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Habsburgische Gesandte in Rom, 1619-1740

Austrian Habsburg Envoys to Rome 1619-1740

Cecilia Mazzetti Di Pietralata (ORCID: 0000-0003-1166-7516)
  • Grant-DOI 10.55776/M2474
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2018
  • Projektende 31.03.2021
  • Bewilligungssumme 169.260 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)

Keywords

    Diplomacy, Collecting, Cultural Transfer, Habsburg, Patronage

Abstract Endbericht

Das Projekt befasst sich mit der Rolle, welche Gesandte der österreichischen Habsburgermonarchie beim Heiligen Stuhl für den künstlerischen und kulturellen Austausch in der Zeit von Ferdinand II. bis Karl VI. spielen. Im 17. und 18. Jahrhundert ist Rom noch immer eine der wichtigsten Bühnen der internationalen Diplomatie und zugleich das kosmopolitische Zentrum der Kunstwelt. Das macht das Thema zu einem besonders spannenden Kapitel in der Geschichte des Kunstsammelns. Die Diplomaten kamen während ihres Aufenthalts in Rom in Kontakt mit Künstlern und Handwerkern und besuchten berühmte Paläste und Kunstsammlungen. Neben ihren politischen Verpflichtungen, fungierten sie häufig als Kulturvermittler, indem sie Kunstwerke für sich selbst oder für die Monarchen in ihrer Heimat erwarben, aber auch im Rahmen von religiösen Festen, von Banketten und Theateraufführungen zur Repräsentation des Kaisers im päpstlichen Rom beitrugen. Zugleich erleichterten sie die Ankunft von Reisenden aus den habsburgischen Ländern und vermittelten italienische Künstler und Handwerker in den Norden. Ausgehend von Paolo und Federico Savelli, zwei römischen Adligen, die in den Jahren 1620-49 als kaiserliche Gesandte in Rom fungierten, sollen im Rahmen des Projektes eine Reihe bisher wenig untersuchter Gesandter des späteren 17. und des frühen 18. Jahrhunderts wie Fürst Liechtenstein, Graf Martinitz, Kardinal Schrattenberg und Kardinal Althann erstmals systematisch analysiert werden und damit ein wesentlicher Beitrag zum künstlerischen Austausch zwischen Österreich und Italien vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges bis zum Regierungsantritt Maria Theresias geleistet werden. Auf der Grundlage bisher unveröffentlichten Archivmaterials, vor allem Korrespondenzen und Inventare, werden zunächst Ankauf und Vermittlung von Kunstwerken durch die einzelnen Gesandten umfassend dokumentiert, um dann in einer vergleichenden Perspektive die Rolle der kaiserlichen Gesandten als Agenten des Kunst- und Kulturtransfers herauszuarbeiten. Das Projekt integriert systematisch Quellenbestände in Wien und Rom und verbindet dabei neueste Forschungen zu Fragen der Sammlungsgeschichte in Italien und Österreich. Damit lassen sich Provenienzen wichtiger Werke dokumentieren und ganze Sammlungen rekonstruieren, aber auch die Rahmendiskurse genauer bestimmen, welche die enorme Verbreitung und Wertschätzung italienischer Kunst in Wien und Mitteleuropa befördert haben.

Das Projekt befasste sich mit der Rolle, welche die Gesandten der österreichischen Habsburgermonarchie beim Heiligen Stuhl als Vermittler für den künstlerischen und kulturellen Austausch in der Zeit von Ferdinand II. bis Karl VI. spielten. Hauptsächlich ging es um grundlegende Recherchen in zahlreichen bisher unbekannten Archivquellen in Wien, Brünn, Rom, Bologna und Florenz und um systematischen Vergleich von amtlichen Dokumenten mit den Familienarchiven der Diplomaten. Unter den bedeutendsten Quellen befanden sich - außer diplomatischer und Familienkorrespondenz - Rechnungsbücher, Reiseberichte, Testamente und Nachlassinventare. Wichtiges hier erstmals analysiertes Quellenmaterial hat wesentlich dazu beigetragen, den kulturellen Rahmen besser zu verstehen, sowie neue Informationen über Akteure, Objekte und Prozesse des Kunst- und Kulturtransfer zu gewinnen. Es wurden verschiedene methodische Ansätze integriert: Sammlungsgeschichte, Ikonographie, Sozialgeschichte der Kunst, Netzwerkforschung, Geschichte der Diplomatie. Diese Vorgehensweise hat sowohl die Archivarbeit als auch die Analyse geleitet. Das kaiserliche Netzwerk bestand sowohl aus österreichischen Gesandten wie aus realtiv wenigen italienischen Familien - und das über mehrere Generationen. Die ergebnisreiche Untersuchung dieses Netzwerk hat es erlaubt, die einflussreichsten Figuren von Gesandten und anderen Vermittlern besser zu definieren. Unter den neu beleuchteten Persönlichkeiten sind Anton Florian von Liechtenstein, Andrea und Scipione Santacroce zu erwähnen, außerdem der Bankier Leonardo Libri - Schlüsselfigur der Finanztransaktionen zwischen Wien und Rom - und die Marquise Gerolama Naro, Scipiones Mutter. Ihr römischer Palast wurde von bedeutenden Dichtern und Musikern frequentiert - z.B. Gravina und Metastasio, und blieb für ihren Sohn Scipione in Wien ein transnationaler "Kanal" zur Übermittlung von Texten und Künstlern. Darüber hinaus ließen die Santacroces wertvolle Geschenke und Gemälde verschiedenen Persönlichkeiten in Österreich zukommen. Unter den Sammler innerhalb des österreichischen Netzwerks wurden 5 neue Fallstudien ausgewertet: der Gesandte Scipione Santacroce, der Kardinal Nicolò del Giudice, der Agent Giovanni Battista Barsotti, General Enea Caprara und die Bankiers Leonardo und Antonio Libri. Sie alle wurden erst einzeln untersucht, dann wurden ihre Kunstsammlungen mit anderen, schon bekannten Sammlungen innerhalb des gleichen Netzwerks verglichen - z.B. den Sammlungen Savelli, Mattei und Odescalchi. Der gemeinsame Nenner ihrer Kunstpatronage war die Vorliebe für die Bologneser Schule, die sich auch deswegen im Habsburger Kaiserreich des 17. Jh. fest etablierte. Schließlich hat sich gezeigt, dass nicht nur die Ikonographie der Bilder, sondern vor allem die kaiserliche Affiliation Vorbesitzer ein Ausweis für die Zugehörigkeit zur kaiserlichen Fraktion war. Im Rahmen des Projektes wurden 3 internationale Tagungen organisiert; entsprechende Sammelbände sind entweder im Druck oder in Vorbereitung. Weitere Veröffentlichungen und Tagungsreferate sind in Planung für 2021-2022. Die Untersuchung des transnationalen kulturellen Engagements von Diplomaten in der Vormoderne kann das Verständnis der gemeinsamen Wurzeln Europas verbessern und zeigen, wie Kulturerbe nationale Grenzen überschritten hat. Die Verbreitung von Ergebnissen der kunsthistorischen Forschung kann eine gemeinsame europäische Identität befördern.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Andreas Gottsmann, Österreichische Akademie der Wissenschaften - Italien

Research Output

  • 18 Publikationen
  • 3 Disseminationen
  • 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 1 Weitere Förderungen
Publikationen
  • 2022
    Titel Nuove scenografie del collezionismo europeo tra Seicento e Ottocento, Attori, pratiche, riflessioni di metodo
    DOI 10.1515/9783110795370
    Typ Book
    editors di Pietralata C, Schütze S
    Verlag De Gruyter
  • 2022
    Titel Austrian networks in Papal Rome as interpretation key (XVII-XVIII century). Envoys, agents, and the arts
    DOI 10.1515/9783110795370-009
    Typ Book Chapter
    Autor Di Pietralata C
    Verlag De Gruyter
    Seiten 135-160
  • 2023
    Titel A Marble and Paper Heritage. The Galleria Giustiniana and the Birth of the Illustrated Catalogue; In: PAPER HERITAGE IN ITALY, FRANCE, SPAIN AND BEYOND (16TH TO 19TH CENTURY). COLLECTOR ASPIRATIONS AND COLLECTION DESTINIES
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Routledge. Taylor & Francis Group
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Cardinali della nazione tedesca tra 1592 e 1644 e loro sedi titolari: committenze, relazioni, interessi romani; In: Santa Maria dell'Anima. Dinamiche sociali e arte di una comunità straniera a Roma tra '400 e '600
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Campisano Editore
  • 2024
    Titel Enea Antonio Caprara 1631–1701
    DOI 10.1515/9783422800069-002
    Typ Book Chapter
    Autor Di Pietralata C
    Verlag De Gruyter
    Seiten 15-24
  • 2024
    Titel Arte e cultura italiana a Vienna. Esiti e contesti di una presenza continua Prefazione di Cecilia Mazzetti di Pietralata
    DOI 10.1553/rhm65s27
    Typ Journal Article
    Autor Mazzetti Di Pietralata C
    Journal Römische Historische Mitteilungen
    Seiten 27-30
  • 2024
    Titel Vista su Vienna, ‘paradiso del mondo’: Andrea e Scipione Santacroce attraverso nuove fonti per la storia della città e della corte
    DOI 10.1553/rhm65s335
    Typ Journal Article
    Autor Mazzetti Di Pietralata C
    Journal Römische Historische Mitteilungen
    Seiten 335-372
  • 2024
    Titel Tancredi sul Danubio. Le virtù di Raimondo Montecuccoli a corte e in viaggio; In: Verflechtung und Nachbarschaft: "Italien" und "Österreich" in der Vormoderne
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag StudienVerlag
    Link Publikation
  • 2024
    Titel Italia und das Haus Liechtenstein: Reisen, Werke, Künstler und Agenten; In: Herkules der Künste DER KÜNSTE Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein und das Wien um 1700
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Hirmer Verlag
  • 2024
    Titel Maarten van Heemskerck in Rom: Akteure und Netzwerke; In: Faszination Rom. Maarten van Heemskerck zeichnet die Stadt
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Hirmer Verlag
  • 2020
    Titel La quadreria del cardinale Nicolò del Giudice (1660–1743), protettore degli Stati Austriaci
    DOI 10.1515/9783110606454-002
    Typ Book Chapter
    Autor Di Pietralata C
    Verlag De Gruyter
    Seiten 1-68
  • 2020
    Titel "le cose sue possono stare con molti degli antichi". Orazio Gentileschi pittore, restauratore e frescante a Palazzo Savelli
    Typ Journal Article
    Autor Mazzetti Di Pietralata C.
    Journal Storia dell'Arte
    Seiten 65-79
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Nuove scenografie del collezionismo europeo tra Seicento e Ottocento: Attori, pratiche, riflessioni di metodo
    Typ Book
    Autor Mazzetti Di Pietralata Cecilia
    Verlag De Gruyter
  • 2022
    Titel Roma-Varsavia-Vienna. Cultura artistica e cultura materiale nella nunziatura di Polonia di Andrea Santacroce; In: Le arti e gli artisti nella rete della diplomazia pontificia
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Gangemi Editore International
  • 2021
    Titel Il volo dell’aquila. Il Diluvio di Scarsellino per il generale Federico Savelli
    DOI 10.1515/9783110752762-026
    Typ Book Chapter
    Autor Di Pietralata C
    Verlag De Gruyter
    Seiten 250-259
  • 2019
    Titel "E particolarmente le ricordo dell'Angelino di Tiziano". Sulla storia e la provenienza di una tavola Doria Pamphilj
    Typ Journal Article
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Journal Bollettino d'Arte
    Seiten 277-284
  • 2019
    Titel Orazio Gentileschi pittore in casa Savelli. Novità e considerazioni; In: La luce e i silenzi. Orazio Gentileschi e la pittura caravaggesca nelle Marche del Seicento
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Il Lavoro Editoriale
    Seiten 101-110
  • 2019
    Titel Reminiszenzen einer Grand Tour? Die italienischen Zeichnungen im Bayreuther Zeichnungsalbum; In: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth und die Erlanger Universität: Künste und Wissenschaften im Dialog
    Typ Book Chapter
    Autor Mazzetti Di Pietralata
    Verlag Michael Imhof
    Seiten 308-322
Disseminationen
  • 2019 Link
    Titel Conference reti, relazioni, rappresentazioni nel collezionismo europeo, Rome 2019
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2020 Link
    Titel Studientag Italienisches Kunst und Kultur, Wien 2020
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Conference Kunst und Diplomatie, Wien 2021
    Typ Participation in an activity, workshop or similar
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel Editorial Board
    Typ Appointed as the editor/advisor to a journal or book series
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2020
    Titel Membership of the Accademia Raffaello Urbino
    Typ Awarded honorary membership, or a fellowship, of a learned society
    Bekanntheitsgrad Continental/International
Weitere Förderungen
  • 2024
    Titel Italienische Kunst und Kultur in Wien
    Typ Capital/infrastructure (including equipment)
    DOI 10.55776/pub1162
    Förderbeginn 2024

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