Wahrnehmung von Timbre in cross-modalen Metaphern
Crossmodal metaphors in timbre cognition
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (10%); Physik, Astronomie (40%); Psychologie (40%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
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Conceptual Metaphors,
Crossmodal Correspondences,
Timbre Semantics,
Synesthesia
Man stelle sich vor, man höre eine Aufnahme des berühmten Violinisten Yehudi Menuhin (1916-1999) mit seiner Khevenhüller Strad. Wie würde man den Klang der Geige beschreiben, oder den "Klang" von Menuhin, oder die Qualität der Aufnahme? Klangfarbliche Eigenschaften werden zumeist durch schnell verfügbare sensorische Attribute anderer Modalitäten konzeptualisiert und kategorisiertman nehme zum Beispiel ein Klang, der als hell angesehen wird oder als warm ertastet wird oder als süß empfunden wirddenn Menschen fehlt es an Vokabular für auditorische Erfahrungen. Dies illustriert einen einzigartigen Aspekt der menschlichen Kognition: Wir tendieren zu cross-modalen Assoziationen zwischen sensorischen Erfahrungen in verschiedenen Modalitäten (z.B. hohe Frequenzen werden hoher Höhe zugeordnet, offene Vokale runden Formen). Zwei Fragen liegen im Kern von Theorien zur semantischen Beschreibung von Klangfarbe und cross- modaler Abbildungen: 1) Welche akustischen Merkmale bestimmen cross-modale Assoziationen zwischen Klang und anderen sensorischen Erfahrungen und 2) sind cross- modale Abbildungen das Resultat direkter Kommunikation zwischen modalitätsspezifischen sensorimotorischenSystemen oderresultieren sie vonsupramodalen(d.h. modalitätsunabhängigen) konzeptuellen Repräsentationen? Dieses Projekt wird diese Fragen wie folgt adressieren: (i) ein parametrisches Synthesemodell von Klängen wird entwickelt, denen es an schnell verfügbaren Assoziationen mit einer Klangquelle fehlt, um sicherzustellen, dass relevante intrinsische Klangfarbendimensionen genau kontrolliert werden; (ii) es werden virtuelle Objekte (Sehsinn), ertastete Flächen (Tastsinn) und geschmeckte Essbarkeiten (Geschmackssinn) verwendet, die anhand von Skalen mit wahrnehmbar äquidistanten Abstufungen entworfen wurden, um die Abbildung zwischen Klang- und anderen Sinneswahrnehmungen zu ermöglichen; (iii) es wird die konzeptuelle Verbundenheit zwischen Klang- und anderen Modalitäten quantifiziert bezgl. systematischer Abbildungen zwischen der durch das Modell definierten Position eines Klangs im Klangfarbenkontinua und der Positioneines nicht-klanglichenStimulus aufder entsprechenden Skala. Dies wird die erste systematische Untersuchung von cross-modaler Abbildungen zwischen klangfarblichen Eigenschaften und perzeptueller Dimensionen anderer Sinnesmodalitäten, die eine neue Perspektive einführt zu alten Fragen über perzeptuelle und kognitive Prozesse, welche der Art unterliegen, wie wir über Klang reden. Resultate werden einen Einfluss auf verschiedene Disziplinen haben, wo Klangfarbe wichtige Fragen aufwirft, so z. B. Musik, Akustik, Audioengineering und -branding, menschliches und maschinelles Hören, Psychologie und Ästhetik. Zur gleichen Zeit kann Klangfarbe einen Testfall für das Verständnis von cross-modalen Abbildungen in der menschlichen Kognition im Allgemeinen liefern.
- Universität Wien - 100%