Industriell-institutionelle Koevolution in Regionalökonomien
Industrial-institutional co-evolution in regional economies
Wissenschaftsdisziplinen
Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (100%)
Keywords
-
Path Development,
Evolutionary Economic Geography,
Institutions,
Co-Evolution,
Israel,
Innovation Policy
Wie entwickeln sich Regionalökonomien unterschiedlichen, selbst innerhalb desselben Landes und unter denselben Politiken? Diese Frage bearbeitet das Forschungsprojekt zur industriell- institutionellen Koevolution anhand der Rolle von Institutionen wie gegenseitigem Vertrauen in wirtschaftlichen Beziehungen, Gründungsneigung oder der Einstellung von Unternehmer*innen zur Zusammenarbeit. Gleichzeitig wird der Einfluss von individuellen Entscheidungsträger*innen und ihrer Entscheidungen auf die Entwicklung dieser Institutionen untersucht. Kern des Forschungsprojekts sind empirische Fallstudien in drei Regionalökonomien in Israel einem Land, in dem sich in den vergangenen Jahrzehnten eine lebhafte Gründerszene herausgebildet hat. Die Küstenstadt Haifa ist ein traditioneller Industriestandort, an dem sich der Dienstleistungssektor weiterentwickelt. In Nazareth im Norden des Landes ist zuletzt eine junge Szene arabischer Unternehmensgründer*innen in der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche entstanden. Beer Sheva in der Negevwüste entwickelt sich zu einem bedeutenden Cybersecurity- Cluster. Diese drei Fallstudien sollen zu Schlussfolgerungen dahingehend führen, wie derselbe Makrokontext zu unterschiedlichen Mustern regionaler Entwicklung führen kann und wie sich die Auswirkungen nationaler Politiken von Region zu Region unterscheiden können.
Das Forschungsprojekt behandelte die Rolle von Handlungsmacht ("agency") und Institutionen in der regionalen Pfadentwicklung. Dabei konnte das Projekt Fortschritte in der laufenden Debatte zu den Antriebskräften regionaler industrieller Pfadentwicklung generieren, indem das Zusammenspiel von Handlungsmacht und Institutionen näher beleuchtet wurde. Auf konzeptioneller Ebene trug das Projekt zu einer differenzierteren Sichtweise auf Handlungsmacht auf Systemebene ("system-level agency") und zu einer näheren Konzeptualisierung industriell-institutioneller Koevolution bei. Auf empirischer Ebene generierte das Projekt 103 semi-strukturierte Distanzinterviews mit Expert*innen und Stakeholder*innen auf nationaler Ebene in Israel und auf regionaler Ebene (Be'er Sheva, Haifa, Nazareth) sowie weitere 11 Distanzinterviews kombiniert mit früherer Forschung und 12 weitere Distanz- oder Präsenzinterviews, die im Rahmen eines Kooperationsarrangements von einem Kooperationspartner durchgeführt wurden. Die beiden letztgenannten, zusätzlichen Interviewserien behandelten die Region der israelischen Negevwüste. Somit brachte das Forschungsprojekt unmittelbar oder mittelbar Daten aus 126 Interviews hervor, die mit einer qualitativen Dokumentenanalyse von Zeitungsartikeln aus einem mehrjährigen Zeitraum kombiniert wurden. Ergebnisse aus den ersten 40 Interviews wurden genutzt, um die Inklusivität von Pfadentwicklung zu untersuchen und damit die aktuelle Debatte in der Wirtschaftsgeographie zu den sozio-ökonomischen Wirkungen von Innovationsprozessen aufzunehmen. Damit konnten die übergreifenden Forschungsfragen des Projekts in einem spezifischen Fokus auf Inklusivität untersucht werden und dazu beitragen, eine Forschungslücke in der evolutionären Wirtschaftsgeographie zu schließen. Die Bedeutung dieser Ergebnisse steht im Zusammenhang mit der aktuellen Entwicklung der Literatur an der Schnittstelle zwischen der Innovationsforschung und der evolutionären Wirtschaftsgeographie in den vergangenen Jahren, die zunehmend die Direktionalität von Pfaden im Hinblick auf große gesellschaftliche Herausforderungen adressiert. Das Interesse an sozialer Inklusivität war hingegen bisher in diesem Teil der Literatur vergleichsweise niedrig, scheint aber aktuell zuzunehmen, sodass Projektergebnisse einen relevanten Beitrag zu dieser Debatte leisten können.
- Universität Wien - 100%
- Johannes Becke, Hochschule für Jüdische Studien - Deutschland
- Glen Yago, Jerusalem Institute for Policy Research - Israel
- Gil Avnimelech, Ono Academic College - Israel
- Dan Kaufmann, Sapir College - Israel
- Paul Rivlin, Tel Aviv University - Israel
- Daniel Felsenstein, The Hebrew University of Jerusalem - Israel
- Eran Razin, The Hebrew University of Jerusalem - Israel
Research Output
- 55 Zitationen
- 7 Publikationen
-
2024
Titel Institutional context and translation in regional development and policymaking processes Typ Other Autor Benner M -
2021
Titel Retheorizing industrial–institutional coevolution: a multidimensional perspective DOI 10.1080/00343404.2021.1949441 Typ Journal Article Autor Benner M Journal Regional Studies Seiten 1524-1537 Link Publikation -
2023
Titel Discourse as a carrier of history: wine tourism in the Negev and its evolution DOI 10.1080/09654313.2023.2221310 Typ Journal Article Autor Benner M Journal European Planning Studies -
2022
Titel Legitimizing path development by interlinking institutional logics: The case of Israel’s desert tourism DOI 10.1177/02690942231172728 Typ Journal Article Autor Benner M Journal Local Economy Seiten 564-583 Link Publikation -
2023
Titel Making spatial evolution work for all? A framework for inclusive path development DOI 10.1093/cjres/rsad015 Typ Journal Article Journal Cambridge Journal of Regions, Economy and Society -
2023
Titel System-level agency and its many shades: path development in a multidimensional innovation system DOI 10.1080/00343404.2023.2179614 Typ Journal Article Autor Benner M Journal Regional Studies -
2022
Titel Revisiting path-as-process: agency in a discontinuity-development model DOI 10.1080/09654313.2022.2061309 Typ Journal Article Autor Benner M Journal European Planning Studies Seiten 1119-1138 Link Publikation