Antike und Gegenwart in den Annalen von William Camden
Antiquity and the Present in William Camden´s Annales
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Neo-Latin,
Renaissance,
Early modern,
William Camden,
Elizabeth I,
Classical reception
Die Annales von William Camden (1551-1623) sind die erste, sogar von einem Zeitgenossen verfasste, Geschichte der ganzen Regierungszeit der englischen Königin Elizabeth I (1558- 1603). Schon seit Veröffentlichung beeinflussen die Annales tiefgehend die Geschichtsschrebiung zum elizabethischen Zeitalter. Seit Jahrhunderten wurde das Werk aber vor allem durch etliche Übersetzungen ins Englische aus dem 17. Jahrhundert gelesen, anstatt im lateinischen Originaltext. Dieses von dem Lise Meitner Programm des FWF gefördete Forschungsprojekt bietet eine neue Interpretation des lateinischen Originaltexts. Schwerpunkte sind der Einfluss antiker Geschichte und Literatur auf die Annales und Verbindungen mit der zeitgenössischen humanistischen Geschichtsschreibung. Zu Camdens Lebzeiten übten die Werke des altrömischen Historikers Cornelius Tacitus einen starken Einfluss auf Gelehrte und Mitglieder der englischen Führungsschicht aus. Diese Studie untersucht die Benutzung taciteischer Ideen in den Annales. Besondere Schwerpunkte der Diskussion sind die methodologischen Angaben Camdens und der Aufbau der Erzählung, einschließlich der Benutzung annalistischer Form (Jahr-für-Jahr Erzählung), thematischer Episoden und der Charakterbeschreibung. Wichtige inhaltliche Schwerpunkte sind die Gestaltung von Verschwörungs- und Kriegserzählungen, die Benutzung des Barbarenkonzepts und die Geschlechterpolitik in den Annales. Untersucht wird Camdens Behandlung der Zeitgeschichte anhand von dem taciteischen Vorbild. Das Projekt prüft die These von Patrick Collinson, die behauptet, Camden sei nicht Zuständig für die Begründung eines verherrlichenden Elizabeth-Mythos, und habe stattdessen ein zwiespaltiges Bild der Königin gezeichnet. Das Projekt stellt einige beharrlichen Vorstellungen in der Literatur zu Camden in Frage, insbesondere die Neigung, ihn als modernen Historiker zu bezeichnen und die vermeintliche Außergewöhnlichkeit englischer Geschichtsschreibung, anstatt ihre Verbindungen mit dem wieteren Geistesleben Europas, zu betonen. Allzu oft wurde die Rhetorik der Einleitung Camdens, wo er sein Werk als schlichte, schmucklose Dokumentierung der Vergangenheit darstellt, wörtlich genommen. Diese Studie bietet dagegen eine Interpretation der Annales als raffinierte Literatur in der Tradition des klassischen Humanismus. Die ersten Forschungsergebnisse werden in einer wissenschaftlichen Zeitschrift herausgegeben. Die Hauptuntersuchung wird in einer Monographie zum Thema Antike und Gegenwart in den Annales von William Camden veröffentlicht. Im zweiten Jahr des Projekts wird eine internationale Tagung zum Nachleben des Tacitus in der Frühmoderne organisiert; eine Tagungsband wird danach herausgegeben. Zur breiteren Wissenschaftskommunikation zählen eine Internetseite und Podcasts.
- Alexandra Gajda, University of Oxford - Vereinigtes Königreich