Geistheiler in Österreich
Geistheiler in Österreich
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Soziologie (75%)
Keywords
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Magie Geistheilerei Schulmedizin Weltbilder Wertewandel,
Geistheilerei,
Magie,
Schulmedizin,
Weltbilder,
Wertewandel
Repräsentative Umfragen in Deutschland und Österreich zeigen auf, daß ein Anteil der Bevölkerung zwischen 36% und 65% unter bestimmten Voraussetzungen durchaus bereit ist, einen Geistheiler aufzusuchen. Dies stellt einen realen und potentiellen Markt von enormer Größe dar, der sich nur zum Teil im Rahmen gesetzlicher Bestimmungen befindet. Abgesehen von rechtlichen und ökonomischen Überleitungen bedeutet dies aber auch, daß eine erhebliche Bevölkerungsgruppe mit ihrem spezifischen Wertsystem und -verständnis andere als die gemeinhin anerkannten Heilmethoden akzeptiert und in ihre individuellen Therapieüberlegungen integriert. Einen hohen Erklärungswert für die Attraktivität alternativer Heilverfahren könnte eine Analyse der Renaissance magischer Weltbilder - wie sie sich u.a. in der Geistheilung manifestieren - haben. Unter Geistheilung werden hier Heilverfahren verstanden, deren Erfolg dem Einfluß metaphysischer - also in einem funktional positivistischen, naturwissenschaftlichen Weltbild nicht vollständig erklärbarer - Kräfte zugeschrieben wird; seien diese nun religiöser, schamanistischer, parapsychologischer oder suprarationaler Art. Die Zuschreibung der jeweiligen Qualität erfolgt seitens der Patienten und seitens der Heiler selbst. Die Ausprägung dieser beiden Zuschreibungen muß dabei keineswegs konvergieren. Es ist vielmehr anzunehmen, daß die Zuschreibung der spezifischen Wirkkräfte im Zuge des Heilungsrituals mehrheitlich interaktiv ausgehandelt wird. Die wissenschaftliche Notwendigkeit für dieses Projekt liegt auch darin begründet, daß * keine detaillierten Daten Ober Umfang, Wirkkreis, Methoden und subkulturelle Bedeutung des Phänomens vorliegen, * ein unübersichtlicher, spekulativer New-Age-Markt den hier fokusierten Untersuchungsgegenstand aberlagert und vereinnahmt, * magisches Denken in der polt-industriellen Gesellschaft wahrscheinlich vielfältigste Formen der Uminterpretation erfährt, * Vergleichsdaten aufgrund der aktuellen Untersuchung in Deutschland vorliegen werden, * magische Konzepte aufgrund des allgemeinen Wertewandels wohl auch Surrogate für normative Sinnverluste darstellen können, * eine breite, von unterschiedlichen Bevölkerungsschichten getragene Skepsis gegenüber funktional- schulmedizinischen Heilmethoden konstatierbar ist und * die ritualisierten Interaktionen zwischen Heiler und Patient zwar durch die Ethnologie im außereuropäischen Feld gut erfaßt, hierzulande jedoch kaum analysiert worden sind. Diesen Fragen soll mit qualitiativen und quantitativen Erhebungen bei Experten, praktizierenden Heilern und betroffenen Patienten nachgegangen werden.
- Stadt Wien - 100%
- Alex Belschan, assoziierte:r Forschungspartner:in