Aufbau nationaler Oekonomien in ALB, CS und Geo
‘NATIONAL ECONOMY-BUILDING’ IN ALB, CS and GEO in the 1920s
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Politikwissenschaften (30%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
-
Czechoslovakia,
Georgia,
National Economy,
Industrialism,
Nation-State,
Albania
Das Ziel dieses singulären vergleichenden und konzeptionellen Projekts ist es, die frühen Versuche der kleinen Nationalstaaten Albanien, Tschechoslowakei und Georgien des Aufbaus lebensfähiger Volkswirtschaften in den ersten Jahren ihrer Staatlichkeit im frühen 20. Jahrhundert zu erfassen. Die einschlägige historische Forschung hat bisher vor allen Dingen die schwierigen Prozesse der Etablierung der jeweiligen Staaten und Nationen (Stichworte: "Staatsaufbau" und "Nationsbildung"), seit dem Ende des Ersten Weltkriegs in den Blick genommen. Hingegen wurde nur wenig unternommen, um die Relevanz des nationalen Wirtschaftsaufbaus zu untersuchen, die die Schaffung lebensfähiger wirtschaftlicher Verhältnisse zum Ziel hatten. Um dies zu leisten, sind sowohl interne und externe Zusammenhänge zu betrachten als auch die sog. imperialen Hinterlassenschaften sowie die kursierenden Zukunftsvisionen auch in ihrer wechselseitigen Bedingtheit. Diese Perspektive, die sich u.a. mit Konflikten zwischen "nationaler" Staatsmacht und (lokalen/internationalen) privaten wirtschaftlichen Akteuren befasst und sich mit den Konzepten, Projekten und konkreter Politik hinsichtlich der Felder Geld, Kapital, Arbeit und Bodenpolitik auseinandersetzen wird, hat bislang zumindest in den Fällen Albaniens und Georgiens keine Beachtung gefunden. Sie ist aber entscheidend für das Verständnis der Ökonomien sog. kleiner Nationalstaaten und eines historisch fundierten theoretischen Beitrags zu aktuellen wissenschaftlichen und politischen Diskursen über Wirtschaftsnationalismus und der Erforschung der historischen politischen Ökonomie kleiner Staaten. Was den geplanten dreigeteilten "Kontrastvergleich" besonders aussagekräftig macht, sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der historischen Ausgangslagen: Es handelt sich um sog. kleine Nationalstaaten, die aus zerfallenen Imperien (Osmanisches Reich, Österreich-Ungarn, Russländisches Reich) hervorgegangen sind und unterschiedliche wirtschaftliche Positionen und Entwicklungsstufen innerhalb und außerhalb ihrer jeweiligen Reiche besaßen. Zugleich sind konzeptionelle Ähnlichkeiten festzustellen bei der Suche nach einer lebensfähigen nationalen/staatlichen Wirtschaftsstrategie für das nationale Wohlergehen und die politische Autonomie (ekonomia nasionale [albanisch], nrodn/sttn hospodrstv [tschechoslowakisch] und natsionaluri ekonomia [georgisch] genannt). Die drei Untersuchungsgegenstände sind zudem durch überlappende und unterschiedliche politisch- ökonomische Denktraditionen geprägt. Insbesondere zielt das Projekt darauf ab, den Aufbau der jeweiligen Volkswirtschaften als umstrittene Ideen/Programme/Projekte und Taten - einige davon waren bereits in imperialer Zeit entwickelt worden - aufzuzeigen. Es konzentriert sich vor allen Dingen auf die Bemühungen um die Gründung der Nationalbanken, der Industrialisierung auch im Umgang mit der organisierten bzw. sich organisierenden Arbeitnehmerschaft (z.B. sociln otzka im böhmischen Kontext des 19. Jahrhunderts), die Reform der Landwirtschaft und die Debatten über Freihandel/Protektionismus in einer postimperialen/internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung. Das Forschungsvorhaben stützt sich auf umfängliche Archivforschungen in den drei Ländern sowie Österreich und Italien und basiert auf die interpretativen Erkenntnisse der Begriffsgeschichte- und der "Speech-Act"-Theorie. Es wird argumentiert, dass lebensfähige kleine Volkswirtschaften eine engere Interaktion zwischen nationalem Kapital und Arbeit und kontrollierter Offenheit gegenüber der internationalen Wirtschaftsordnung erfordern.
Eines der wichtigsten wissenschaftlichen Ziele dieses Projekts war es, vergleichend zu untersuchen, was die neu entstandenen und relativ kleinen Nationalstaaten Albanien, Tschechoslowakei und Georgien nach dem Ende des Ersten Weltkriegs benötigten, um innerhalb der neuen internationalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung der 1920er Jahre lebensfähige Volkswirtschaften aufzubauen. Die drei Fälle wurden anhand des Kriteriums verglichen, dass sie als Staaten zu einem ähnlichen Zeitpunkt gegründet wurden und im Verhältnis zu den ehemaligen imperialen Zentren und einigen ihrer Nachbarländer ähnlich klein waren, während sie gleichzeitig ein unterschiedliches Erbe an wirtschaftlichen Diskursen weiterführten und darauf aufbauten und unterschiedliche Stadien der wirtschaftlichen (Unter-)Entwicklung durchliefen. Das Projekt wandte nicht nur einen vergleichenden, sondern auch einen konzeptuellen historischen Ansatz an - indem es Ideen, Pläne und Politiken in Bezug auf Geld, Handel, Industrie, Arbeit und Landwirtschaft rekonstruierte - und stellte die Hypothese auf, dass für kleinere Volkswirtschaften (kleiner im Sinne von verletzlich) ihre Lebensfähigkeit (im Sinne von Überleben und potenziellem Gedeihen) als solche die Verfolgung von Ideen und Politiken erforderte, die zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen nationalem Kapital und Arbeit führten. Das Projekt fand - in dem Hauptmanuskript mit dem neuen Titel Open But Not Dependent: National Economy-Building in Georgia, Albania and Czechoslovakia after the Great War (wird bei Routledge veröffentlicht) -, dass diese Hypothese zwar diskursiv für alle drei Fälle belegt wurde, aber in politischer Hinsicht, wobei die Tschechoslowakei fortschrittlicher war, in die Umsetzung einer "Sozialpolitik" mündete, die die Spannungen zwischen nationalem Kapital und Arbeit vor allem während des größten Teils des Jahrzehnts der 1920er Jahre abbaute. Da es sich um kleinere Volkswirtschaften handelte, die mit größeren benachbarten Volkswirtschaften in Beziehung standen, und da die Tschechoslowakei Anfang der 1920er Jahre in die internationale Wirtschaftsordnung der Nachkriegszeit eintrat und Teil dieser Ordnung wurde, waren die wirtschaftlichen Ideen, Diskurse und Politiken zu Geld/Kapital, Industrie, Arbeit, Handel und Land, die von wichtigen Denkern und politischen Persönlichkeiten vorgebracht wurden - daher das Konzept des Aufbaus einer nationalen Wirtschaft -, offener und liberaler, obwohl sie sowohl nationale liberale/soziale als auch nationale protektionistische Impulse enthielten.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 2 Zitationen
- 7 Publikationen
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2025
Titel Varieties of Economic Nationalism in Cold War Europe: Small State Responses to Economic Changes, 1960s-1980s Typ Book Autor Brisku Verlag Bloomsbury Publishing PLC -
2025
Titel Varieties of Economic Nationalism in Cold War Europe - Small State Responses to Economic Changes, 1960s-1980s DOI 10.5040/9781350428676 Typ Book editors Brisku A, Gumiela M, Stöcker L Verlag Bloomsbury Publishing Plc -
2025
Titel Varieties of economic nationalism in small (nation-)states; In: Varieties of Economic Nationalism in Cold War Europe - Small State Responses to Economic Changes, 1960s-1980s DOI 10.5040/9781350428676.ch-001 Typ Book Chapter Verlag Bloomsbury Publishing Plc -
2025
Titel Conclusion: 'Icebreakers' in the economic entanglements of Cold War Europe; In: Varieties of Economic Nationalism in Cold War Europe - Small State Responses to Economic Changes, 1960s-1980s DOI 10.5040/9781350428676-006 Typ Book Chapter Verlag Bloomsbury Publishing Plc -
2024
Titel Handbook on the History and Culture of the Black Sea Region Typ Book Autor Bumann Ninja Verlag De Gruyter -
2022
Titel The Politics of Smallness in Modern Europe: Size, Identity and International Relations since 1800 Typ Book Autor Kruizinga Verlag Bloomsbury Publishing PLC -
2020
Titel Modern Georgia DOI 10.1093/acrefore/9780190277727.013.256 Typ Book Chapter Autor Brisku A Verlag Oxford University Press (OUP)