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Frau ohne Namen: Genderaspekte von Opfernarrativen

Woman without a Name: Gender Identity in Sacrificial Stories

Katerina Koci (ORCID: 0000-0003-1830-4902)
  • Grant-DOI 10.55776/M2947
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.12.2020
  • Projektende 31.01.2024
  • Bewilligungssumme 162.080 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (80%); Soziologie (20%)

Keywords

    Female Sacrifice, Jephthah's Daughter, Gender, Self, Phenomenology of Sacrifice

Abstract Endbericht

Opfernarrative mögen Gegenstand intensiver philosophisch-theologischer Debatten sein, aber sie bilden ebenso eine alltägliche Erfahrungsebene für Millionen von Menschen. Entweder als jemand, der/die opfert, oder als jemand, die/der geopfert wird, erfahren wir das Opfer am eigenen Leib. Die akademische Auseinandersetzung mit dem Opfer hat einen vieldeutigen Diskurs hervorgebracht, der verschiedene Disziplinen von der Anthropologie über die Religions- und Sozialwissenschaften bis hin zur Ethik einschließt. Der Leitfaden meines Projektes, das verschiedene philosophisch-theologische Ansätze wie Phänomenologie, Existentialismus, Psychoanalyse und Genderstudien zusammenbringt, ist die genuine menschliche Erfahrung des Opfers. Anders als die vorherrschenden komparativen Perspektiven in der Forschung ist meine Untersuchung am Individuum orientiert. Hauptsächliche theoretische Bezugspunkte sind die Arbeiten von Sören Kierkegaard, Sigmund Freud, Jan Patocka, Jacques Derrida, René Girard, Julia Kristeva und Judith Butler. Seinen Ursprung hat das Opfer im religiös-kultischen Kontext; es lässt sich in den großen Religionen wie auch in lokalen Kulten verfolgen. Den Hintergrund meiner Forschung bilden die jüdisch-christlichen Schriften, aber vergleichend greift sie auch in die griechische Mythologie aus. Die biblischen Hauptreferenzen sind die Geschichten vom Isaaksopfer (Genesis 22) und der Opferung von Jiftachs Tochter (Richter 11, 29-40); zum Vergleich herangezogen wird das Opfer der Iphigenie, wie in der griechischen Mythologie und der literarischen Bearbeitung des Euripides behandelt. Womit wir uns gleichwohl täglich konfrontiert sehen, ist gerade die säkularisierte Form des Opfers, etwa in trivialen Formulierungen wie ich opfere mich und bereite jetzt das Abendessen vor oder auch in weit ernsthafteren wie ich opfere mich auf für dich. Die Logik des Opfers gehört zum Grundbestand menschlicher Beziehungen. Außerhalb der Genderstudien wird oft vergessen oder bestritten, dass Opfer genderkonnotiert sind. Die alltägliche Erfahrung lehrt das Gegenteil: Frauen erhalten geringere Löhne für dieselbe Arbeit, und man erwartet von ihnen, dass sie ihre Karriere mit der Sorge für die Familie zusammenbringen um nur zwei Beispiele für genderspezifische Aspekte des Opfers zu erwähnen. Dieses Projekt versucht, die akademische Debatte über die biblischen und mythischen Geschichten einer Opferung von Frauen zusammenzudenken mit den philosophischen und theologischen Interpretationen dieses Themas. Die Synopsis beider Ansätze ermöglicht eine neue Perspektive, aus der ich menschliche Beziehungen insbesondere in ihren genderkonnotierten Aspekten jenseits des Opfers thematisieren will, ohne zugleich die jüdisch-christlichen Quellen dieser Tradition zu verdammen.

Frau ohne Namen: Genderaspekte von Opfernarrativen Opfernarrative mögen Gegenstand intensiver philosophisch-theologischer Debatten sein, aber sie bilden ebenso eine alltägliche Erfahrungsebene für Millionen von Menschen. Entweder als jemand, der/die opfert, oder als jemand, die/der geopfert wird, erfahren wir das Opfer "am eigenen Leib". Die akademische Auseinandersetzung mit dem Opfer hat einen vieldeutigen Diskurs hervorgebracht, der verschiedene Disziplinen von der Anthropologie über die Religions- und Sozialwissenschaften bis hin zur Ethik einschließt. Der Leitfaden meines Projektes, das verschiedene philosophisch-theologische Ansätze wie Phänomenologie, Existentialismus, Psychoanalyse und Genderstudien zusammenbringt, ist die genuine menschliche Erfahrung des Opfers. Anders als die vorherrschenden komparativen Perspektiven in der Forschung ist meine Untersuchung am Individuum orientiert. Hauptsächliche theoretische Bezugspunkte sind die Arbeiten von Sören Kierkegaard, Sigmund Freud, Jan Patočka, Jacques Derrida, René Girard, Julia Kristeva und Judith Butler. Seinen Ursprung hat das Opfer im religiös-kultischen Kontext; es lässt sich in den großen Religionen wie auch in lokalen Kulten verfolgen. Den Hintergrund meiner Forschung bilden die jüdisch-christlichen Schriften, aber vergleichend greift sie auch in die griechische Mythologie aus. Die biblischen Hauptreferenzen sind die Geschichten vom Isaaksopfer (Genesis 22) und der Opferung von Jiftachs Tochter (Richter 11, 29-40); zum Vergleich herangezogen wird das Opfer der Iphigenie, wie in der griechischen Mythologie und der literarischen Bearbeitung des Euripides behandelt. Womit wir uns gleichwohl täglich konfrontiert sehen, ist gerade die säkularisierte Form des Opfers, etwa in trivialen Formulierungen wie "ich opfere mich und bereite jetzt das Abendessen vor" oder auch in weit ernsthafteren wie "ich opfere mich auf für dich". Die Logik des Opfers gehört zum Grundbestand menschlicher Beziehungen. Außerhalb der Genderstudien wird oft vergessen oder bestritten, dass Opfer genderkonnotiert sind. Die alltägliche Erfahrung lehrt das Gegenteil: Frauen erhalten geringere Löhne für dieselbe Arbeit, und man erwartet von ihnen, dass sie ihre Karriere mit der Sorge für die Familie zusammenbringen - um nur zwei Beispiele für genderspezifische Aspekte des Opfers zu erwähnen. Dieses Projekt versucht, die akademische Debatte über die biblischen und mythischen Geschichten einer Opferung von Frauen zusammenzudenken mit den philosophischen und theologischen Interpretationen dieses Themas. Die Synopsis beider Ansätze ermöglicht eine neue Perspektive, aus der ich menschliche Beziehungen - insbesondere in ihren genderkonnotierten Aspekten - jenseits des "Opfers" thematisieren will, ohne zugleich die jüdisch-christlichen Quellen dieser Tradition zu verdammen.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für die Wissenschaften vom Menschen - 100%

Research Output

  • 5 Zitationen
  • 7 Publikationen
  • 12 Disseminationen
  • 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2023
    Titel A Hidden Life of Love: Sacrifice in Malick's Cinematographic Philosophy; In: Life Above the Clouds: Philosohphy in the Films of Terrence Malick
    Typ Book Chapter
    Autor Koci K
    Verlag State University of New York Press
    Seiten 319-335
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Art and Sacrifice: Human Self-Transcendence toward Freedom and Truth; In: Finding Meaning: Essays on Philosophy, Nihilism, and the Death of God
    Typ Book Chapter
    Autor Koci K
    Verlag Wipf and Stock Publishers
    Seiten 181-196
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Eine ketzerische Deutung der Geschichtsphilosophie: Jan Patočka; In: Geschichtskritik nach 1945
    Typ Book Chapter
    Autor Koci K
    Verlag Meiner
    Seiten 399-413
    Link Publikation
  • 2023
    Titel The Land Without Promise: The Roots and Afterlife of One Biblical Allusion
    Typ Book
    Autor Koci
    Verlag Bloomsbury Publishing PLC
  • 2021
    Titel Whose Story? Which Sacrifice? On the Story of Jephthah’s Daughter
    DOI 10.1515/opth-2020-0167
    Typ Journal Article
    Autor Koci K
    Journal Open Theology
    Seiten 331-344
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Introduction: Sacrifice and Self-Sacrifice: A Religious Concept under Transformation
    DOI 10.30965/23642807-bja10062
    Typ Journal Article
    Autor Koci K
    Journal Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society
    Seiten 225-233
    Link Publikation
  • 2022
    Titel “All the Rest Is Commentary …”: Being for the Other as the Way to Break the Sacrificial Logic
    DOI 10.30965/23642807-bja10057
    Typ Journal Article
    Autor Koci K
    Journal Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society
    Seiten 393-415
    Link Publikation
Disseminationen
  • 2023 Link
    Titel "Female Corporeality and Religion" Conference
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Society of Biblical Literature Annual Meeting
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel International Conference "Kierkegaard in France"
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel "Doomed to Sacrifice? Existential and Phenomenological Perspectives on Sacrifice and Gender" Workshop
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Research Stay at Science and Research Centre Koper, Slovenia
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Fellow's Colloquium "Whose Story? Which Sacrifice?"
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel Lecture Series "On the Death Giving: War and Sacrifice in Patočka and Derrida"
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2022 Link
    Titel European Association of Biblical Studies Annual Meeting
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2023 Link
    Titel "Sacrifice and the Body beyond Metaphysics" Workshop
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
    Link Link
  • 2021
    Titel Author Meets Critique "Saving God from Tyranny"
    Typ A formal working group, expert panel or dialogue
  • 2021 Link
    Titel "Sovereignty and Political Mythologies" Public Lecture
    Typ A talk or presentation
    Link Link
  • 2021 Link
    Titel Religionspolitologische Forum
    Typ A talk or presentation
    Link Link
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2024
    Titel FWF Elise Richter Fellowship
    Typ Research prize
    DOI 10.55776/v1047
    Bekanntheitsgrad National (any country)

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