“Ideale” Migrantinnen: Haushaltsdienste und Globalisierung
‘Ideal’ Migrant Subjects: Domestic Service in Globalization
Wissenschaftsdisziplinen
Soziologie (85%); Wirtschaftswissenschaften (15%)
Keywords
-
Sri Lanka,
The Middle East,
Transnational labour migration,
Domestic care,
'Ideal' migrant subjects,
Migrant domestic workers
Projektinhalt: Das Projekt untersucht Prozess, Gründe und Folgen der Formierung idealer migrantischer Subjekte auf dem globalen Arbeitsmarkt. Gegenstand ist die Migration von Frauen aus Sri Lanka in den Nahen/Mittleren Osten, um dort als Haushaltsarbeiterinnen zu arbeiten, mit Blick auf gesellschaftliche Praktiken, die den Diskurs um das ideale migrantische Subjekt prägen. Einbezogen werden ArbeitgeberInnen, RekrutiererInnen, PersonalvermittlerInnen, staatliche und außerstaatliche Agenturen und die Haushaltsarbeiterinnen, deren Sichten auf transnationale Haushaltsarbeit variieren, einander überlagern oder widersprechen können. Forschungsfragen: Die zentralen Fragen lauten: Wer sind ideale migrantische Subjekte? Wie und auf welcher Basis werden sie kreiert? Welche ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Implikationen weist das Konstrukt idealer migrantischer Subjekte auf? Methoden: Es handelt sich um eine poststrukturalistische, ethnographische Feldforschung, die methodisch anerkennt, dass Menschen ihr Leben durch Narrative über die sie selbst bestimmen strukturieren, beschreiben und ihm dadurch Bedeutung verleihen. Einem interpretativen und partizipatorischen Ansatz folgend wird das Phänomen der idealen migrantischen Subjekte anhand der Migration von Haushaltsarbeiterinnen von Sri Lanka nach Kuwait und Saudi-Arabien untersucht, womit eine bedeutende transnationale Route auf dem globalen Sorgemarkt betrachtet wird. Originalität und Innovativität: Erstens steht das Regime häuslicher Sorgearbeit im Mittleren/Nahen Osten sozial, kulturell und politisch im Kontrast zu Regimen des Globalen Nordens und des sich neu industrialisierenden Asiens; seine theoretisch und politisch herausfordernde Untersuchung wird helfen, die Dynamiken der Globalisierung, die ideale migrantische Subjekte formen, im lokalen Kontext zu verstehen. Zweitens: anhand sozialer Gruppen, die sich einer klaren Kategorisierung von nicht- weiß/nicht-schwarz entziehen, kann das Projekt brownness als soziales Konstrukt identifizieren und zur etablierten Forschung zu race und Intersektionen beitragen, indem seine Bedeutung für die Hervorbringung idealer migrantischer Subjekte untersucht wird. Drittens nimmt das Projekt gesellschaftliche Praktiken in den Blick, die im Diskurs zum migrantischen Subjekt eine Rolle spielen, und erforscht komplexe Machtbeziehungen und -dynamiken auf dem globalen Arbeitsmarkt. Schließlich ist eine Kooperation mit dem laufenden FWF-Projekt Gute Sorgearbeit? Transnationale Home Care Arrangements vorgesehen, dessen Leiterin auch Mentorin des geplanten Vorhabens sein wird. Es ist Teil einer D-A-CH-Zusammenarbeit mit Partnerprojekten in Frankfurt und Zürich und behandelt ähnliche Fragen mit Blick auf Ost-West-Migration, weshalb die Sorgeregime und Diskurse zur Konstruktion idealer migrantischer Subjekte gemeinsam erörtert werden.
Public Relations Summary GER Bezogen auf die Migration von Sri Lanka nach Saudi-Arabien und Kuwait beforschte das Projekt Diskurse zur Formierung migrantischer Subjekte entlang der Fragen "Wer sind die idealen migrantischen Subjekte?", "Wie und auf welcher Grundlage werden sie kreiert?" und "Welches sind die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Implikationen?". Mittels qualitativer Methoden wurden Saudi-Arabien und Kuwait als zwei Fallstudien in den Blick genommen, welche führende Ankunftsländer für Haushaltsarbeiter*innen aus Sri Lanka sind. Das Projekt hat herausgefunden, dass Diskurse zur Formierung migrantischer Subjekte zahlreiche, oft konkurrierende Stakeholder einbeziehen, inklusive staatliche und nicht-staatliche Akteure, Arbeitgeber, Vermittlungsagenturen und die Haushaltsarbeiter*innen selbst. Alle haben ihre eigenen Anteile an der Vermittlung und Verrichtung bezahlter migrantischer Haushaltsarbeit. In der Folge gibt es nicht nur eine, sondern vielfältige und oft konfligierende Antworten auf die Frage, wer die 'idealen' migrantischen Haushaltsarbeiter*innen sind. Die Antworten reichen von sklavischen und dienstbaren bis zu professionellen Arbeiter*innen auf der einen Seite und vom Sri Lankischen Mutterersatz zu hellhäutigen, modern westlichen philippinischen Migrant*innen auf der anderen Seite. Nichtsdestotrotz überschneiden sich die Antworten mit denen der Haushaltsarbeiter*innen, die die 'ideale' Migrantin als 'duldsam, diszipliniert und hart arbeitendes Subjekt' mitkonstruieren. Es zeigte sich kein einzelner Weg, 'ideale' migrantische Subjekte zu konstruieren, sondern es erwies sich als komplex, vielseitig und diffus. Verschiedene Stakeholder wenden verschiedene 'Technologien der Subjektformierung' an mit der Absicht, die Haushaltsarbeiter*innen mit den erforderlichen Fähigkeiten für die auswärtige Arbeit, insbesondere im Mittleren Osten, zu versehen. Die Technologien gründen auf staatlicher Autorität (z.B. Gesetzen und Migrationspolitik) und Macht (z.B. Zwang, Strafe und Belohnung). Daher und um den gewünschten Erfolg zu erzielen, integrieren die Stakeholder marktliche und nicht-marktliche Elemente, wodurch sie 'blended technologies' der Subjektformierung auf eingebetteten Märkten mit den ihnen eigenen Herrschaftsverhältnissen entwickeln. Die Formierung 'idealer' migrantischer Subjekte erwies sich weder als unproblematisch noch unumstritten. Die gruppenbezogenen Charakteristika wie Geschlecht, Nationalität, Rasse, Sprache als Hinweis auf 'ideale' Arbeiter*innen beeinflussen die migrantische Arbeitsteilung in den arabischen Haushalten. Die 'informierten Stereotypen', (re-)konstruiert in den migrantischen Subjektpositionen, verstärken bestehende Ungleichheiten und bilden neue Ungleichheiten entlang intersektionaler struktureller Linien hervor. Auf diese Weise beschränken informierte Stereotypen und die durch sie hervorgebrachten Subjektpositionen das Handlungspotential der migrantischen Haushaltsarbeiter*innen, indem sie Bedingungen 'unfreier Arbeit' kreieren. Zusammengefasst hat das Projekt zum Diskurs um die Subjektformierung, wie er in der geopolitischen Rahmung im Globalen Süden erfolgt, durch neue Kategorien und Erkenntnisse zu Hierarchien, Machtverhältnissen und Ungleichheiten beigetragen.
- Universität Linz - 100%
Research Output
- 7 Publikationen
- 1 Weitere Förderungen
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2024
Titel (Re)Making Home(s) on the Move: Sri Lankan Live-in Migrant Domestic Workers in Kuwait *; In: More than Just a 'Home': Understanding the Living Spaces of Families DOI 10.1108/s1530-353520240000025005 Typ Book Chapter Verlag Emerald Publishing Limited -
2024
Titel Creating boundaries in the politics of household labour: Sri Lankan maids in the Kuwaiti home Typ Journal Article Autor Handapangoda Journal Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur (FKW) Seiten 60-68 Link Publikation -
2024
Titel The subjectivation of aspiring migrant domestic workers; In: Gesellschaft in Transformation - Sorge, Kämpfe, Kapitalismus Typ Book Chapter Autor Handapangoda Verlag Beltz Juventa Seiten 299-307 -
2024
Titel Die Reproduktion des ,Selbst' und des ,Anderen' in der Mikropolitik bezahlter häuslicher Arbeit; In: Geteilte Arbeitswelten. Konflikte um Migration und Arbeit Typ Book Chapter Autor Handapangoda Verlag Beltz Juventa Seiten 169-187 -
2023
Titel A Regime Analysis: Evidence from Sri Lankan Migrant Domestic Workers' Journeys to Saudi Arabia DOI 10.15173/glj.v14i2.5241 Typ Journal Article Autor Handapangoda W Journal Global Labour Journal -
2025
Titel A global migration industry in local contexts: Home care and domestic work brokerage in Austria and Sri Lanka Typ Journal Article Autor Aulenbacher Journal International Sociology Seiten 887-906 Link Publikation -
2023
Titel The Making of " Passengers" : The Pre-Departure Subjectivation of Sri Lanka's Aspiring Migrant Domestic Workers Heading to the Arabian Gulf DOI 10.1080/13600826.2023.2263886 Typ Journal Article Autor Handapangoda W Journal Global Society
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2025
Titel Marie-Skłodowska Curie Actions (MSCA) Postdoctoral Fellowships Typ Fellowship Förderbeginn 2025 Geldgeber European Commission H2020