Studie über studentisches Lernen nach dem Auslandssemester
Investigating learning among returning ERASMUS students
Wissenschaftsdisziplinen
Erziehungswissenschaften (15%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
Study Abroad,
ERASMUS,
Second Language Learning,
Intercultural Learning,
Language Learning Psychology,
Language Learning Motivation
In Anbetracht des Ausmaßes, der Bedeutung und des angestrebten Wachstums der Studierendenmobilität innerhalb Europas besteht dringender Bedarf, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich die Lernausgänge studienbezogener Auslandsaufenthalte am besten maximieren lassen. Die Anzahl der empirischen Studien darüber, wie sich fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenzen, die während studienbezogenen Auslandsaufenthalten von den Studierenden entwickelt wurden, nach deren Rückkehr an die Heimatuniversität fortentwickeln, ist bislang jedoch äußerst gering. Die vorliegende Studie untersucht die Entwicklung fremdsprachlicher Kompetenzen, Sprachlernmotivation und Sprachverwendungsangst, sowie interkultureller Kompetenzen von Studierenden, die ein oder mehrere Auslandssemester mit dem ERASMUS Programm an einer britischen Hochschule absolviert haben und nun das Studium an der Heimatuniversität wiederaufnehmen. Die Studie ermittelt zudem die aus der Sicht der Studierenden größten Herausforderungen nach der Rückkehr an die Heimatuniversität, sowie die Bedürfnisse der Studierenden hinsichtlich institutioneller Unterstützungs- und Lernangebote. Die interdisziplinäre Studie, die an der Schnittstelle der angewandten Sprachwissenschaft und der Bildungsforschung anzusiedeln ist, verwendet hierzu ein Längsschnittdesign mit sowohl qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, welches die interkulturellen Lernprozesse, die sprachlichen Fortschritte, die Sprachlernmotivation und Sprachverwendungsangst der Studierenden vom Zeitpunkt der Ausreise nach Großbritannien, über den Auslandsaufenthalt hinweg und bis zu 9 Monaten nach der Rückkehr an die Heimatuniversität mit wiederholten Sprachtests, umfangreichen Fragebögen und persönlichen Interviews aufzeichnet. Statistische Analysen dienen dazu, allgemeine Trends zu den Lernfortschritten und der Entwicklung aller Teilnehmer zu ermitteln, während die qualitative Analyse der Narrative der Studierenden die Dynamik dieser Lernprozesse und Entwicklungstendenzen näher beleuchtet. Von dieser bislang umfangreichsten Studie zur Entwicklung von fremdsprachlichen und interkulturellen Kompetenzen infolge studienbezogener Auslandsaufenthalte mit dem ERASMUS Programm sind bedeutende wissenschaftliche Beiträge auf den Gebieten der internationalen Hochschulbildungsforschung, der angewandten Sprachwissenschaft und Zweitspracherwerbsforschung, der Sprachlernpsychologie und der interkulturellen Bildungsforschung zu erwarten. Die Erkenntnisse sind zudem von großer Relevanz für die institutionelle Praxis an Hochschulen, sowie für die Hochschulpolitik, und können Internationalisierungsstrategien und Massnahmen staerken, die dazu dienen, die reibungslose Wiederaufnahme des Studiums an der Heimatuniversität zu erleichtern und die längerfristigen Lernausgänge studienbezogener Auslandsaufenthalte zu maximieren.
Lise Meitner Projekt M2353 ist die bislang umfangreichste Längsschnittstudie, die die Entwicklung interkultureller und fremdsprachlicher Kompetenzen, sowie der Sprachlernmotivation von ERASMUS Studierenden über das Ende des Auslandsaufenthaltes hinaus nach der Rückkehr an die Heimatuniversität untersucht. Die Studienteilnehmer waren ERASMUS Studierende verschiedener Studienrichtungen mit deutscher Muttersprache, die ein Semester oder ein ganzes Studienjahr an einer britischen Hochschule verbrachten. Darüber hinaus beinhaltete die Studie eine Vergleichsgruppe mit Studierenden desselben Jahrgangs, die sich ebenfalls für einen ERASMUS Austausch an britischen Hochschulen beworben hatten, jedoch an der Heimatuniversität weiterstudierten. Die Studie verwendete ein Längsschnittdesign mit sowohl qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, welches die interkulturellen Lernprozesse, die sprachlichen Fortschritte und die Sprachlernmotivation aller Teilnehmer vom Zeitpunkt der Ausreise nach Großbritannien, über den Auslandsaufenthalt hinweg und bis zu 9 Monate nach der Rückkehr an die Heimatuniversität mittels Sprachtests, umfangreicher Fragebögen und persönlicher Interviews aufzeichnete. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Teilnehmer ihr gesamtsprachliches Niveau im Englischen 6-9 Monate nach der Rückkehr zwar hielt, jedoch trotz regelmäßigem, mehrmals wöchentlichem Gebrauch des Englischen in der Freizeit und an der Heimatuniversität nicht weiterentwickelte. Neben motivationalen Einflussfaktoren waren sowohl das zum Ende des Aufenthaltes erreichte Sprachniveau, als auch die Selbstwirksamkeit insbesondere beim Sprechen auf Englisch signifikant positiv mit der Entwicklung des Sprachniveaus nach der Rückkehr assoziiert. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang bestand dagegen zwischen der Länge des ERASMUS Aufenthaltes (ein Semester oder ein Studienjahr) und Rückbildung/ Erhalt/ Fortschritt des Sprachniveaus nach dem Aufenthalt. Im Bereich interkultureller Kompetenzentwicklung war unter anderem zu beobachten, dass die während der ersten drei Monate im Ausland signifikant gestiegene Selbstwirksamkeit der Studierenden in interkulturellen Begegnungen neun Monate nach der Rückkehr bei der Mehrheit der Studierenden rückläufig war. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass diese trotz zunehmender Diversität an Hochschulen im Inland durch strukturierte Erfahrungen von Diversität mit ergänzenden Reflexionsangeboten aktiv zu fördern ist. Weiterhin zeigen die Ergebnisse bei einigen Teilnehmern im Zuge der Rückkehrerfahrung nochmals zunehmendes Bewusstsein für den eigenen kulturellen Hintergrund, verinnerlichte Denk- und Handlungsmuster, sowie deren relative Gültigkeit (intercultural awareness). Die Reflexionen der Studierenden blieben hier jedoch oftmals auf den Einfluss der Nationalität fokussiert und bedienten sich trotz des hohen Grades an Reflexivität, Bildung und fremdsprachlicher Kompetenz der Teilnehmer oftmals stereotypisierender Darstellungen, während ein kritischerer Zugang zur Komplexität der eigenen Interkulturalität und interkulturellen Interaktionen nur bei einer Minderheit der Teilnehmer ersichtlich war. Insgesamt weisen die Studienergebnisse auf den dringenden Bedarf hin, den Erhalt und die Fortentwicklung fremdsprachlicher und interkultureller Kompetenzen nach der Rückkehr der Studierenden an die Heimatuniversität (z.B. durch Sprachlernberatung und kritische Reflexionsangebote) verstärkt zu unterstützen, um die Kontinuität dieser lebenslangen Lernprozesse zu gewährleisten und zudem einen Kompetenzrückgang zu vermeiden.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 13 Zitationen
- 4 Publikationen
- 1 Policies
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2019
Titel The role of international student interactions in English as a lingua franca in L2 acquisition, L2 motivational development and intercultural learning during study abroad DOI 10.14746/ssllt.2019.9.3.4 Typ Journal Article Autor Hessel G Journal Studies in Second Language Learning and Teaching Seiten 495-517 Link Publikation -
2020
Titel Self-efficacy in managing intercultural interactions as an outcome of participation in the ERASMUS programme: Evidence from German exchange students in the UK; In: Language and mobility: Study abroad in the contemporary European context Typ Book Chapter Autor Hessel Verlag Routledge -
2020
Titel The wellbeing and job satisfaction of secondary CLIL & tertiary EMI teachers Typ Journal Article Autor Hessel Journal Journal for the Psychology of Language Learning -
2020
Titel Overall L2 proficiency maintenance and development among returning ERASMUS study abroad participants DOI 10.1075/sar.19011.hes Typ Journal Article Autor Hessel G Journal Study Abroad Research in Second Language Acquisition and International Education Seiten 119-152 Link Publikation
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2019
Titel Evidence-based workshop given to foreign language teachers at the annual conference of the Association of Austrian Adult Education Centres (VÖV) in Salzburg on 23 March 2019 Typ Influenced training of practitioners or researchers
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2019
Titel Study abroad preparation workshop: making the most of your stay abroad Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2020
Titel Interview mit Frau Mag. phil. Sonja Burger im Auftrag des Scilog Magazins Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview
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2019
Titel Invited opening plenary speech Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International