Kooperation, Partner und Kognition bei Raben
Cooperation, collaborators and cognition in ravens
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Animal Behaviour,
Ravens,
Social Cognition,
Reciprocal Altruism,
Cooperation,
Inequity Aversion
Kooperation erlaubt Probleme zu bewältigen, die als Einzelindividuum unlösbar sind; allerdings geht diese Strategie mit der Ungewissheit einher, von anderen ausgenützt zu werden. Als Konsequenz haben sich Mechanismen entwickelt, die einen Umgang mit dieser Ungewissheit erlauben. Unter Gruppenmitgliedern und gut bekannten Individuen scheint kooperatives Verhalten vor allem unbewusst abzulaufen und via Emotionen gesteuert zu sein. Hingegen setzen Menschen beim Umgang mit Unbekannten bzw. Fremden höhere kognitive Fähigkeiten,wie die Berücksichtung von Kosten/Nutzen, das Zuschreiben von Intentionen und Verständnis der Rollen, ein. Inwieweit derartige Entscheidungsregeln evolutionär verankert sind, d.h. ob außer dem Menschen eine Tierart ihre Entscheidungsregeln zur Kooperation dem Bekanntheitsgrad der beteiligten Individuen anpasst, ist nicht bekannt. Ziel dieser Studie ist es, experimentell zu testen, welche Entscheidungsregeln Raben anwenden, wenn sie mit Individuen unterschiedlichen Bekanntheitsgrades kooperieren sollen. Im täglichen Leben interagieren Raben regelmäßig mit bekannten und unbekannten Artgenossen; zudem sind sie für ihre hohen kognitiven Leistungen im sozialen Kontext bekannt. Die Experimente sollen zeigen, ob Raben eine Präferenz für bekannte Kooperationspartner haben, ob sie mit Unbekannten eine gleichmäßige Verteilung der Belohnung für eine kooperative Handlung einfordern und ob sie die Kosten und Nutzen ihrer Handlungen abschätzen können. Ergänzt werden die Experimente mit Beobachtungen an wildlebenden Raben, die den Austausch kooperativer Handlungen innerhalb derselben Währung (z.B. Kraulen gegen Kraulen) oder unterschiedlicher Währungen (z.B. Kraulen für Hilfe im Streit) zwischen bekannten und unbekannten Individuen untersuchen.
Unsere Forschung vertieft das Verständnis über die Beziehungen zwischen einzelnen Tieren und der daraus resultierenden Konsequenzen für Kooperation und Kognition dieser Individuen. Zum einen zeigen unsere Untersuchungen, dass eine gute Beziehung oder Freundschaft zwischen Schimpansen auf einer Ähnlichkeit der einzelnen Charaktereigenschaften beruht. Da es bei Menschen eine ähnliche Grundlage gibt, scheinen unsere gemeinsamen Vorfahren die Vorliebe für Freundschaften zu teilen. Es ergibt sich die Frage, welche anderen Tierarten diese Mechanismen zur Auswahl der Freunde pflegen. Zum anderen zeigen Untersuchungen in diesem Projekt dass nicht nur Verhaltensforscher den Beziehungsstatus zwischen einzelnen Tieren feststellen können, sondern auch Raben in Bezug auf ihre Artgenossen. Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Raben dieses Wissen auf sehr politische Weise nutzen um z.B. andere Tiere an der Bildung von Allianzen zu hindern, um damit zukünftige Machtkämpfe mit ihnen zu vermeiden. Eines ist klar ersichtlich: je besser die Beziehung zwischen zwei Raben, desto besser ist auch ihre Fähigkeit zur Kooperation. Allerdings wurde in einer weiteren Untersuchung auch festgestellt, dass sie einen Artgenossen, selbst einen Freund, nicht unterstützen, wenn sie nicht selbst einen Nutzen daraus ziehen können. Zukünftige Untersuchungen werden zeigen, ob Raben tatsächlich Egoisten sind, oder doch unter bestimmten Umständen ihren Freunden helfen.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 629 Zitationen
- 10 Publikationen
-
2016
Titel Partner Choice in Raven (Corvus corax) Cooperation DOI 10.1371/journal.pone.0156962 Typ Journal Article Autor Asakawa-Haas K Journal PLOS ONE Link Publikation -
2015
Titel Auditory Contagious Yawning in Humans: An Investigation into Affiliation and Status Effects DOI 10.3389/fpsyg.2015.01735 Typ Journal Article Autor Massen J Journal Frontiers in Psychology Seiten 1735 Link Publikation -
2014
Titel Ravens notice dominance reversals among conspecifics within and outside their social group DOI 10.1038/ncomms4679 Typ Journal Article Autor Massen J Journal Nature Communications Seiten 3679 Link Publikation -
2014
Titel A thermal window for yawning in humans: Yawning as a brain cooling mechanism DOI 10.1016/j.physbeh.2014.03.032 Typ Journal Article Autor Massen J Journal Physiology & Behavior Seiten 145-148 Link Publikation -
2015
Titel Subadult ravens generally don't transfer valuable tokens to conspecifics when there is nothing to gain for themselves DOI 10.3389/fpsyg.2015.00885 Typ Journal Article Autor Massen J Journal Frontiers in Psychology Seiten 885 Link Publikation -
2013
Titel A behavioral view on chimpanzee personality: Exploration tendency, persistence, boldness, and tool-orientation measured with group experiments DOI 10.1002/ajp.22159 Typ Journal Article Autor Massen J Journal American Journal of Primatology Seiten 947-958 -
2013
Titel Stability and Durability of Intra- and Intersex Social Bonds of Captive Rhesus Macaques (Macaca mulatta) DOI 10.1007/s10764-013-9695-7 Typ Journal Article Autor Massen J Journal International Journal of Primatology Seiten 770-791 -
2014
Titel Chimps of a feather sit together: chimpanzee friendships are based on homophily in personality DOI 10.1016/j.evolhumbehav.2013.08.008 Typ Journal Article Autor Massen J Journal Evolution and Human Behavior Seiten 1-8 Link Publikation -
2013
Titel 5th Congress of the European Federation for Primatology. Antwerp, Belgium, September 10-13, 2013 DOI 10.1159/000354129 Typ Journal Article Autor Folia Primatologica E Journal Folia Primatologica Seiten 239-346 Link Publikation -
2012
Titel Male Yawning Is More Contagious than Female Yawning among Chimpanzees (Pan troglodytes) DOI 10.1371/journal.pone.0040697 Typ Journal Article Autor Massen J Journal PLoS ONE Link Publikation