Estates and their assemblies in the Habsburg Monarchy
Estates and their assemblies in the Habsburg Monarchy
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Soziologie (25%)
Keywords
-
Habsburg monarchy,
Absolutism,
Estates,
Comparative Approach,
Political Cukture
Das Projektziel besteht in einer Neubewertung der Rolle der Ständeversammlungen in der Habsburgermonarchie in einem Zeitraum, in dem ihre Bedeutung eher selten hervorgehoben wird. Indem es die Ansätze der jüngeren Absolutismus-Debatte und die Anregungen der produktiven Forschungen über die Provinzialverwaltung in Westeuropa (v.a. in Frankreich) aufgreift, wird das Projekt sich um eine Infragestellung des simplifizierenden Ständebildes in der Periode nach der Umgestaltung der Führungsschichten der österreichischen und böhmischen Länder durch die Habsburger bemühen. Damit sollte die sich vertiefende Kluft zwischen dem Kenntnisstand dieses Fragenkomplexes bezüglich Westeuropas und bezüglich der Habsburgermonarchie wieder verkleinert werden. Eine innovative Erörterung der regionalen Machtstrukturen ist auch deswegen vonnöten, weil die neueren Untersuchungen der Habsburger Höfe das Verständnis der Zentralgewalt in der Frühen Neuzeit tiefgreifend verändert haben; anderenfalls ist es nicht möglich, ein ausgewogenes Bild des frühneuzeitlichen Habsburgerstaats und der Entstehung der Zentralgewalt in dieser Region zu zeichen. Als Hauptergebnis soll eine aufgrund der vergleichenden Untersuchung verfasste Studie (auf Deutsch oder auf Englisch) entstehen, mit der Zielsetzung, (a) die Landstände der Habsburgermonarchie in den Kontext der europäischen Absolutismus-Forschung zu bringen, (b) die weitere Erforschung des Themas in internationaler und vergleichenden Perspektive zu fördern, und (c) der künftigen Forschung eine Datenbank der Landtagsteilnehmer zur Verfügung zu stellen. Der in der Geschichtsforschung über Ostmitteleuropa in den letzten Jahren erfolgreich verwendete Begriff der "zusammengesetzten Monarchie" bietet als konzeptueller Ausgangspunkt einen innovativen Forschungsrahmen. Er soll mit dem vergleichenden Ansatz kombiniert werden, der hier sowohl als ein eye-opener, als auch als ein Hilfsmittel zur besseren Profilierung der regionalen Unterschiede und Ähnlichkeiten eingesetzt wird. Die Forschung wird sich auf sieben "Kernländer" (Österreich unter und ob der Enns, Steiermark, Kärnten, Krain, Böhmen, Mähren) konzentrieren. Ihre elementare strukturelle Ähnlichkeit und ihre ähnliche Position im Verwaltungssystem sichern dabei die Vergleichbarkeit, gleichzeitig wird der Vergleich durch ihre unterschiedlichen Traditionen und längerfristigen Schicksale gefördert. Schließlich soll das Verständnis des ständisch- landesherrlichen Verhältnisses neu überdacht werden, denn dieses ist noch immer durch das vereinfachende dualistische Modell mit vielen daraus resultierenden Implikationen geprägt. Anstelle eines Verständnis der Stände als einer mehr oder weniger homogenen, dem Herrscher per definitionem entgegenwirkenden Oppositionsgruppe wird das Forschungsprojekt ein komplexeres Modell in Anspruch nehmen, eines, das den Motivationen der Ständemitglieder, der internen Fragmentierung der Stände und den Interessengemeinschaften zwischen ihnen und der Krone eine größere Rolle zubilligt. Forschungspraktisch stellt das Projekt sich zwei Forschungsaufgaben: eine prosopographische Analyse der Landtagsteilnehmer und die innere Funktionsweise der Landtage (Ritual, Sprache, Redeweisen). Da gerade diese Fragen noch kaum untersucht wurden, sind Forschungen in den Landesarchiven unerlässlich. Die primäre Aufmerksamkeit wird den Landtagsprotokollen gelten, einer Quelle, die merkwürdigerweise noch kaum einer Untersuchung unterzogen wurde. Meine bisherige Forschung über die Landtage in Böhmen und Mähren (15 % der Daten stehen schon zur Verfügung) ermöglicht die Konzentrierung vor allem auf die österreichischen Länder. Maßgebend für die erfolgreiche Durchführung des Forschungsprojektes ist die Kooperation mit ForscherInnen aus den wissenschaftlichen Einrichtungen in Wien. Wien wird zugleich das natürliche Zentrum dieses Forschungsprojekts sein.
- Universität Wien - 100%
- Wolfgang Schmale, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in