Das Leben als Begriff und als Wissenschaft
Life as concept and as science
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (80%)
Keywords
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Life,
Vitalism,
Biology,
Metaphysics
Was ist Vitalismus? In der Biologie wie auch den mit der Biologie befassten Geisteswissenschaften (Geschichte der Biologie, Philosophie der Biologie etc.) wird unter Vitalismus oft eine quasi mystische Auffassung des Lebens als einem Prinzip verstanden, aufgrund dessen zwischen Lebewesen und dem Rest der physikalischen Welt ein starker Unterschied gemacht werden muss. Vitalismus in diesem Sinne bezeichnet eher eine vorwissenschaftliche Haltung als eine eigentliche Theorie, weswegen Vitalismus in den tonangebenden Wissenschaften selten ernst genommen wird. Das Projekt Life as concept and as science: A reconstruction of modern vitalism, 1700-1950 möchte ein anderes Verständnis der Entwicklung des modernen Vitalismus entwickeln und ein neues Bild des Vitalismus sowie seiner Rolle für die Entwicklung der modernen Biologie zeichnen. So unterscheidet die historische Forschung zwischen verschiedenen Formen von Vitalismus, die teilweise sehr eng verbunden sind mit wissenschaftlichen Entwicklungen in der Medizin, Physiologie und experimentellen Biologie. Das steht im Kontrast zum Gebrauch des Terminus Vitalismus in der Philosophiegeschichte der frühen Neuzeit, wo mit dem Begriff auf Autoren wie Margaret Cavendish, Anne Conway und manchmal auch Henry More Bezug genommen und mit deren mutmaßlichem Pantheismus assoziiert worden ist. Das vorliegende Projekt geht zunächst einmal von einer genaueren Kontextualisierung aus und sucht dadurch eine nuanciertere Definition von Vitalismus zu entwickeln. Ferner wird die Rolle untersucht, die der Vitalismus in drei Schlüsselepisoden der Entwicklung der modernen Lebenswissenschaften spielt: (1) bei der Herausbildung des Organismusbegriffs in der Frühaufklärung, (2) bei der Entwicklung der Biologie als einer modernen Wissenschaft am Ende des 18. Jahrhunderts sowie der modernen Physiologie im 19. Jahrhundert und (3) bei Entwicklung eines theoretischen oder weltanschaulichen Vitalismus aus der Philosophie der Medizin und der Biologie im 20. Jahrhundert mit Georges Canguilhem als Leitfigur. Insgesamt hat somit das Projekt sowohl eine philosophische als auch eine historische Seite: zum einen schlägt es ein neues Verständnis der Biologie als Wissenschaft und ihrer Entwicklung zu einer Wissenschaft vor, zum andern widmet es sich metaphysischen Fragen rund um den Begriff des Organismus, des philosophischen Individuums und der Natur des Lebens. Ziel des Projekts ist es, die erste philosophische Geschichte des Vitalismus zu erzählen.
- Universität Klagenfurt - 100%