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Universalien und Variation in Satzeinbettungen

Universals and variation in clausal complementation

Susanne Wurmbrand (ORCID: 0000-0002-8794-9889)
  • Grant-DOI 10.55776/M2332
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.11.2017
  • Projektende 14.11.2019
  • Bewilligungssumme 166.180 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (5%); Sprach- und Literaturwissenschaften (95%)

Keywords

    Syntax, Language variation, Language universals, Complementation, Restructuring, Clause size

Abstract Endbericht

Versuchen, beschließen, wünschen, glauben, behaupten, hoffen Alltagskonzepte dieser Art weisen faszinierende linguistische Eigenschaften sowie ein mannigfaltiges Spektrum an sprachübergreifender und sprachinterner Variation auf. Gedankliche Konzepte dieser Art werden durch Subordinationskon- figurationen vermittelt, und Satzeinbettungstheorien untersuchen, wie diese Strukturen syntaktisch und semantisch in ihre übergeordneten Sätze eingebunden werden. Traditionell unterscheidet die Grammatiktheorie zwischen Subordinationskonfigurationen, die aus zwei Teilsätzen bestehen, und Sätzen mit Hilfsverben, die eine Ein-Satzkonfiguration bilden. Linguistische Restrukturierung be- zeichnet eine Klasse von Konstruktionen, die zwischen diesen Polen liegenEinbettungen, die Sub- ordinationseigenschaften aufweisen, jedoch syntaktisch und semantisch in vielerlei Hinsicht einer Ein-Satzkonfiguration entsprechen. Untersuchungen zum Thema Einbettungen und Restrukturierung haben ergeben, dass Satzwertigkeit kein binäres Phänomen darstellt, sondern Sätze graduell abgestuf- te Komplexität aufweisen. Die zentrale Hypothese dieses Projekts besteht in der Annahme, dass die Satzwertigkeitsskala eine implikative Hierarchie minimaler Satzgröße reflektiert, die durch ein Zu- sammenspiel syntaktischer und semantischer Einbettungseigenschaften bestimmt wird, und dass diese Hierarchie eine grundlegende Eigenschaft von Sprache ist. Das Projekt untersucht Einbettungen und Satzwertigkeitseigenschaften in einer Auswahl typo- logisch verschiedener Sprachen, mit dem Ziel, maximale genetische und geographische Streuung zu erhalten. Um vollständige Beschreibungen der Einbettungsmuster in den verschiedenen Sprachen zu erlangen, werden Erstresultate, die mittels Grammatiken, Datenbanken und bestehender Literatur gesammelt werden, nach Rücksprache mit Forschungs- und Sprachspezialisten erweitert und ergänzt. Da sprachspezifische Faktoren oftmals Eigenschaften, die Sprachen gemein sind, verbergen, ist ein direkter oberflächenorientierter Vergleich von Einbettungskonfigurationen nicht immer möglich. Die in diesem Projekt entwickelten Hilfsmittel und Strategienimplikative Hierarchieeffekte und auf die Satzwertigkeitsskala abzielende Restrukturierungseigenschaftenerlauben eine Annäherung an die Frage, welche abstrakten Eigenschaften in allen Sprachen zu finden sind und was die Bandbreite der Variation ist. Sprachunterschiede und Mannigfaltigkeit stellen zentrale Prüfsteine im Ermessen der Bedeutung von Sprache im menschlichen Denken dar. Fragen wie, was die Beziehung zwischen Sprache und Denken ist, oder wie Sprache mit anderen kognitiven Systemen verknüpft ist, können erst beantwortet werden, wenn eine umfassende Charakterisierung der Spracheigenschaften vorliegt. Die in diesem Projekt entwickelte Satzeinbettungstypologie stellt daher auch ein neues Testterrain dar, um Einblicke in die Beschaffenheit vielschichtiger mentaler Konzepte und letztendlich das Wirken des menschlichen Geistes zu erlangen.

Gedanken, Überzeugungen, Äußerungen, Behauptungen, Vermutungen, Hoffnungen, Vorstellungen, Wünsche und viele andere Konzepte werden häufig durch Komplementierung (Subordination, Einbettung) ausgedrückt. Sprachen weisen eine Vielzahl an Einbettungsmöglichkeiten auf, die nach semantischen Eigenschaften (wie Interrogativ, Aussage, Befehl) und/oder morphosyntaktischen Eigenschaften (wie Finitheit, Infinitiv, Konjunktiv, Nominalisierung) klassifiziert werden können. Eine bemerkenswerte Beobachtung ist, dass es eine Abhängigkeit zwischen der Bedeutung einer Komplementierungskonfiguration und der morphosyntaktischen Kodierung gibt - eine Änderung in einem Bereich führt oft zu einer Änderung im anderen Bereich. Beispielsweise impliziert die Infinitivkonstruktion "Ich habe vergessen, die Pflanzen zu gießen", dass ich die Pflanzen nicht gegossen habe, während die finite Konstruktion "Ich habe vergessen, dass ich die Pflanzen gegossen habe" bedeutet, dass ich die Pflanzen gegossen habe. "Universalien und Variation in Satzeinbettungen" hat untersucht, wie Komplementierung in verschiedenen Sprachen ausgeführt wird, mit dem Ziel, die gemeinsamen sprachübergreifenden Eigenschaften zu isolieren und die beobachtete Variation zu katalogisieren. Eine Zusammenstellung der möglichen und unmöglichen Kombinationen von semantischen und morphosyntaktischen Eigenschaften hat neue Regelmäßigkeiten zutage gebracht, die auf eine möglicherweise universelle Organisation von Komplementierung hindeuten. Das Projekt hat gezeigt, dass verschiedene Arten von Komplementsätzen entlang einer Implikationshierarchie angeordnet sind, die semantisch definiert und durch mannigfaltige morphologische und syntaktische Eigenschaften nachweisbar ist. Aufgrund der erheblichen sprachübergreifenden Unterschiede in der morphosyntaktischen Kodierung von Komplementsätzen ist es unmöglich, durch Betrachtung der Oberflächenformen gemeinsame Eigenschaften herauszufiltern. Implikationshierarchien hingegen haben den Vorteil, dass sie die Formulierung von relationalen Beschränkungen wie "Wenn eine Komplementklasse eine bestimmte Eigenschaft aufweist, weist jede Komplementklasse höher/niedriger auf der Hierarchie diese Eigenschaft ebenso auf" zulassen. Da Implikationshierarchien abstrakte und tiefgreifende Verbindungen zwischen grammatikalischen Eigenschaften hervorbringen können, sie sind ein wirkmächtiges und nützliches Werkzeug zum Studium von Sprachvariation. Die Implikationshierarchie wurde auf der Grundlage von semantischen Abhängigkeits- und Eigenständigkeitseigenschaften zwischen dem Hauptsatzprädikat und dem eingebetteten Satz entwickelt. Die eigenständigsten Komplementsätze sind Äußerungen (behaupten, sagen) und Glaubensaussagen (denken, meinen), die dem eingebetteten Subjekt und der eingebetteten Zeitform keinerlei Restriktionen auferlegen. Weniger unabhängige Komplementsätze beinhalten Befehle, Absichten oder Entscheidungen (befehlen, planen, entscheiden), die vorwärts gerichtete, nicht realisierte Ereignisse zum Ausdruck bringen und sowohl Abhängigkeits-, also auch Eigenständigkeitsmerkmale aufweisen. Die abhängigste Form der Komplementierung umfasst Versuchsaussagen (versuchen) und implikative Aussagen (vergessen, gelingen), die durch die Teilung des Subjekts und der Zeitinterpretation eine sehr enge Verbindung des Hauptsatzes und eingebetteten Prädikats implizieren. Diese Implikationshierarchie ermöglichte die Formulierung von expliziten, restriktiven und falsifizierbaren Hypothesen, und einige der genauer untersuchten Phänomene betrafen die sprachübergreifende Verteilung von Finitheit und Abhängigkeiten wie Kasus oder Übereinstimmung, die über verschiedene Arten von Satzgrenzen errichtet werden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Neda Todorovic, The University of British Columbia - Kanada

Research Output

  • 38 Zitationen
  • 9 Publikationen
  • 3 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2023
    Titel An implicational universal in complementation-Theoretical insights and empirical progress; In: Propositional Arguments in Cross-Linguistic Research: Theoretical and Empirical Issues
    Typ Book Chapter
    Autor Wurmbrand S
    Verlag Narr Verlag
    Seiten 183-229
  • 2019
    Titel Cross-clausal A-dependencies
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Wurmbrand S
    Konferenz Chicago Linguistic Society
    Seiten 585-604
    Link Publikation
  • 2018
    Titel The cost of raising quantifiers
    DOI 10.5334/gjgl.329
    Typ Journal Article
    Autor Wurmbrand S
    Journal Glossa: a journal of general linguistics
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Tagalog tough movement is easy; In: Heading in the right direction: Linguistic treats for Lisa Travis
    Typ Book Chapter
    Autor Wurmbrand S
    Verlag McGill Working Papers in Linguistics
    Seiten 467-478
  • 2019
    Titel Indexical shift meets ECM
    DOI 10.7358/snip-2019-037-wurm
    Typ Journal Article
    Autor Wurmbrand S
    Journal Snippets
    Seiten 117-119
  • 2020
    Titel Finiteness in South Slavic Complement Clauses Evidence for an Implicational Finiteness Universal
    DOI 10.4312/linguistica.60.1.119-137
    Typ Journal Article
    Autor Kovač I
    Journal Linguistica
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Finiteness across domains; In: Current developments in Slavic Linguistics. Twenty years after
    Typ Book Chapter
    Autor Todorović
    Verlag Peter Lang
    Seiten 47-66
  • 2020
    Titel Germanic infinitives; In: Cambridge Handbook of Germanic Linguistics
    Typ Book Chapter
    Autor Wurmbrand S
    Verlag Cambridge University Press
    Seiten 389-412
  • 0
    Titel An implicational universal in complementation-Theoretical insights and empirical progress; In: Propositional Arguments in Cross-Linguistic Research: Theoretical and Empirical Issues
    Typ Book Chapter
    Autor Wurmbrand S
    Verlag Mouton de Gruyter
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2019
    Titel Language
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2015
    Titel OGS
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2006
    Titel JCGL
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2019
    Titel Harvard
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2019
    Geldgeber Harvard University
  • 2019
    Titel Harvard University
    Typ Research grant (including intramural programme)
    Förderbeginn 2019
    Geldgeber Harvard University

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