Frau ohne Namen: Genderaspekte von Opfernarrativen
Woman without a Name: Gender Identity in Sacrificial Stories
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (80%); Soziologie (20%)
Keywords
-
Female Sacrifice,
Jephthah's Daughter,
Gender,
Self,
Phenomenology of Sacrifice
Opfernarrative mögen Gegenstand intensiver philosophisch-theologischer Debatten sein, aber sie bilden ebenso eine alltägliche Erfahrungsebene für Millionen von Menschen. Entweder als jemand, der/die opfert, oder als jemand, die/der geopfert wird, erfahren wir das Opfer am eigenen Leib. Die akademische Auseinandersetzung mit dem Opfer hat einen vieldeutigen Diskurs hervorgebracht, der verschiedene Disziplinen von der Anthropologie über die Religions- und Sozialwissenschaften bis hin zur Ethik einschließt. Der Leitfaden meines Projektes, das verschiedene philosophisch-theologische Ansätze wie Phänomenologie, Existentialismus, Psychoanalyse und Genderstudien zusammenbringt, ist die genuine menschliche Erfahrung des Opfers. Anders als die vorherrschenden komparativen Perspektiven in der Forschung ist meine Untersuchung am Individuum orientiert. Hauptsächliche theoretische Bezugspunkte sind die Arbeiten von Sören Kierkegaard, Sigmund Freud, Jan Patocka, Jacques Derrida, René Girard, Julia Kristeva und Judith Butler. Seinen Ursprung hat das Opfer im religiös-kultischen Kontext; es lässt sich in den großen Religionen wie auch in lokalen Kulten verfolgen. Den Hintergrund meiner Forschung bilden die jüdisch-christlichen Schriften, aber vergleichend greift sie auch in die griechische Mythologie aus. Die biblischen Hauptreferenzen sind die Geschichten vom Isaaksopfer (Genesis 22) und der Opferung von Jiftachs Tochter (Richter 11, 29-40); zum Vergleich herangezogen wird das Opfer der Iphigenie, wie in der griechischen Mythologie und der literarischen Bearbeitung des Euripides behandelt. Womit wir uns gleichwohl täglich konfrontiert sehen, ist gerade die säkularisierte Form des Opfers, etwa in trivialen Formulierungen wie ich opfere mich und bereite jetzt das Abendessen vor oder auch in weit ernsthafteren wie ich opfere mich auf für dich. Die Logik des Opfers gehört zum Grundbestand menschlicher Beziehungen. Außerhalb der Genderstudien wird oft vergessen oder bestritten, dass Opfer genderkonnotiert sind. Die alltägliche Erfahrung lehrt das Gegenteil: Frauen erhalten geringere Löhne für dieselbe Arbeit, und man erwartet von ihnen, dass sie ihre Karriere mit der Sorge für die Familie zusammenbringen um nur zwei Beispiele für genderspezifische Aspekte des Opfers zu erwähnen. Dieses Projekt versucht, die akademische Debatte über die biblischen und mythischen Geschichten einer Opferung von Frauen zusammenzudenken mit den philosophischen und theologischen Interpretationen dieses Themas. Die Synopsis beider Ansätze ermöglicht eine neue Perspektive, aus der ich menschliche Beziehungen insbesondere in ihren genderkonnotierten Aspekten jenseits des Opfers thematisieren will, ohne zugleich die jüdisch-christlichen Quellen dieser Tradition zu verdammen.
Frau ohne Namen: Genderaspekte von Opfernarrativen Opfernarrative mögen Gegenstand intensiver philosophisch-theologischer Debatten sein, aber sie bilden ebenso eine alltägliche Erfahrungsebene für Millionen von Menschen. Entweder als jemand, der/die opfert, oder als jemand, die/der geopfert wird, erfahren wir das Opfer "am eigenen Leib". Die akademische Auseinandersetzung mit dem Opfer hat einen vieldeutigen Diskurs hervorgebracht, der verschiedene Disziplinen von der Anthropologie über die Religions- und Sozialwissenschaften bis hin zur Ethik einschließt. Der Leitfaden meines Projektes, das verschiedene philosophisch-theologische Ansätze wie Phänomenologie, Existentialismus, Psychoanalyse und Genderstudien zusammenbringt, ist die genuine menschliche Erfahrung des Opfers. Anders als die vorherrschenden komparativen Perspektiven in der Forschung ist meine Untersuchung am Individuum orientiert. Hauptsächliche theoretische Bezugspunkte sind die Arbeiten von Sören Kierkegaard, Sigmund Freud, Jan Patočka, Jacques Derrida, René Girard, Julia Kristeva und Judith Butler. Seinen Ursprung hat das Opfer im religiös-kultischen Kontext; es lässt sich in den großen Religionen wie auch in lokalen Kulten verfolgen. Den Hintergrund meiner Forschung bilden die jüdisch-christlichen Schriften, aber vergleichend greift sie auch in die griechische Mythologie aus. Die biblischen Hauptreferenzen sind die Geschichten vom Isaaksopfer (Genesis 22) und der Opferung von Jiftachs Tochter (Richter 11, 29-40); zum Vergleich herangezogen wird das Opfer der Iphigenie, wie in der griechischen Mythologie und der literarischen Bearbeitung des Euripides behandelt. Womit wir uns gleichwohl täglich konfrontiert sehen, ist gerade die säkularisierte Form des Opfers, etwa in trivialen Formulierungen wie "ich opfere mich und bereite jetzt das Abendessen vor" oder auch in weit ernsthafteren wie "ich opfere mich auf für dich". Die Logik des Opfers gehört zum Grundbestand menschlicher Beziehungen. Außerhalb der Genderstudien wird oft vergessen oder bestritten, dass Opfer genderkonnotiert sind. Die alltägliche Erfahrung lehrt das Gegenteil: Frauen erhalten geringere Löhne für dieselbe Arbeit, und man erwartet von ihnen, dass sie ihre Karriere mit der Sorge für die Familie zusammenbringen - um nur zwei Beispiele für genderspezifische Aspekte des Opfers zu erwähnen. Dieses Projekt versucht, die akademische Debatte über die biblischen und mythischen Geschichten einer Opferung von Frauen zusammenzudenken mit den philosophischen und theologischen Interpretationen dieses Themas. Die Synopsis beider Ansätze ermöglicht eine neue Perspektive, aus der ich menschliche Beziehungen - insbesondere in ihren genderkonnotierten Aspekten - jenseits des "Opfers" thematisieren will, ohne zugleich die jüdisch-christlichen Quellen dieser Tradition zu verdammen.
Research Output
- 5 Zitationen
- 7 Publikationen
- 12 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2023
Titel A Hidden Life of Love: Sacrifice in Malick's Cinematographic Philosophy; In: Life Above the Clouds: Philosohphy in the Films of Terrence Malick Typ Book Chapter Autor Koci K Verlag State University of New York Press Seiten 319-335 Link Publikation -
2023
Titel Art and Sacrifice: Human Self-Transcendence toward Freedom and Truth; In: Finding Meaning: Essays on Philosophy, Nihilism, and the Death of God Typ Book Chapter Autor Koci K Verlag Wipf and Stock Publishers Seiten 181-196 Link Publikation -
2023
Titel Eine ketzerische Deutung der Geschichtsphilosophie: Jan Patočka; In: Geschichtskritik nach 1945 Typ Book Chapter Autor Koci K Verlag Meiner Seiten 399-413 Link Publikation -
2023
Titel The Land Without Promise: The Roots and Afterlife of One Biblical Allusion Typ Book Autor Koci Verlag Bloomsbury Publishing PLC -
2021
Titel Whose Story? Which Sacrifice? On the Story of Jephthah’s Daughter DOI 10.1515/opth-2020-0167 Typ Journal Article Autor Koci K Journal Open Theology Seiten 331-344 Link Publikation -
2022
Titel Introduction: Sacrifice and Self-Sacrifice: A Religious Concept under Transformation DOI 10.30965/23642807-bja10062 Typ Journal Article Autor Koci K Journal Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society Seiten 225-233 Link Publikation -
2022
Titel “All the Rest Is Commentary …”: Being for the Other as the Way to Break the Sacrificial Logic DOI 10.30965/23642807-bja10057 Typ Journal Article Autor Koci K Journal Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society Seiten 393-415 Link Publikation
-
2023
Link
Titel "Female Corporeality and Religion" Conference Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Link
Titel Society of Biblical Literature Annual Meeting Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Link
Titel International Conference "Kierkegaard in France" Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Link
Titel "Doomed to Sacrifice? Existential and Phenomenological Perspectives on Sacrifice and Gender" Workshop Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2022
Link
Titel Research Stay at Science and Research Centre Koper, Slovenia Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2021
Link
Titel Fellow's Colloquium "Whose Story? Which Sacrifice?" Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel Lecture Series "On the Death Giving: War and Sacrifice in Patočka and Derrida" Typ A talk or presentation Link Link -
2022
Link
Titel European Association of Biblical Studies Annual Meeting Typ A talk or presentation Link Link -
2023
Link
Titel "Sacrifice and the Body beyond Metaphysics" Workshop Typ A formal working group, expert panel or dialogue Link Link -
2021
Titel Author Meets Critique "Saving God from Tyranny" Typ A formal working group, expert panel or dialogue -
2021
Link
Titel "Sovereignty and Political Mythologies" Public Lecture Typ A talk or presentation Link Link -
2021
Link
Titel Religionspolitologische Forum Typ A talk or presentation Link Link
-
2024
Titel FWF Elise Richter Fellowship Typ Research prize DOI 10.55776/v1047 Bekanntheitsgrad National (any country)