Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Kunstwissenschaften (70%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Politikwissenschaften (10%)
Keywords
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Classical music,
Labour movement,
Red Vienna,
Socialism,
Modern music,
Politics
Inwiefern ist Musik politisch und in welchem Maße kann Musik politisches Bewusstsein formen? Diese Frage wird zwar schon lange von Musikwissenschaftlern und Soziologen erörtert, von einem endgültigen Verständnis der ganzen Bandbreite an Faktoren, die die Musik mit ihrer sozialen und politischen Wirkkraft ausstattet, sind wir aber noch weit entfernt. Das Projekt geht dieses Problem an und konzentriert sich dabei auf die Geschichte der Arbeitermusikbewegung in Österreich mit besonderem Fokus auf die Zeit des Roten Wien. Geprägt durch die Ideen und Initiativen von Musikern und Politikern, bietet diese musikalisch-politische Bewegung eine besonders faszinierende Fallstudie für das Verhältnis zwischen Musik, Gesellschaft und politischem Aktivismus. Josef Scheu (1841-1904) und andere politisch engagierte österreichische Musiker schrieben Kompositionen und Bearbeitungen für Arbeiterchöre. Durch die Bemühungen politischer Aktivisten wie David Josef Bach (1874-1947) fand klassische und moderne Musik ihren Weg zu musikalischen Darbietungen durch und für die Arbeiterklasse. Darbietungen von Arbeitergesangsvereinen boten die Gelegenheit zu politischen Versammlungen, wurden aber auch dazu genutzt, ein Gefühl gemeinsamer Identität und Werte zu entwickeln und zu fördern. Die erzieherischen Ziele der Arbeitermusikbewegung wurzelten in der Annahme, dass das Erlernen und Praktizieren von Musik die Mitglieder des Proletariats hin zu anspruchsvollem ästhetischem Geschmack und höheren moralischen Idealen inspirieren würde. Trotz dieser edlen Absicht waren sich die Anführer der Bewegung bei der Frage, welche Art von Musik für dieses Ziel am geeignetsten sei, uneinig. In diesem Kontext kommt die Frage auf, ob es eine spezifische proletarische oder sozialistische Form der Musik und Kultur gibt (oder geben könnte), eine Diskussion, die im ganzen zwanzigsten Jahrhundert weiterhin Widerhall fand. Mit dem Fokus auf diesen Fragenkomplex zielt die Forschung auf ein historisch und theoretisch fundierteres Verständnis der Vielzahl an Kräften emotional, kontextuell-historisch und diskursiv , die bei der Formung der symbolischen Macht der Musik in Verbindung mit politischem Aktivismus am Werk sind.
Inwiefern ist Musik politisch und in welchem Maße kann Musik politisches Bewusstsein formen? Diese Frage wird zwar schon lange von Musikforschern erörtert, von einem endgültigen Verständnis der ganzen Bandbreite an ästhetischen und kontextuellen Faktoren, die die Musik mit ihrer politischen Wirkkraft ausstattet, sind wir aber noch weit entfernt. Proletarische Stimmen setzt sich mit diesem Problem auseinander, indem es sich auf die Geschichte der Arbeitermusikbewegung in Österreich von den 1890er bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts konzentriert. Geprägt durch die Ideen und Initiativen von Musikern und Politikern, bietet diese musikalisch-politische Bewegung eine besonders faszinierende Fallstudie für das Verhältnis zwischen Musik und Politik. Das Projekt befasst sich mit der Etablierung von Musikinstitutionen für das Proletariat sowie mit der umfangreichen literarischen Tätigkeit, die ihre Arbeit begleitete. Es untersucht die besondere Herangehensweise der Bewegung an die Rezeption klassischer und romantischer Musik und an Fragen der politischen Bedeutung von Musik, die Konzertprogramme und musikgeschichtliche Interpretationen prägten. Proletarische Stimmen zeigt, dass die Aneignung der deutsch-österreichischen Musiktradition durch die österreichische Arbeiterbewegung mit einer grundlegenden Revision bürgerlicher Konzepte von Autonomie und Universalität einherging, um für ein Verständnis von Musik als revolutionärer Kraft zu werben, die in der Lage ist, soziale Veränderungen voranzutreiben.