Schutz intraspezifischer Diversifizierung in wÀrmerem Klima
Conserving intraspecific diversification in a warmer world
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (40%); Geowissenschaften (60%)
Keywords
-
Species Distribution Models,
Biogeography,
Climate Change,
Pyrenees,
Next Generation Sequencing,
Comparative Phylogeography
SĂŒdeuropĂ€ische Gebirge beherbergen eine bemerkenswerte Pflanzenvielfalt. So sind in den PyrenĂ€en, dem wichtigsten Gebirge SĂŒdwesteuropas, mehr als 4300 Pflanzenarten beheimatet, von denen c. 300 endemisch sind. Das Höher-Wandern von alpinen Pflanzen als Folge der Temperaturerhöhung durch den Klimawandel hat die dramatischsten Folgen fĂŒr relativ niedrige Gebirge wie eben die PyrenĂ€en. Lange Zeit waren NaturschutzbemĂŒhungen auf Ăkosysteme oder Arten ausgerichtet, in den letzten Jahren wurde ein neuer Fokus auf kryptische intraspezifische DiversitĂ€t auf der Ebene von Genen gelegt. Es ist Ă€uĂerst wichtig, die Erhaltungsstrategien auf Gebiete zu konzentrieren, die nicht nur hohe inter- und intraspezifische DiversitĂ€t und Endemismus aufweisen, sondern auch ein langfristiges Ăberleben der Arten ermöglichen, indem sie die Möglichkeit einer Nischenverfolgung ĂŒber eine Wanderung nach oben, hin zu den Gipfelregionen, bieten. Zu diesem Zweck werden wir molekulare Daten aus der nĂ€chsten Generation der Sequenzierungstechnik "Restriktionsstellen-assoziierte DNA- Sequenzierung" (restriction site associated DNA sequencing), Daten zum Artenreichtum sowie retrospektive und prospektive Verbreitungsmodelle von Arten und intraspezifischen Linien miteinander verschneiden. Unsere Ziele sind 1) die Identifizierung von Eiszeit-Refugien fĂŒr in den PyrenĂ€en endemische alpine Pflanzen, 2) Identifizierung von Gebieten mit hohem phylogenetischem Endemismus fĂŒr in den PyrenĂ€en endemische alpine Pflanzen und Vergleiche mit der geografischen Verteilung des Artenreichtums alpiner Arten, und 3) Modellierung der zukĂŒnftigen Verbreitung von alpinen LebensrĂ€umen und Identifizierung von Gebieten mit hoher StabilitĂ€t der klimatischen Eignung unter verschiedenen Szenarien des Klimawandels. Als Ziel werden Schwerpunktgebiete fĂŒr den Schutz alpiner Pflanzen definiert, in denen DiversitĂ€ts- und Endemismusindikatoren sowie die zukĂŒnftige StabilitĂ€t der klimatischen Eignung maximal hoch sind. Wir werden die folgenden Hypothesen prĂŒfen: (1) Glaziale Refugien fĂŒr endemische alpine Pflanzen in den PyrenĂ€en finden sich an ihren östlichen und westlichen RĂ€ndern, den sĂŒdlichen VorpyrenĂ€en und nicht-vergletscherten Gebieten entlang des Hauptkammes. (2) PyrenĂ€ische Endemiten zeigen eine geographisch gegliederte Verteilung der intraspezifischen Linien. Gebiete mit hohem phylogenetischem Endemismus ĂŒberschneiden sich mit glazialen Refugien, jedoch nicht notwendigerweise mit Gebieten, die einen hohen Reichtum an alpinen Arten aufweisen. (3) In den zentralen PyrenĂ€en, in denen die Gipfel die gröĂte Höhe erreichen, sind Gebiete mit zukĂŒnftiger StabilitĂ€t der Klimatauglichkeit zu finden, die eine zukĂŒnftige Nischenverfolgung ermöglichen. Die vorgeschlagene Forschung wĂ€re die erste vergleichende intraspezifische phylogeographische Untersuchung alpiner Pflanzen in den PyrenĂ€en mit dem zusĂ€tzlichen Nutzen einer direkten Anwendung der Ergebnisse auf die Priorisierung von Schutzgebieten. Der hier vorgeschlagene Ansatz stellt eine neuartige, synthetische Methode dar, um den Schutz von Gebirgspflanzen in einem KlimaĂ€nderungsszenario in einem regionalen Kontext zu ermöglichen.
Alpine Pflanzen sind durch den Klimawandel besonders bedroht. Neben dem Erhalt des Artenreichtums ist auch die innerartliche genetische Vielfalt ein zentrales Ziel des Naturschutzes. Im Rahmen dieses Projektes wurden Gebiete mit besonders hoher genetischer Vielfalt ausfindig gemacht, in welchen die alpine BiodiversitĂ€t auf verschiedenen Ebenen erhalten werden kann. In den PyrenĂ€en, dem wichtigsten Gebirge SĂŒdwesteuropas, wurden hierfĂŒr neun endemische Pflanzenarten ausgewĂ€hlt, an denen die Verteilung der intraspezifischen DiversitĂ€t und deren voraussichtliche Reaktion auf ein verĂ€ndertes Klima untersucht werden. Zu diesem Zweck wurden von 903 Proben von 159 Standorten in den PyrenĂ€en Tausende von kurzen DNA-Fragmenten mit der RADseq-Methode sequenziert und analysiert. ZunĂ€chst wurden die wichtigsten genetischen Gruppen innerhalb jeder Art identifiziert, deren VerwandtschaftsverhĂ€ltnisse ermittelt und die PopulationsgröĂe ĂŒber die letzten Jahrtausende geschĂ€tzt. AnschlieĂend wurde die geografische Verteilung der untersuchten Arten unter vergangenen (zum Zeitpunkt des letzten glazialen Maximums, LGM, vor 20.000 Jahren), gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Bedingungen (2080, zwei verschiedene Szenarien fĂŒr die Emissionsrate) modelliert. Durch die Kombination beider Datentypen untersuchten wir zunĂ€chst die Herkunft der genetischen Gruppen und ihre Refugialgebiete wĂ€hrend der Vergletscherung, indem wir sie geographisch nahen Refugien zuordneten, die wĂ€hrend des LGM geeignete Lebensbedingungen boten. Die Populationen, in denen alpine Arten die Vergletscherung ĂŒberlebten, waren damals kleiner als heute und befanden sich an den östlichen und westlichen Enden der Hauptkette der PyrenĂ€en sowie in den sĂŒdlichen Randbereichen. Eine der stĂ€rksten geographischen Barrieren war das tiefe Cerdanya-Tal in den östlichen PyrenĂ€en, das eine Grenze zwischen genetischen Gruppen bildet. Die Vorhersagen unter zukĂŒnftigen Bedingungen zeigen eine allgemeine Abnahme der potentiellen Verbreitung der untersuchten Arten. Arten, die tiefer gelegene Höhenstufen besiedeln, haben in vielen FĂ€llen die Möglichkeit, ihrer Nische durch eine Verschiebung ihrer Höhenverbreitung nach oben zu folgen. Doch auch bei diesen Arten werden die sĂŒdlichsten Vorkommen höchstwahrscheinlich verschwinden. Besonders besorgniserregend ist die Situation fĂŒr Arten der alpinen Stufe, bei denen ein RĂŒckzug nach oben nicht möglich ist. Eine drastische Reduktion der geeigneten FlĂ€chen zeigen auch kleine Gebiete, die stark differenzierte Linien beherbergen, wie z. B. die östlichsten PyrenĂ€en. Dies hat signifikante Verluste in der intraspezifischen DiversitĂ€t zur Folge. Diese Ergebnisse werden in einem weiteren Teil des Projektes genauer untersucht, indem der phylogenetische Endemismus (PE) fĂŒr jede Art modelliert und auf zukĂŒnftige Bedingungen projiziert wird. Der PE gibt Aufschluss darĂŒber, wie einzigartig eine genetische Gruppe ist, indem abgeschĂ€tzt wird, wie gut sie sich von anderen unterscheidet und inwieweit sie auf ein bestimmtes geographisches Gebiet beschrĂ€nkt ist. Daher haben hoch differenzierte Gruppen, die in kleinen Gebieten vorkommen, einen hohen PE. Dies bedeutet, dass sie einzigartige Teile der genetischen Vielfalt der Art darstellen und hier die stĂ€rksten BemĂŒhungen zur Erhaltung ansetzen sollten.
- UniversitÀt Innsbruck - 100%
Research Output
- 8 Zitationen
- 1 Publikationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 3 Weitere Förderungen
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2022
Titel Postglacial range expansion of high-elevation plants is restricted by dispersal ability and habitat specialization DOI 10.1111/jbi.14390 Typ Journal Article Autor Carnicero P Journal Journal of Biogeography Seiten 1739-1752 Link Publikation
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2020
Titel best Master thesis of the German Society for Plant Sciences Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2021
Titel Tiroler Wissenschaftsförderung Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021 Geldgeber Government of Tyrol -
2020
Titel Proyectos de I+D+i - PGC Tipo Coord Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2020 -
2019
Titel Doktoratsstipendium Typ Studentship Förderbeginn 2019