Theater als philosophische Untersuchung
Theatre as Philosophical Enquiry: Aesthetics of the Sublime
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (50%); Philosophie, Ethik, Religion (50%)
Keywords
-
Theatre,
Performance Philosophy,
Sublime,
Continental Philosophy,
Performance,
Aesthetics
Dieses Forschungsvorhaben untersucht, wie die ästhetische Idee des Erhabenen in ausgewählten Beispielen des zeitgenössischen europäischen Theaters verkörpert, verhandelt und transformiert wird. Die Untersuchung wird philosophische Behandlungen des Erhabenen ins Spiel mit der Kunst des Theaters bringen, mit dem Ziel, die philosophische Bedeutung künstlerischer Praxis und ästhetischer Erfahrung in den Vordergrund zu stellen. Das Projekt beleuchtet die spezifisch theatralischen und performativen Elemente des Erhabenen und bespricht, wie dramaturgische Ansätze im zeitgenössischen Theaters es uns erlauben, die Möglichkeiten dieser ästhetischen Erfahrung zu überdenken. Das Theater wird konzipiert als ein Ereignis der Empfindung und des Denkens, und es bietet einen charakteristischen raum-zeitlichen Rahmen, der eine produktive Neubewertung des Erhabenen und der mit ihm verwandten Fragen über Darstellung, Erscheinung, Verlangen, und Affekt ermöglicht. Methodisch besteht das zentrale Ziel dieses Projekts darin, eine Rekontextualisierung des Erhabenen innerhalb der darstellenden Künste durchzuführen, in einem Ansatz, der dramaturgische Praktiken als materielle Formen des Denkens untersucht. Das Projekt greift eine von Adorno und Badiou inspirierte Methodik der arbeitsimmanenten ästhetischen Analyse auf, die es dem Theater ermöglichen soll, für sich selbst als eine Art von Theorie in der Praxis zu sprechen. Die ausgewählten Beispiele zeitgenössischer Theaterkunst sind dramatische Texte und Produktionen bedeutender europäischer TheatermacherInnen,deren avantgardistische Theaterstile sich mit dem Problem des Körpers und den Möglichkeiten der Darstellung bzw. des Ausdrucks an den Grenzen des theatralischen Rahmens befassen. Im Speziellen wird das Projekt Text- und Performanceanalysen beinhalten und sich auf das Theater der Katastrophe" von Howard Barker (UK) konzentrieren, auf die provokativen Produktionen und Regieansätze von RomeoCastellucci (Italien), auf die multi-mediale Arbeit des Theater- und Performancekünstlers Jan Fabre (Belgien), sowie auf die poetischen Ansätze, Theater zu machen, zu denken und zu schreiben, die in der Zusammenarbeit zwischen Hélène Cixous und Ariane Mnouchkine (Frankreich) entstanden sind. Der Fokus auf das Theater stellt eine neue Aufmerksamkeitsverschiebung im Diskurs des Erhabenen dar (wo romantische Poesie, Landschaftsmalerei und konzeptuelle Kunst als traditionelle Orte erhabener ästhetischer Erfahrung identifiziert wurden). Das Projekt wird untersuchen, wie die Kunst des Theaters - verstanden als eine Montage von Text, Körpern, Objekten, Raum und Zeit - in der Lage ist, neue Überlegungen zu grundlegenden ästhetischen Ideen anzuregen. Die Forschungsmethodik beinhaltet eine Grundierung philosophischer Untersuchung in innovativer zeitgenössischer Theaterpraxis und soll damit wesentliche Beiträge zum Forschungsfeld der Performance Philosophy leisten.
An Beispielen der zeitgenössischen Europäischen Theaterkunst untersucht das Projekt mit dem Titel "Theater als philosophische Untersuchung: Ästhetik des Erhabenen" Formen des ästhetischen Denkens, die in der Materialität des Theaters verankert sind. Das Projekt argumentiert, dass die ästhetische Erfahrung des Erhabenen von entscheidender Bedeutung für eine Betrachtung des experimentellen Theaters ist, dessen Fähigkeit nicht nur darin besteht, ein Ventil für Gedanken und Ideen zu sein, sondern sich auch als theatralische Form philosophischer Praxis zu konstituieren. Insbesondere konzentriert sich das Forschungsprojekt auf das sich ständig wandelnde Problem des Erhabenen (Sublimen), das auf Longinus, Burke und Kant zurückgeht und in der postmodernen Ästhetik wieder auftaucht. Ziel ist es zu zeigen, wie das Erhabene eine Neubetrachtung von zentralen Eigenschaften und Dynamiken in der Theaterpraxis sowie in der ästhetischen Erfahrung des Theaters ermöglicht. Betrachtungen des Erhabenen als Grenzerfahrung und als ein Eindringen in das Unendliche, Unermessliche und Nicht-Darstellbare, sowie Auffassungen des Erhabenen als Empfindung von Überschreitung, Plötzlichkeit, Singularität, Präsenz oder Differenz stellen eine grundlegende Herausforderung für kulturelle Informations-, Wissens- und Verständigungsdiskurse dar. Darüber hinaus sind diese Begrifflichkeiten des Erhabenen wesentliche Attribute in der Ästhetik des zeitgenössischen experimentellen Theaters. Als Erfahrung negativer Darstellung, Formlosigkeit, und subjektivem Entzug enthält die Idee des Erhabenen das eigentliche Versprechen des Theater Ereignisses - nämlich, dass Live-Performance den schwer fassbaren und undurchsichtigen gegenwärtigen Moment einzufangen vermöge und einen Raum und eine Zeit eröffnet, die deshalb erhaben sind, weil sie nicht angemessen gedacht werden können. In vier Fallstudienkapiteln argumentiert das Forschungsprojekt, dass die Arbeiten der europäischen Theaterkünstler Howard Barker (UK), Romeo Castellucci (Italien), Jan Fabre (Belgien) und Hélène Cixous (Frankreich) theatralische Artikulationen des Erhabenen darstellen, welche sich bemerkbar machen in einer Erweiterung der Grenzen der Repräsentation und in künstlerischen Auseinandersetzungen mit der Unbestimmbarkeit und Unermesslichkeit menschlicher Erfahrung. Die Ästhetik des Sublimen in diesen Arbeiten betrifft die Entwicklung fiktionaler Erzählungen, dramatischer Charakterisierungen, die Konstruktion von Bildern und die Bewegung des Körpers. Darüber hinaus wird gezeigt, wie die kompromisslosen Auseinandersetzungen dieser Künstler mit Ideen des Undarstellbaren, Unendlichen, Transzendenten, Anderen, Unmenschlichen, Heiligen, Tragischen und Abstrakten als materielle und immanente theatralisch-dramaturgische Probleme verhandelt und verkörpert werden. Das Ziel dieser Studie ist es daher, das Erhabene in Richtung ästhetischer Immanenz, Materialität und Singularität neu zu konfigurieren, ohne jedoch einige der wichtigsten Ansprüche des Erhabenen aus den Augen verlieren zu wollen, nämlich seine Kraft der Fremdgerichtetheit und seine transzendente Geste, durch die das Erhabene das menschliche Bewusstsein dem aussetzt, was jenseits des Selbst liegt.
- Universität Graz - 100%
- Nikolaus Müller-Schöll, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main - Deutschland
- Laura Cull O Maoilearca, University of Surrey - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 5 Publikationen
- 5 Disseminationen
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2024
Titel Aesthetics of the sublime in contemporary theatre and performance Typ Other Autor Gritzner K -
2024
Titel Aesthetics of the Sublime in Contemporary Theatre and Performance Typ Postdoctoral Thesis Autor Gritzner, Karoline -
2021
Titel Die Bewegung des Anderen in den Schreibszenen von Hélène Cixous DOI 10.33675/2021-82537264-8 Typ Book Chapter Autor Gritzner K Verlag Universitatverlag WINTER Heidelberg Seiten 127-141 Link Publikation -
2020
Titel The Crisis of Becoming-Nature in Howard Barker’s Recent Dramas DOI 10.1515/jcde-2020-0008 Typ Journal Article Autor Gritzner K Journal Journal of Contemporary Drama in English Seiten 100-114 -
2022
Titel Subject Guide to Tragedy Typ Other Autor Karoline Gritzner Link Publikation
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2021
Link
Titel Workshop: 'Thinking Through Art: Aesthetic Perspectives on Contemporary Practices' Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2019
Link
Titel conference presentation at TaPRA Typ A talk or presentation Link Link -
2020
Titel Researcher-in-Residence at the University of Surrey (Centre for Performance Philosophy) Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2020
Link
Titel conference presentation, University of Graz Typ A talk or presentation Link Link -
2019
Link
Titel conference presentation at CDE Typ A talk or presentation Link Link