Ethnische Bezeichnungen im griechisch-römischen Ägypten
Ethnic Designations in Hellenistic and Early Roman Egypt
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Ethnic terminology,
Hellenistic and Roman Egypt,
Papyri,
Ostraca And Inscriptions,
State Policy,
Ethnicity,
Social Stratification
Im Rahmen des Forschungsprojekts wird die ethnische Terminologie untersucht, die in den mehrsprachigen dokumentarischen Texten auf Papyri, Ostraka und Inschriften aus dem hellenistischen (33230 v. Chr.) und frührömischen Ägypten (30 v. Chr. 14 n. Chr.) Verwendung findet. In fast zweitausend Dokumenten begegnen weit über dreihundert verschiedene ethnische Begriffe, die sich auf rund dreitausend Personen beziehen. Die Bedeutung dieser Begriffe soll untersucht und dabei die Frage geklärt werden, warum und wie sie von der staatlichen Bürokratie und von Privatpersonen in offiziellen und rechtlichen Kontexten verwendet wurden. Das Projekt wird sich auf die beiden zu dieser Zeit am häufigsten verwendeten Amtssprachen (Griechisch und demotisches Ägyptisch) konzentrieren, aber auch Belege in anderen Sprachen und Schriften wie Aramäisch, Latein und Mittelägyptisch in der Hieroglyphenschrift berücksichtigen. Die ethnische Terminologie ist eine der komplexesten und rätselhaftesten Fragen bei der Erforschung des griechisch-römischen Ägypten, einerseits wegen der großen Anzahl verschiedener Sprachen und Schriften, in denen die Belege überliefert sind, andererseits, weil im untersuchten Zeitraum einige ethnische Begriffe recht bald jede wirkliche ethnische Bedeutung verloren zu haben scheinen und sich zu fiktiven ethnischen Bezeichnungen entwickelt haben, z.B. Berufsbezeichnungen und Statusangaben. Es ist jedoch unklar, welche genauen Bedeutungen sie annahmen und warum, wann und wie es zu dieser Veränderung in ihrer Semantik kam. Ein weiteres Problem stellen die Bezeichnungen Perses tes epigones, "Perser der Abstammung", und Persine, "Perserin", dar, deren semantische Entwicklung einen anderen Verlauf nimmt: Sie entwickelten sich bis zur frühen römischen Zeit zu einer Rechtsfiktion für Personen, die sich freiwillig in eine nachteilige Rechtsposition hinsichtlich der Konsequenzen bei Verzug oder Nichterfüllung ihrer vertraglichen Verpflichtungen begaben, um Darlehen und Pachtverträge leichter abschließen zu können. Ferner ist die genaue Bedeutung und die semantische Entwicklung des Ausdrucks tes epigones (wörtlich "der Abstammung") bzw. ms n Kmy (wörtlich "in Ägypten geboren") unklar. Diese Phrase war zahlreichen verschiedenen ethnischen Bezeichnungen in Griechisch und Demotisch beigefügt. Die Forschungen im Zuge des Projektes werden Erkenntnisse bezüglich zentraler Probleme der sozialen, rechtlichen und kulturellen Geschichte des hellenistischen und frührömischen Ägypten erbringen. Es geht um die Frage, wie man mit dem Problem einer multiethnischen Bevölkerung des Landes umging, ob einzelne ethnische Gruppen von der Regierung positiv oder negativ diskriminiert wurden. Die Ergebnisse dieser Studie werden ein neues Licht auf Einwanderung, Ethnizität, ethnische und kulturelle Assimilation, Integration und soziale Mobilität verschiedener Bevölkerungsgruppen werfen und somit die Struktur und das Wesen dieser Gesellschaft aus ethnischer Perspektive erhellen.
Die vielsprachigen Textquellen aus dem hellenistischen (332-30 v. Chr.) und frührömischen Ägypten (30 v. Chr. - 14 n. Chr.) enthalten eine große Vielfalt ethnischer Begriffe in dokumentarischen, literarischen und religiösen Texten. Von diesen verschiedenen Arten von Quellenmaterial sind die dokumentarischen Belege am reichhaltigsten an ethnischer Terminologie. Die genaue Bedeutung und Verwendung vieler solcher Begriffe hat Papyrologen, Althistoriker und Experten für antikes Recht lange Zeit vor Rätsel gestellt. In den urkundlichen Zeugnissen (Papyri, Ostraka und Inschriften) kommen weit über dreihundert verschiedene ethnische Bezeichnungen vor, die in mehr als zweitausend verschiedenen Dokumenten mit Bezug auf etwa dreitausend bestimmte Personen bezeugt sind. Das Forschungsprojekt "Ethnische Bezeichnungen im hellenistischen und frührömischen Ägypten" konzentrierte sich auf ethnische Bezeichnungen von Personen in offiziellen Dokumenten, wo Individuen in der Regel durch Personennamen identifiziert werden. Ziel des Projekts ist es, die Bedeutung dieser ethnischen Bezeichnungen zu untersuchen und die Frage zu klären, warum und wie sie von der staatlichen Verwaltung und der Bevölkerung Ägyptens in offiziellen und rechtlichen Zusammenhängen verwendet wurden. Ein besonders schwieriges Problem stellen diejenigen ethnischen Bezeichnungen dar, die im Laufe der Zeit ihre spezifische Konnotation änderten und in den Dokumenten mit wechselnder Bedeutungen, wie Steuerstatus, Rechtsstatus, Familienstand oder Beruf, verwendet wurden. Im Rahmen des Projekts wurden sowohl wirkliche als auch fiktive ethnische Bezeichnungen untersucht, wobei ihre verschiedenen morphologischen und semantischen Typen, die Veränderungen ihrer Belege im Laufe der Zeit und die Gründe dafür analysiert wurden. Außerdem wurde die Bedeutung derjenigen spezifischen, echten ethnischen Bezeichnungen beleuchtet, die in der bisherigen Forschung umstritten waren, und die semantischen Veränderungen im zugrunde liegenden Gebrauch fiktiver ethnischer Begriffe nachgezeichnet. Das Projekt hat zahlreiche Ergebnisse hervorgebracht, die nicht nur für die Erforschung der ethnischen Terminologie von großer Bedeutung sind, sondern auch generell für die Geschichte des griechisch-römischen Ägyptens und der hellenistischen Welt, die Papyrologie und die antike Rechtsgeschichte. Diese Ergebnisse helfen uns, zentrale Fragen der Sozial-, Rechts- und Kulturgeschichte des hellenistischen und frührömischen Ägyptens besser zu verstehen, wie z.B. die Einwanderung, die Regierungspolitik in Bezug auf die multiethnische Bevölkerung des Landes, die Integration, Ethnizität, die Frage, ob bestimmte Gruppen von der Regierung positiv oder negativ diskriminiert wurden. Unmittelbare Relevanz haben die Ergebnisse für unsere Kenntnis der ethnischen und kulturellen Assimilation, der sozialen Mobilität, der Schichtung verschiedener Bevölkerugsgruppen und schließlich der Struktur und des Wesens der Gesellschaft aus ethnischer Sicht.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 1 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Disseminationen
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2022
Titel 'What is an Alphabet good for?'; In: Writing around the Ancient Mediterranean: Practices and Adaptations Typ Book Chapter Autor La'Da C. A. Verlag Oxbow Books Seiten 9-21 Link Publikation
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2022
Titel Interview for outreach magazine Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview