Die Ermittlung Mehrdimensionaler Privater Informationen
Eliciting Multidimensional Private Information
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Multidimensional,
Private Information,
Mechanism Design,
Cheap Talk,
Robustness,
Public Goods
In diesem Projekt geht es um die Rolle von Informationen in wirtschaftlichen Interaktionen. In vielen Situationen, in denen zwei oder mehr Parteien versuchen, zu einer Einigung etwa bezüglich eines Handels zu kommen, haben die Beteiligten nicht nur unterschiedliche Interessen, sondern auch verschiedene Informationen. Zum Beispiel haben Käufer und Verkäufer entgegengesetzte Ziele bei der Festlegung des Preises. Aber wie stark diese ausgeprägt sind, also wieviel ein Käufer maximal zu zahlen bereit ist oder welche anderen Verkaufschancen der Verkäufer sieht, hängt dabei sowohl von den eigenen Informationen als auch von denen des jeweiligen Gegenübers ab. Der Verkäufer kennt meistens die objektiven Qualitäten des Handelsguts besser, weiß aber nicht genau, welche davon der Käufer besonders wertschätzt oder gerade nicht. Beide Seiten haben dann ein Interesse, Informationen der anderen zu erhalten, aber sie geben ihre eigene aus strategischen Gründen nicht offen preis. Diese Beobachtung trifft auch in vielen anderen Situationen zu, zum Beispiel wenn ein gemeinsames Projekt umgesetzt werden soll und es darum geht, wieviel einzelne Mitglieder einer Gruppe beitragen oder wie die Umsetzung genau aussieht. Der Austausch von Informationen ist so ein wesentlicher Bestandteil jeder Einigung. Die Bedeutung von ungleich verteilten Informationen für die Möglichkeiten, zu einer Einigung zu kommen, ist innerhalb der Mikroökonomie weithin bekannt. Wenn solche Situationen mit mathematischen Modellen abgebildet werden, kann man durch logische Argumentation klare Aussagen machen, wie weit unterschiedliche Informationen das Ergebnis eines Verhandlungsprozesses beeinflussen können. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen derartigen Modellen und entsprechend den Annahmen, die getroffen werden. Manche Ergebnisse sind sehr abstrakt und haben eine weite Gültigkeit, andere sind dagegen sehr speziell und treffen nur unter besonderen Umständen zu. Der Ansatz in diesem Projekt zielt auf eine mittlere Ebene, um den Hintergrund der oft gegensätzlichen Ergebnisse zu verstehen und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, die eine stärkere Systematik und allgemeinere Anwendbarkeit haben. Dazu werden gewisse strukturelle Annahmen getroffen, wie die Interessen der Beteiligten und ihre Informationen gestaltet sind. Diese sind aber allgemein genug, dass sie deutlich mehr als konkrete Beispiele erfassen. Entsprechend werden dann für die Untersuchung dieser Modelle neue Methoden entwickelt und angewandt. Der spezielle Aspekt, der dabei im Mittelpunkt steht, ist die Komplexität der relevanten Information, insbesondere ob sie mehr- oder eindimensional ist. Manchmal, zum Beispiel bei einer Zahlungsbereitschaft oder einer wichtigen Kennzahl, kann ihr Inhalt auf einer einzelnen Skala gemessen werden. Oft sind aber mehrere Faktoren relevant und dann sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch sehr partiell. Sie sollen durch dieses Projekt systematischer und vollständiger werden.
Wenn jemand private Information hat, stellt sich die Frage, inwieweit diese strategisch verwendet werden kann. Zum Beispiel überlegen sich Verkäufer, wie sie ihre Produkte präsentieren, um Kunden zu bestimmten Kaufentscheidungen zu bewegen; dazu werden vielleicht bestimmte Eigenschaften besonders herausgestellt und andere nur vage benannt oder verschwiegen. Auch zur Beratung engagierte Experten haben oft ein eigenes Interesse an der Entscheidung ihrer Auftraggeber und können diese zu beeinflussen versuchen, indem sie ihr Fachwissen nur indirekt wiedergeben. Solche strategische Kommunikation ist in der ökonomischen Literatur unter verschiedenen Annahmen aus theoretischer Sicht untersucht worden, was zu einigen wichtigen grundlegenden Erkenntnissen geführt hat. So hängt etwa die Antwort auf die Frage, wieviel Nutzen aus dem Informationsmonopol gezogen werden kann, stark davon ab, inwieweit die vermittelte Information überprüfbar ist. In vielen Interaktionen ist die Kommunikation jedoch formlos; dann ist es für den Informationsinhaber besonders schwierig, glaubwürdig zu sein, und die Möglichkeit der Einflussnahme ist bei unterschiedlichen Interessen stark begrenzt. Wir haben in unserem Projekt überraschende, neuere Resultate aufgegriffen, die zeigen, dass private Information gerade auch dann gewinnbringend eingesetzt werden kann, wenn die Interessen des Informationsinhabers an der Entscheidung des Gegenübers vollständig bekannt und unabhängig von der tatsächlichen Information sind. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn nur das Erreichen eines Verkaufs zählt und nicht, ob das Produkt den Bedürfnissen des Kunden entspricht. Durch Unschärfe kann dann zumindest ein Teil der Information immer noch glaubwürdig vermittelt werden. Wir haben untersucht, wie kritisch die zentrale Annahme für dieses Resultat ist. Allgemeiner haben wir uns gefragt, wie robust die Gleichgewichte von formalen Modellen der strategischen Kommunikation bezüglich kleiner Abweichungen von bestimmten Präferenzen der Akteure sind. Dafür haben wir zunächst einen geeigneten formalen Robustheitsbegriff entwickelt, der schließlich differenzierte, aussagekräftige Ergebnisse ermöglicht hat. Aus Komplexitätsgründen haben wir uns dann zunächst auf Modelle konzentriert, in denen die relevante Information lediglich ist, welches von zwei möglichen Szenarien zutrifft; ob zum Beispiel eine bestimmte Voraussetzung erfüllt ist oder nicht. In diesem Rahmen konnten wir dann eine vollständige Charakterisierung der robusten Gleichgewichte erzielen. Darauf aufbauend haben wir als besonders prägnantes Ergebnis zeigen können, dass das für den Informationsinhaber beste Gleichgewicht immer robust ist, während viele andere Gleichgewichte kritisch von den speziellen Präferenzen abhängen. Durch diese Robustheitsüberlegungen kommen wir also zu einer prägnanteren Aussage, was die Ausgänge der theoretischen Modelle sind.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 5 Zitationen
- 3 Publikationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2022
Titel On identifying subgame-perfect equilibrium outcomes for timing games DOI 10.1016/j.geb.2022.05.012 Typ Journal Article Autor Steg J Journal Games and Economic Behavior Seiten 74-78 Link Publikation -
2023
Titel Strategic investment with positive externalities DOI 10.1016/j.geb.2022.11.013 Typ Journal Article Autor Steg J Journal Games and Economic Behavior Seiten 1-21 Link Publikation -
2023
Titel Robust equilibria in cheap-talk games with fairly transparent motives DOI 10.48550/arxiv.2309.04193 Typ Preprint Autor Steg J
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2023
Titel Paris Workshop on Games, Decisions, and Language Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International