Blütenökologische Untersuchungen im Makaronesischen Raum un ter besonderer Berücksichtigung der Ornithophilie
Blütenökologische Untersuchungen im Makaronesischen Raum un ter besonderer Berücksichtigung der Ornithophilie
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
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Macaronesia Canary Islands floral ecology pollination ornithophily,
Canary Islands,
Floral Ecology,
Macaronesia,
Ornithophily,
Pollination
Im makaronesischen Raum (Kanaren. Azoren, Madeira, Kap Verde-Inseln) hat sich eine außerordentlich interessante, eigenständige und endemitenreiche Pflanzenwelt entwickelt. die seit dem 18. Jhdt. im Mittelpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen steht. Während die floristische und vegetationskundliche Erforschung sehr weit fortgeschritten ist. weiß man auch heute noch erstaunlich wenig über die Blütenökologie dieser Pflanzen. Auf ein Phänomen, das man geradezu als ein blütenökologisches Paradoxon bezeichnen könnte, hat der Erstantragsteller schon vor Jahrzehnten (VOGEL 1954) aufmerksam gemacht, nämlich daß es auf der einen Seite endemische Pflanzen mit typischen Vogelblumenmerkmalen gibt (z.B. Canarina canariensis, Lotus berthelotii, Echium wildprentii, Isoplexis canariensis, s. Abb. 1), auf der anderen Seite aber echte Blumenvögel (Nektarvögel, Honigfresser, etc.) als Bestäuber fehlen. Spätere Gelegenheitsbeobachtungen an Isoplexis und Canarina zeigten. daß Phylloscopus collybita canariensis (eine kanarische Varietät des paläarktisch-europäischen Zilpzalps) die Blüten dieser Pflanzen besucht und offensichtlich erfolgreich bestäuben kann. Auch der Kanarienvogel (Serinus canaria canaria) und die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla atricapilla) wurden als Blütenbesucher beobachtet, allerdings bisher nur an exotischen, kultivierten Pflanzen (VOGEL dc ah, 1984). Daraus ergeben sich zahlreiche Fragen: Haben sich die Blüten dieser Pflanzen an diese Vögel angepaßt oder stellen diese nur , "Ersatzbestäuber", dar? Wenn (was wahrscheinlicher ist) letzteres zutrifft: welche waren die ursprünglichen (Vogel-)Bestäuber? Lassen sich aus den Bau- und Funktionsmerkmalen der Blüten diesbezügliche Rückschlüsse ziehen? Sind die ursprünglichen Bestäuber (aus welchen Gründen?) ausgestorben oder vom Menschen ausgerottet worden? Ist das Vorhandensein der genannten Singvögel für die Pflanzen überlebenswichtig oder gibt es noch andere Tiere (Insekten?), die als (Ersatz-?)Bestäuber fungieren? Spielt vielleicht auch Selbstbestäubung eine wichtige Rolle? Wenn ja, wie hoch ist der Anteil von selbst- gegenüber fremdbestäubten Blüten? Diese und weitere Fragen sollen im Rahmen des beantragten Forschungsprojektes (Dissertation), das extensive Freilandstudien vor Ort einschließt, geklärt werden. Darüber hinaus bieten zahlreiche andere makaronesische Endemiten mit offensichtlich extrem spezialisierenden Blüten oder Blütenständen (z.B. Carnpylanthus salsoloides, Ixandlus viscosus, Dracunculus canariensis, Ceropegia-Arten u.v.a.) interessante blütenökologische Probleme. Sie sollen soweit wie möglich in der geplanten Dissertation mitberücksichtigt werden.
- Universität Wien - 100%
- Anton Weber, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in