microRNA-Signaturen der Venenthrombose
microRNAs as predictive biomarkers of venous thromboembolism
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (90%); Klinische Medizin (10%)
Keywords
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Microrna,
Thrombosis,
Biomarker,
Coagulation Factor VIII
Die Venenthrombose gehört mit einer jährlichen Inzidenz von 1-2 Fällen pro 1000 Personen zu den häufigsten Gefäßerkrankungen. Eine Thrombose entsteht dann, wenn das Blut zu stark oder an der falschen Stelle gerinnt. Infolge dessen bildet sich ein Blutgerinnsel, ein sogenannter Thrombus, welcher zu einem teilweisen oder kompletten Verschluss eines Blutgefäßes führen kann. Im Falle der Venenthrombose führt der gestörte Blutabstrom in der betroffenen Vene zu Schmerzen und Gewebeschäden. Löst sich der Thrombus, wandert er mit dem Blutstrom in die Lunge, wo er zu lebensgefährlichen Komplikationen führen kann (Lungenembolie). Das Risiko einer neuerlichen Venenthrombose liegt in den ersten fünf Jahren zwischen 25-30%, weshalb intensiv nach neuen Ansätzen zur Bewertung des individuellen Risikos für neuerliche Venenthrombosen geforscht wird. In diesem Zusammenhang sind kurze Nukleotidketten, sogenannte microRNAs (miRNAs) von besonderem Interesse. miRNAs werden in unserem Erbgut codiert und erfüllen wichtige Aufgaben bei der Steuerung grundlegender biologischer Prozesse. Dies gewährleisten sie, indem sie hochspezifisch an messenger(m)RNA Moleküle binden, welche die Vorlage für lebensnotwendige Proteine bilden. Nach der Bindung der miRNA an die mRNA wird die Produktion eines funktionsfähigen Proteins moduliert, was die physiologischen Eigenschaften einer Zelle verändert. Für die Grundlagen- sowie klinische Forschung sind miRNAs überaus attraktiv, da sie auf einen normalen biologischen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen können. Zum anderen gelangt man über die Erforschung krankheitassoziierter miRNAs zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden zellulären Pathomechanismen. Dies macht miRNAs zu attraktiven Biomarkern und innovativen therapeutischen Zielstrukturen. Die zentrale Hypothese unseres Forschungsvorhabens ist, dass sich einzelne miRNAs quantitativ im Blut von Thrombosepatienten und gesunden Personen unterscheiden, und einen essentiellen Einfluss auf die Pathogenese der Venenthrombose ausüben. Daher liegt der Fokus dieses Projektes auf der Identifizierung von thromboseassoziierten miRNAs, die zukünftig als prognostische Biomarker fungieren können. Mit Hilfe moderner molekularbiologischer Untersuchungssysteme haben wir in einer Pilotstudie die miRNA-Signaturen im Plasma von Thrombosepatienten und gesunden Probanden charakterisiert. Da miRNAs unmittelbar an die Zellaktivität gekoppelt sind, erlauben Sie nicht nur zwischen krank und gesund zu unterscheiden, sondern ermöglichen auch eine Aussage über den mögliche Krankheitsverlauf. Daher wollen wir miRNAs validieren, die zur Identifikation und Prognose von Hochrisikopatienten beitragen. Ausgangspunkt bildet hierbei die derzeit weltweit größte Studie zur Erforschung von Risikofaktoren für das Wiederauftreten von Venenthrombosen und Lungenembolien (Austrian Study on Recurrent Venous Thromboembolism). Abschließend widmen wir uns der zellulären Funktion von ausgewählten thromboseassoziierten miRNAs. Unser besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Aufklärung noch unbekannter miRNA-mRNA Interaktionen. Mit der geplanten Forschungsarbeit tragen wir essentiell zur Entwicklung neuer potentieller Biomarker in der Bewertung des individuellen Thromboserisikos bei. Darüber hinaus ermöglichen die von uns identifizierten thromboseassoziierten miRNAs ein besseres Verständnis der zellulären Mechanismen bei der Entstehung der Venenthrombose, was langfristig der Erforschung und Entwicklung neuer Therapieansätze dient. 1