Verbesserung der Bewertung des Geruchsbelästigungspotenzials
Improving the assessment of the odour annoyance potential
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (25%); Mathematik (25%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (50%)
Keywords
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Odour,
Annoyance Potential,
Assessment,
Air Pollution,
Separation Distance,
Environmental Health
Aktivitäten der Industrie und Tierhaltung werden als lebensnotwendig angesehen, können aber unangenehme Gerüche ausstoßen. Diese störenden Gerüche können zu Belästigung und zu möglichen negativen Gesundheitsauswirkungen der Bevölkerung in der Nähe der Emissionsquellen führen. Im Bereich der Umweltgesundheit ist Geruch deshalb ein maßgeblicher Schadstoff von weltweiter Bedeutung. Dementsprechend trägt die Politik Verantwortung und es ist die Pflicht der Regierungen, die Bewohner vor einer durch Gerüche bedingten Luftverschmutzung zu schützen. Ein geeigneter Ansatz, um die Regulierungsbehörden bei dieser Aufgabe zu unterstützen, ist die Berechnung des erforderlichen Abstands in Metern zwischen Wohngebieten und Geruchsquellen. Dieser Ansatz ist flexibel. Er kann angewendet werden, um eine Mindestdistanz für neue Quellen einzuführen oder um die Einhaltung des notwendigen Abstandes von bestehenden Quellen zu überprüfen. Die Berechnung des Schutzabstandes hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Menge des in der Atmosphäre freigesetzten Geruchs, der meteorologischen Bedingungen wie Windrichtung und -geschwindigkeit sowie der subjektiven Wahrnehmung des jeweiligen Geruchs durch den Menschen. All diese Information wird in einem mathematischen Modell kombiniert, das letztendlich den "No- Go-bereich" anzeigt. Bei der derzeitigen Vorgehensweise gibt es bei diesen Faktoren jedoch beträchtliche Herausforderungen und Einschränkungen. Mithilfe modernster mathematischer Modelle zur Simulation der Ausbreitung von Geruchsstoffen an mehreren Standorten in ganz Österreich soll in diesem Forschungsvorhaben die Bewertung der Geruchsbelästigung durch eine zuverlässige und realistische Bestimmung des Schutzabstandes verbessert werden. Dieses Projekt verfolgt drei Ziele: Das erste Ziel untersucht die Notwendigkeit, den zeitlichen Verlauf der in der Atmosphäre freigesetzten Geruchsmenge zu berücksichtigen, im Gegensatz zu einem festen Emissionswert, wie derzeit herangezogen. Das zweite Ziel befasst sich mit der Herausforderung, (i) die meteorologischen Daten so anzupassen, dass die tatsächliche Geruchsverteilung besser beschrieben wird, und (ii) die geringste Menge an meteorologischen Daten zu ermitteln, die für die Beurteilung der Geruchsbelästigung repräsentativ ist. Die derzeit übliche Praxis ist es, Wettermessungen über einen Zeitraum von einem Jahr zu verwenden; Das dritte Ziel untersucht eine geeignetere Methode, um eine Brücke zwischen der durch mathematische Modelle geschätzten Geruchsbelästigung und der wahrgenommenen Belästigung durch den Menschen zu schlagen. Umfragen in der Gesellschaft sollen die Ergebnisse dieser Methode bestätigen. Die erwarteten Ergebnisse sind relevant für die Bereitstellung genauerer Daten für epidemiologische Studien, die Entwicklung robuster Strategien zur Emissionskontrolle und die Erhöhung der Kosteneffizienz von Geruchsbewertungen. Die Ergebnisse haben eine weitere wichtige Implikation. Sie können von politischen Entscheidungsträgern auf internationaler Ebene zur Entwicklung und Optimierung von Geruchsrichtlinien und - vorschriften auf einer soliden wissenschaftlichen Basis verwendet werden.
Industrie und intensive Tierhaltung sind die bedeutensten Wirtschaftszweige, die Geruchsstoffe in die Atmosphäre freisetzen. Wie aus epidemiologischen Studien hervorgeht, hat Geruchsbelästigung das Potenzial, die physiologische und psychosoziale Gesundheit des Menschen zu beeinträchtigen. Seit vielen Jahren ist die Exposition gegenüber Umweltgerüchen die bei Behörden meist eingebrachte öffentliche Beschwerde in Bezug auf die Luftqualität. Atmosphärische Ausbreitungsmodellierung ist die am weitesten verbreitete Methode zur Bewertung von Geruchsimmissionen. In mehreren Ländern weltweit werden die von den Ausbreitungsmodellen berechneten Zeitreihen der Immissionswerte anhand von Beurteilungskriterien bewertet, um das Belästigungspotenzial von Emissionsquellen abzuschätzen. Die gesamte Geruchsbewertungskette ist jedoch mit Unsicherheiten behaftet. Übergeordnetes Ziel dieses Projektes war es, die Bewertung der modellierten Geruchsbelästigung zu verbessern. Mehrere Komponenten der Geruchsbewertungskette wurden untersucht, von den wesentlichen Modell-Inputs bis hin zur Berücksichtigung von Parametern der menschlichen Geruchswahrnehmung. Wir verwenden verschiedene Ausbreitungsmodelle (Gauß und Lagrange). Es wurde versucht, Determinanten von Geruchsberechnungen zu identifizieren und den Einfluss verschiedener Faktoren auf die Bewertungsergebnisse zu bestimmen. Wir bestätigen, dass die Windverteilung eines bestimmten Ortes eines der Hauptelemente ist, die die Form des Immissionsbewertungsgebiets festlegen. Diese Gebiete haben sich auch als sehr empfindlich gegenüber der Austrittstemperatur von Punktquellen erwiesen. Wirkungsabschatzungen von Berechnungen basierend auf stündlich gemittelten Geruchskonzentrationen sind modellübergreifend ähnlicher als wenn bei der Bewertung Spitzenkonzentrationen innerhalb einer Stunde berücksichtigt werden. Darüber hinaus bewerten wir die Aussagekraft von drei unterschiedlichen Ansätzen zur Berechnung von Spitzenkonzentrationen innerhalb einer Stunde. Wir zeigen die Vor- und Nachteile dieser Verfahren, indem wir deren Ergebnisse mit Messungen aus einem Feldexperiment vergleichen. Der Konzentrations-Varianz-Ansatz schneidet am besten ab, wobei die Ergebnisse tendenziell überschätzt werden. Weiters zeigen wir, dass einfache analytische Gleichungen, die auf einer Potenzfunktion basieren, als Screening-Tools in gestufte Bewertungsrahmen integriert werden können. Potenziell könnten analytische Gleichungen Schutzabstände liefern, die repräsentativ für jene aus Modellen sind, insbesondere in Richtung der vorherrschenden Winde. Allerdings müssen die Bedingungen, für die sie entwickelt wurden, strikt eingehalten werden, andernfalls werden analytische Gleichungen Schutzabstände berechnen, die stark von Ausbreitungsmodellen abweichen. Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass genauere und realistischere Zeitverläufe der Geruchsemissionen erforderlich sind, um die Immissionsberechnungen zu verbessern. Die allgemeine Annahme konstanter Emissionen im Zeitverlauf bringt das Risiko verzerrter Wirkungsabschätzungen mit sich. In der bisher größten Untersuchung zu diesem Thema zeigen wir, dass Geruchsfreisetzungen, die durch nahegelegene Hindernisse wie Gebäude beeinflusst werden, weniger empfindlich auf die zeitliche Variabilität der Emissionsquellen reagieren. Außerdem legen wir konsequent offen, dass die Bedeutung (oder deren Fehlen) vieler Modelleingaben stark von den vorgeschriebenen Komponenten der Beurteilungskriterien abhängt, insbesondere von dem Perzentil. Wir betonen die Notwendigkeit einer verbesserten Harmonisierung, da Beurteilungskriterien aus verschiedenen Ländern selbst bei gleichwertigem Schutzniveau unterschiedliche Wirkungsabschätzungen liefern können. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt können zu konsistenteren Modellergebnissen in der Geruchsbewertung beitragen. Sie haben das Potenzial, die Richtliniengestaltung sowie die zukünftige Forschung im Bereich der Geruchsbelästigung zu beeinflussen.
Research Output
- 233 Zitationen
- 13 Publikationen
- 2 Policies
- 3 Disseminationen
- 1 Weitere Förderungen
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2020
Titel Are Empirical Equations an Appropriate Tool to Assess Separation Distances to Avoid Odour Annoyance? DOI 10.3390/atmos11070678 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Atmosphere Seiten 678 Link Publikation -
2020
Titel Determination of ammonia and hydrogen sulfide emissions from a commercial dairy farm with an exercise yard and the health-related impact for residents DOI 10.1007/s11356-020-09858-y Typ Journal Article Autor Wu C Journal Environmental Science and Pollution Research Seiten 37684-37698 Link Publikation -
2020
Titel Temporal variability in odour emissions: To what extent this matters for the assessment of annoyance using dispersion modelling DOI 10.1016/j.aeaoa.2019.100054 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Atmospheric Environment: X Seiten 100054 Link Publikation -
2020
Titel Performance evaluation of approaches to predict sub-hourly peak odour concentrations DOI 10.1016/j.aeaoa.2020.100076 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Atmospheric Environment: X Seiten 100076 Link Publikation -
2020
Titel Odour impact assessment by considering short-term ambient concentrations: A multi-model and two-site comparison DOI 10.1016/j.envint.2020.105990 Typ Journal Article Autor Invernizzi M Journal Environment International Seiten 105990 Link Publikation -
2021
Titel Dispersion modelling of environmental odours using hourly-resolved emission scenarios: Implications for impact assessments DOI 10.1016/j.aeaoa.2021.100124 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Atmospheric Environment: X Seiten 100124 Link Publikation -
2019
Titel Are empirical guidelines an appropriate tool to assess separation distances to avoid odour annoyance instead of dispersion models? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brancher M. Konferenz 8th IWA Odour & VOC/Air Emissions Conference Seiten 204-213 -
2019
Titel Determination of odour emission rate and odour separation distances from a dairy farm in Beijing Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brancher M. Konferenz 8th IWA Odour & VOC/Air Emissions Conference Seiten 231-237 -
2019
Titel Fluctuation of odour emissions over time: Realising hourly emission rates for odour dispersion modelling Typ Conference Proceeding Abstract Autor Brancher M. Konferenz 8th IWA Odour & VOC/Air Emissions Conference Seiten 238-247 -
2019
Titel Landslide Susceptibility Mapping Using GIS-Based Data Mining Algorithms DOI 10.3390/w11112292 Typ Journal Article Autor Vakhshoori V Journal Water Seiten 2292 Link Publikation -
2019
Titel Do odour impact criteria of different jurisdictions ensure analogous separation distances for an equivalent level of protection? DOI 10.1016/j.jenvman.2019.03.102 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Journal of Environmental Management Seiten 394-403 Link Publikation -
2019
Titel A Comparative Analysis of Methods for Determining Odour-Related Separation Distances around a Dairy Farm in Beijing, China DOI 10.3390/atmos10050231 Typ Journal Article Autor Wu C Journal Atmosphere Seiten 231 Link Publikation -
2021
Titel Increased ozone pollution alongside reduced nitrogen dioxide concentrations during Vienna’s first COVID-19 lockdown: Significance for air quality management DOI 10.1016/j.envpol.2021.117153 Typ Journal Article Autor Brancher M Journal Environmental Pollution Seiten 117153 Link Publikation
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2021
Link
Titel SC Typ Contribution to a national consultation/review Link Link -
2021
Titel Chile DOI 10.1016/j.jenvman.2021.113208 Typ Citation in other policy documents
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2021
Titel Profillinien Typ Research grant (including intramural programme) Förderbeginn 2021