Eine pan-europäische Erfassung von Waldschäden
A pan-European forest mortality assessment
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (25%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (40%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (35%)
Keywords
-
Disturbance,
Climate change,
Forest,
Remote sensing
Wälder ändern sich unter dem Einfluss des Klimawandels und die bedeutendste Änderung ist eine Zunahme von Waldschäden. Zunehmende Waldschäden haben bedeutende Konsequenzen für das Kohlenstoffspeicherpotential und die Biodiversität von Wäldern und ein gutes Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse ist somit von großer Wichtigkeit. Unser Wissen über Änderungen von Waldschäden in Europäischen Wäldern ist allerdings noch sehr begrenzt. Ein Grund dafür ist das Fehlen von langzeitlichen Monitoring-Projekten, sowie Probleme bei der Vereinheitlichung nationaler Inventuren. In unserem Projekt werden wir diese Hürde mit Hilfe von Satellitendaten überwinden. Satellitendaten nehmen regelmäßig Bilder der Erdoberfläche auf und eignen sich somit zum langzeitlichen Monitoring von Waldschäden. Trotz des großen Potentials von Satellitendaten gibt es noch einige Herausforderungen in ihrer Interpretation, insbesondere in der Identifizierung des Schadprozesses, also der Frage ob der Wald durch Windwurf, Borkenkäfer, Feuer oder den Menschen geschädigt wurde. In unserem Projekt schlagen wir ein neues Modell vor, welches die Identifizierung des Schadprozesses konsistent ermöglicht. Unsere Hypothese ist, dass eine Hinzunahme von Daten über die bio-physikalische sowie sozio-ökonomische Umwelt die Identifizierung des Schadprozesses signifikant verbessert. Dieses neue Modell wird es uns in weiterer Folge erlauben, Schadprozesses kontinuierlich für ganz Europa, über 170 Million Hektar Wald verteilt auf 32 Ländern, und über einen Zeitraum von 35 Jahren (1984 2018) zu kartieren. Die im beantragten Forschungsprojekt generierten Schätzungen und Karten werden die erste vollständige Inventur von Waldschäden in Europa bilden. Sie liefern somit eine wichtige Grundlage für die Analyse der Bedeutung von Waldschäden für das Kohlenstoffspeicherpotential und die Biodiversität Europäischer Wälder. Weiterhin bilden sie die Basis um zukünftige Änderungen unter sich weiter änderndem Klima abschätzen zu können.
Zunehme Baummortalität ist in aller Munde, dennoch ist die Datenlage, ob und wie Baummortalität sich in Europas Wälder ändert, dünn. Diese fehlende Datengrundlage wurde im Projekt "Eine pan-europäische Erfassung von Waldschäden", finanziert durch den FWF, geschlossen. Mit Hilfe von mehr als 30,000 Satellitenbildern von 1984 bis 2018 konnten die Forscher Dr. Cornelius Senf und Prof. Dr. Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur in Wien zeigen, dass die Baummortalität in ganz Europa stark zunimmt und 2018 in der zu diesem Zeitpunkt höchsten Rate der vergangenen dreißig Jahre gipfelte. Unter Zuhilfenahme von Simulationsmodellen konnten die beiden Forscher weiterhin zeigen, dass ein Fortschreiten des beobachteten Trends zu weitreichenden Änderungen in der Demographie Europäischer Wälder führen kann: So kann ein weiterer Anstieg der Baummortalität den Wald nachhaltig verjüngen, was unter anderem negative Auswirkungen auf die Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität hat. Weiterhin ist es den beiden Forschern gelungen, Baummortalität flächendecken und für die letzten dreißig Jahre zu kartieren. So entstand im Zuge des Forschungsprojekt der erste räumlich hoch aufgelöste Datensatz von Waldmortalität in Europe. Dieser Datensatz erlaubt es nicht nur die Änderung der Baummortalität über die Zeit zu verstehen, sondern auf die räumlichen Muster. So zeigen die Forscher, zum Beispiel, dass nicht nur die Anzahl von sterben Bäumen zunimmt, sondern dass auch immer größere zusammenhängende Flächen absterben. Die in dem Forschungsprojekt gewonnenen Einsichten und Daten helfen das Waldmanagement in Europa den Herausforderungen der Zukunft anzupassen, sowie besser den Effekt von Baummortalität auf das Kohlenstoffspeicherpotential und die Biodiversität Europäischer Wälder zu verstehen.
- Dirk Pflugmacher, Humboldt-Universität zu Berlin - Deutschland
Research Output
- 688 Zitationen
- 8 Publikationen
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2020
Titel Mapping the forest disturbance regimes of Europe DOI 10.1038/s41893-020-00609-y Typ Journal Article Autor Senf C Journal Nature Sustainability Seiten 63-70 Link Publikation -
2020
Titel The response of canopy height diversity to natural disturbances in two temperate forest landscapes DOI 10.1007/s10980-020-01085-7 Typ Journal Article Autor Senf C Journal Landscape Ecology Seiten 2101-2112 Link Publikation -
2020
Titel A generalized regression-based unmixing model for mapping forest cover fractions throughout three decades of Landsat data DOI 10.1016/j.rse.2020.111691 Typ Journal Article Autor Senf C Journal Remote Sensing of Environment Seiten 111691 -
2020
Titel Mapping the forest disturbance regimes of Europe DOI 10.1101/2020.03.30.015875 Typ Preprint Autor Senf C Seiten 2020.03.30.015875 Link Publikation -
2020
Titel Increases in canopy mortality and their impact on the demographic structure of Europe’s forests DOI 10.1101/2020.03.30.015818 Typ Preprint Autor Senf C Seiten 2020.03.30.015818 Link Publikation -
2019
Titel The effects of forest cover and disturbance on torrential hazards: large-scale evidence from the Eastern Alps DOI 10.1088/1748-9326/ab4937 Typ Journal Article Autor Sebald J Journal Environmental Research Letters Seiten 114032 Link Publikation -
2021
Titel Increasing canopy mortality affects the future demographic structure of Europe's forests DOI 10.1016/j.oneear.2021.04.008 Typ Journal Article Autor Senf C Journal One Earth Seiten 749-755 Link Publikation -
2019
Titel Calcium Signaling in ß-cell Physiology and Pathology: A Revisit DOI 10.3390/ijms20246110 Typ Journal Article Autor Klec C Journal International Journal of Molecular Sciences Seiten 6110 Link Publikation