Die Orientalische Diplomatie der Habsburgermonarchie
The Oriental Diplomacy of the Habsburg Monarchy
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (60%); Informatik (10%)
Keywords
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Cultural History,
Early Modern Decision-Making,
New Diplomatic History,
Early Modern Conflict Management Strategies In Cen,
Seventeenth-Century Habsburg-Ottoman Relations
Das Anderssein des Orients hat in den vergangenen Jahrhunderten die westliche Welt auf unzählige Weise herausgefordert. Die richtige Entscheidung in Bezug auf Regionen und Staaten zu treffen, die sich von unserer heimischen Lebenswelt weitgehend unterscheiden, erscheint heute genauso kompliziert wie zuvor. In diesem Zusammenhang lohnt es sich Entscheidungsstrategien früherer Epochen zu berücksichtigen, die auch bei der Bewältigung gegenwärtiger Konflikte vom Nutzen sein können. Die Präsenz des Osmanischen Reiches im frühneuzeitlichen Mitteleuropa hatte zweifellos tiefgreifende Auswirkungen auf die Länder und Nationen der Region. Die Habsburgermonarchie gehörte zu den zentralen staatlichen Akteuren der zeitgenössischen politischen Szene, die spätestens ab dem Anfang des 16. Jahrhunderts mit einer erschütternden militärischen Übermacht des Halbmondes konfrontierte. Es versteht sich von selbst, dass Konflikte ein tiefes Verständnis des Gegners erfordern, um erfolgreiche Strategien entwickeln zu können. Im Zusammenhang mit der frühneuzeitlichen habsburgisch-osmanischen Rivalität in Mitteleuropa zielt mein Projekt auf folgende Hauptfragen ab: Wo und von wem wurden die Entscheidungen osmanischer Relevanz am Habsburgerhof getroffen? Woher kam die Fachkompetenz der Experten und wie hat die habsburgische Verwaltung ihr Wissen in der Politik angewandt? Wie hat die Habsburgermonarchie schließlich ihr eigenes diplomatisches Personal und Strategie für die Verwaltung von osmanischen Angelegenheiten geschaffen? Das Projekt soll sich auf eine größere Friedensperiode im 17. Jahrhundert konzentrieren, als raffinierte Friedenssicherungsmechanismen und erfahrene Diplomaten das Verhältnis zwischen der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich prägten. In diesem Zusammenhang wird in erster Linie die Tätigkeit des Wiener Hofkriegsrates untersucht, einer Kollegialbehörde von Militär- und Zivilexperten, die die diplomatische Maschinerie auf habsburgischer Seite kontrollierte. Dieses Organ wurde 1556 gegründet und war ursprünglich für den osmanischen Krieg im Königreich Ungarn konzipiert, seit dem frühen 17. Jahrhundert war es aber auch für die orientalische Diplomatie verantwortlich und behandelte Themen wie Friedensverhandlungen, diplomatische Missionen nach Osten, Korrespondenz, Betrieb des diplomatischen Außenpostens in Konstantinopel usw. Dieses wissenschaftliche Bestreben befasst sich also prinzipiell mit der charakteristischen orientalischen Diplomatie der frühneuzeitlichen Habsburger und fragt danach, wie Entscheidungen von grundlegender Bedeutung hinter den interkulturellen Kulissen der diplomatischen Bühne getroffen wurden, um militärische Konfrontationen weitmöglichst zu vermeiden und die habsburgisch-osmanische Herrschaft in dem mitteleuropäischen Raum zu stabilisieren.
Das "Anderssein" des Orients hat in den vergangenen Jahrhunderten die westliche Welt auf unzählige Weise herausgefordert. Die richtige Entscheidung in Bezug auf Regionen und Staaten zu treffen, die sich von unserer heimischen Lebenswelt weitgehend unterscheiden, erscheint heute genauso kompliziert wie zuvor. In diesem Zusammenhang lohnt es sich Entscheidungsstrategien früherer Epochen zu berücksichtigen, die auch bei der Bewältigung gegenwärtiger Konflikte vom Nutzen sein können. Die Präsenz des Osmanischen Reiches im frühneuzeitlichen Mitteleuropa hatte zweifellos tiefgreifende Auswirkungen auf die Länder und Nationen der Region. Die Habsburgermonarchie gehörte zu den zentralen staatlichen Akteuren der zeitgenössischen politischen Szene, die spätestens ab dem Anfang des 16. Jahrhunderts mit einer erschütternden militärischen Übermacht des Halbmondes konfrontierte. Es versteht sich von selbst, dass Konflikte ein tiefes Verständnis des Gegners erfordern, um erfolgreiche Strategien entwickeln zu können. Im Zusammenhang mit der frühneuzeitlichen habsburgisch-osmanischen Rivalität in Mitteleuropa beantwortet das Projekt die Fragen: Wo und von wem wurden die Entscheidungen osmanischer Relevanz am Habsburgerhof getroffen? Woher kam die Fachkompetenz der Experten und wie hat die habsburgische Verwaltung ihr Wissen in der Politik angewandt? Wie hat die Habsburgermonarchie schließlich ihr eigenes diplomatisches Personal und Strategie für die Verwaltung von osmanischen Angelegenheiten geschaffen? Das Projekt erfasst zeitlich eine größere Friedensperiode im 17. Jahrhundert, als raffinierte Friedenssicherungsmechanismen und erfahrene Diplomaten das Verhältnis zwischen der Habsburgermonarchie und dem Osmanischen Reich prägten. In diesem Zusammenhang wurde in erster Linie die Tätigkeit des Wiener Hofkriegsrates untersucht, einer Kollegialbehörde von Militär- und Zivilexperten, die die diplomatische Maschinerie auf habsburgischer Seite kontrollierte. Dieses Organ wurde 1556 gegründet und war ursprünglich für den osmanischen Krieg im Königreich Ungarn konzipiert, seit dem frühen 17. Jahrhundert war es aber auch für die orientalische Diplomatie verantwortlich und behandelte Themen wie Friedensverhandlungen, diplomatische Missionen nach Osten, Korrespondenz, Betrieb des diplomatischen Außenpostens in Konstantinopel usw. Der Wiener Hofkriegsrat beherbergte die wichtigsten Orientexperten der Zeit, die die "orientalischen Entscheidungen" nach gründlicher Informationsbeschaffung und Evaluierung entwarfen und ihre Vorschläge im Feld der osmanischen Diplomatie dem Kaiser und seinen engsten Ratgebern präsentierten. Da die fachkundigen Ratschläge des Hofkriegsrates im Allgemeinem angenommen wurden, dieses wissenschaftliche Bestreben befasst sich schließlich mit der charakteristischen orientalischen Diplomatie der frühneuzeitlichen Habsburger und zeigt, wie Entscheidungen von grundlegender Bedeutung hinter den interkulturellen Kulissen der diplomatischen Bühne getroffen wurden, um militärische Konfrontationen weitmöglichst zu vermeiden und die habsburgisch-osmanische Herrschaft in dem mitteleuropäischen Raum zu stabilisieren.
- Thomas Winkelbauer, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Jiri Kubes, University of Pardubice - Tschechien
- Özgür Kolcak, Istanbul University - Türkei
Research Output
- 9 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 4 Disseminationen
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2023
Titel 20b The Ottoman Court as a Special Venue for European Diplomacy DOI 10.1515/9783110672008-021 Typ Book Chapter Autor Cziráki Z Verlag De Gruyter Seiten 419-430 -
2023
Titel "Die orientalische Diplomatie der Habsburgermonarchie 1606-1668: Akteure und Entscheidungsfindung im Wiener Hofkriegsrat" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz Hammer-Purgstall-Lab organized by the Diplomatische Akademie Wien, 7th of June 2023 -
2023
Titel What Does "Ottoman Issue" Mean in Early Modern Habsburg Monarchy? Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz Remapping Decisions: Governmental Decisions in Early Modern Diplomatic Relations Between the Ottoman Empire and Europe, 27-28 April 2023, Vienna -
2023
Titel Kora újkori oszmán vonatkozású dokumentumok a bécsi Haditanács levéltári hagyatékában DOI 10.14232/aetas.2023.4.173-186 Typ Journal Article Autor Cziráki Z Journal „Végek dicsérete” - Bégek, kapitányok, katonák Seiten 173-186 Link Publikation -
2022
Titel "Interpreters for Oriental Languages Entering Habsburg Diplomatic Service: Proof of Skills in the 17th-Century Hofkriegsrat" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz Frühneuzeittagung "Die Sprachen der Frühen Neuzeit" at the University of Bamberg Link Publikation -
2022
Titel "The Interpreters for Oriental Languages: Recruitment, Personnel and Networks in the First Half of the Seventeenth Century" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz Comité International des Ètudes Pré-Ottomanes et Ottomanes (CIEPO) at the Aristotle University in Thessaloniki September 22-24 2022 -
2021
Titel "Disputed Loyalties: Subjects of Seventeenth-century Small States as Habsburg Interpreters for Oriental Languages" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz "Struggle for Sovereignty? Small States and the Diplomacy of the Early Modern Period", 24-25th September 2021, Croatian Academy od Sciences and Arts, Dubrovnik -
2021
Titel "Der Hofdolmetscher - Akteure und Leistungen des kaiserlichen Dolmetscherdienstes für orientalische Sprachen im 17. Jahrhundert" Typ Conference Proceeding Abstract Autor Cziráki Zs Konferenz Instituttsseminar 252. (Institut für Österreichische Geschichte), University of Vienna, 8th November 2021 Link Publikation -
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Titel Habsburg's Ottoman Decisions. Actors and Political Decision-Making in Eastern Affairs of the Seventeenth-Century Habsburg Monarchy (1605-1668) Typ Book Autor Cziráki Zs editors this is a manuscript accepted for publication, which is going to be published in 2025 Verlag CEU Press
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2023
Link
Titel Scientific collaborator/expert ORF TV-Series "Österreich - die ganze Geschichte" Typ A broadcast e.g. TV/radio/film/podcast (other than news/press) Link Link -
2021
Link
Titel Blog entry: The Wardrobe of the Envoy Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Homepage ORDIP Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2023
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Titel Conference "Remapping Decisions: Governmental Decisions in Early Modern Diplomatic Relations Between the Ottoman Empire and Europe" Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link