Prozeßinschriften der Korinthia und der Argolis
Prozeßinschriften der Korinthia und der Argolis
Wissenschaftsdisziplinen
Rechtswissenschaften (100%)
Keywords
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Epigraphik griechisch Antike Rechtsgeschichte,
Antike,
Epigraphik,
Griechisch,
Rechtsgeschichte
In Folge des bereits 1994 publizierten Bandes "Prozeßrechtliche Inschriften der griechischen Poleis: Arkadien (IPArk)" soll nun ein Kommentar zu den Inschriften der Argolis (Peloponnes) vorgelegt werden, die auf Fragen des antiken Prozeßrechts Bezug nehmen. Dabei werden die Texte mit einem kritischen Apparat und einer deutschen Übersetzung ediert. Ein historisch-epigraphischer Kommentar trägt dem Gedanken Rechnung, daß die Instrumente der Streitbeendigung nicht nur als juristisch-dogmatische Figuren für sich betrachtet werden können, sondern als historische Gegebenheiten in ihrem Umfeld betrachtet werden müssen. Dabei werden auch häufig Fragen des materiellen Rechts, die in der Darstellung des Prozeßrechtes nicht oder nur ungenügend beantwortet werden können, genauer untersucht und erklärt. Das Kernstück jedes Einzelkommentares bilden die Ausführungen zum Prozeßrecht, die nach dem folgenden Muster -- das auch schon in den IPArk Anwendung fand -- gestaltet sind: I Gerichtsorganisation -- II Gang des Verfahrens -- III Strafbestimmungen. Dieser schematische Aufbau der Kommentare erleichtert den Gesamtüberblick und ermöglicht auch ein einfaches Vergleichen der prozeßrechtlichen Vorstellungen in anderen Poleis. Dadurch können immer wieder Hinweise auf allgemeine Prinzipien des griechischen Prozeßrechtes gegeben werden. Insgesamt liegen 30 Kommentare zu einzelnen Inschriften vor, die aus dem Bereich des öffentlichen Rechts (innerstaatlich und zwischenstaatlich), des Verwaltungsrechts (Argos), des Bauwesens (in Epidauros) und des Stiftungsrechts (Kalaureia), sowie der Rechtsvorschriften bei antiken Agonen (Epidauros), stammen. An dieser Stelle sei --beispielhaft -- auf das Kernstück des Bandes, den Kommentar zu prozeßrechtlichen Fragen in der Verfassung des Hellenenbundes des Antigonos I Monophthalmos und des Demetrios Poliorketes (IG IV 12 68, Epidauros 302/1 v. Chr.) verwiesen. Durch die Neulesung zweier kritischer Abschnitte konnte erstmals ein detaillierter Überblick über die Gerichtsorganisation dieses großen Staatenbundes gegeben werden. Die Bearbeitung der einzelnen Inschriften, Kontrolle der Lesungen, Einfügung neuer Ergänzungen, wo dies notwendig erschien, sowie die Interpretation unter neuen Gesichtspunkten und unter Heranziehung bisher unbeachteter Parallelen, führte in vielen Fällen zu einer neuen Bewertung der Inschriften. Diese neue Bewertung sowie die Erforschung und Darstellung der juristischen Gesichtspunkte stellt einen großen Fortschritt in der rechtshistorischen Forschung dar. Durch die Aufbereitung immer neuer Inschriften nach prozeßrechtlichen Gesichtspunkten wird die Forschung dem Ziel, die Grundsätze des Prozeßrechts der griechischen Poleis auf epigraphischer Basis in ihren Übereinstimmungen und Unterschieden begreifen und darstellen zu können, einen Schritt näher gebracht. Auch Forscher aus den Nachbardisziplinen, vor allem aus dem Bereich der Alten Geschichte, werden den Band zur Hand nehmen. Oftmals ermöglicht erst die genaue juristische Interpretation eine korrekte Vorstellung von den Abläufen, die in einer Inschrift dargestellt sind. So dienen die Arbeiten dieses Forschungsprojektes einem Fortschreiten der interdisziplinären Forschung, wie bereits die Zusammensetzung des Teams von Mitarbeitern aus dem Bereich der antiken Rechtsgeschichte, der Alten Geschichte und der Klassischen Philologie zeigt.
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