten,wie die Berücksichtung von Kosten/Nutzen, das Zuschreiben von Intentionen und Verständnis der Rollen, ein. Inwieweit derartige Entscheidungsregeln evolutionär verankert sind, d.h. ob außer dem Menschen eine Tierart ihre Entscheidungsregeln zur Kooperation dem Bekanntheitsgrad der beteiligten Individuen anpasst, ist nicht bekannt. Ziel dieser Studie ist es, experimentell zu testen, welche Entscheidungsregeln Raben anwenden, wenn sie mit Individuen unterschiedlichen Bekanntheitsgrades kooperieren sollen. Im täglichen Leben interagieren Raben regelmäßig mit bekannten und unbekannten Artgenossen; zudem sind sie für ihre hohen kognitiven Leistungen im sozialen Kontext bekannt. Die Experimente sollen zeigen, ob Raben eine Präferenz für bekannte Kooperationspartner haben, ob sie mit Unbekannten eine gleichmäßige Verteilung der Belohnung für eine kooperative Handlung einfordern und ob sie die Kosten und Nutzen ihrer Handlungen abschätzen können. Ergänzt werden die Experimente mit Beobachtungen an wildlebenden Raben, die den Austausch kooperativer Handlungen innerhalb derselben Währung (z.B. Kraulen gegen Kraulen) oder unterschiedlicher Währungen (z.B. Kraulen für Hilfe im Streit) zwischen bekannten und unbekannten Individuen untersuchen.

Unsere Forschung vertieft das Verständnis über die Beziehungen zwischen einzelnen Tieren und der daraus resultierenden Konsequenzen für Kooperation und Kognition dieser Individuen. Zum einen zeigen unsere Untersuchungen, dass eine gute Beziehung oder Freundschaft zwischen Schimpansen auf einer Ähnlichkeit der einzelnen Charaktereigenschaften beruht. Da es bei Menschen eine ähnliche Grundlage gibt, scheinen unsere gemeinsamen Vorfahren die Vorliebe für Freundschaften zu teilen. Es ergibt sich die Frage, welche anderen Tierarten diese Mechanismen zur Auswahl der Freunde pflegen. Zum anderen zeigen Untersuchungen in diesem Projekt dass nicht nur Verhaltensforscher den Beziehungsstatus zwischen einzelnen Tieren feststellen können, sondern auch Raben in Bezug auf ihre Artgenossen. Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Raben dieses Wissen auf sehr politische Weise nutzen um z.B. andere Tiere an der Bildung von Allianzen zu hindern, um damit zukünftige Machtkämpfe mit ihnen zu vermeiden. Eines ist klar ersichtlich: je besser die Beziehung zwischen zwei Raben, desto besser ist auch ihre Fähigkeit zur Kooperation. Allerdings wurde in einer weiteren Untersuchung auch festgestellt, dass sie einen Artgenossen, selbst einen Freund, nicht unterstützen, wenn sie nicht selbst einen Nutzen daraus ziehen können. Zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob Raben tatsächlich Egoisten sind, oder doch unter bestimmten Umständen ihren Freunden helfen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 629 Zitationen
  • 10 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Partner Choice in Raven (Corvus corax) Cooperation
    DOI 10.1371/journal.pone.0156962
    Typ Journal Article
    Autor Asakawa-Haas K
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Auditory Contagious Yawning in Humans: An Investigation into Affiliation and Status Effects
    DOI 10.3389/fpsyg.2015.01735
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 1735
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Ravens notice dominance reversals among conspecifics within and outside their social group
    DOI 10.1038/ncomms4679
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal Nature Communications
    Seiten 3679
    Link Publikation
  • 2014
    Titel A thermal window for yawning in humans: Yawning as a brain cooling mechanism
    DOI 10.1016/j.physbeh.2014.03.032
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal Physiology & Behavior
    Seiten 145-148
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Subadult ravens generally don't transfer valuable tokens to conspecifics when there is nothing to gain for themselves
    DOI 10.3389/fpsyg.2015.00885
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal Frontiers in Psychology
    Seiten 885
    Link Publikation
  • 2013
    Titel A behavioral view on chimpanzee personality: Exploration tendency, persistence, boldness, and tool-orientation measured with group experiments
    DOI 10.1002/ajp.22159
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal American Journal of Primatology
    Seiten 947-958
  • 2013
    Titel Stability and Durability of Intra- and Intersex Social Bonds of Captive Rhesus Macaques (Macaca mulatta)
    DOI 10.1007/s10764-013-9695-7
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal International Journal of Primatology
    Seiten 770-791
  • 2014
    Titel Chimps of a feather sit together: chimpanzee friendships are based on homophily in personality
    DOI 10.1016/j.evolhumbehav.2013.08.008
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal Evolution and Human Behavior
    Seiten 1-8
    Link Publikation
  • 2013
    Titel 5th Congress of the European Federation for Primatology. Antwerp, Belgium, September 10-13, 2013
    DOI 10.1159/000354129
    Typ Journal Article
    Autor Folia Primatologica E
    Journal Folia Primatologica
    Seiten 239-346
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Male Yawning Is More Contagious than Female Yawning among Chimpanzees (Pan troglodytes)
    DOI 10.1371/journal.pone.0040697
    Typ Journal Article
    Autor Massen J
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation

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