Systematik, Biostratigraphie und Paläoökologie der Ostracoden des Badenium in Österreich unter besonderer Berücksichtigung der von Reuss (1850) beschriebenen Arten
Systematik, Biostratigraphie und Paläoökologie der Ostracoden des Badenium in Österreich unter besonderer Berücksichtigung der von Reuss (1850) beschriebenen Arten
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (100%)
Keywords
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Systematik Biostratigraphie Paläoökologie Paläobiogeographie Miozän,
Badenium,
Biostratigraphie,
Miozän,
Badenium,
Paläobiogeographie,
Paläoökologie,
Systematik
Die Ergebnisse des Projektes "Systematik, Biostratigraphie und Paläoökologie der Ostracoden des Badenium (Mittel-Miozän) in Österreich unter besonderer Berücksichtigung der von REUSS (1850) beschriebenen Arten" zeigen eindeutig, daß die etablierten Ostracoden-Biozonierungen aufgrund der starken ökologischen Abhängigkeit der Ostracodenvorkommen und des geringen Kenntnisstandes der Verbreitung der einzelnen Arten höchstens lokale ökostratigraphische Bedeutung haben. Eine gesicherte biostratigraphische Einstufung von Gesteinsproben ist zur Zeit nur in Verbindung mit anderen Organismengruppen (z.B. Foraminiferen) möglich. Im gegenständlichen Projekt wurden fossile Ostracoden (= Muschelkrebse) des mittleren Miozän (Badenium, ca. 16,4-13 Mio. Jahre) in Österreich mikropaläontologisch bearbeitet. Die meist um die 1 mm großen Fossilien stammen aus mergeligen Zwischenlagen des sogenannten Leithakalkes und tonig-sandigen Sedimenten (z.B. Badener Tegel), die Rand- und Beckenablagerungen des damals sich auch auf das Gebiet von Österreich erstreckenden Meeres der Paratethys darstellen. Die untersuchten Proben stammen einerseits aus Sammlungsbeständen wie die Ostracoden-Sammlung A. E. REUSS am Naturhistorischen Museum in Wien und andererseits von im Rahmen des Projektes durchgeführten Geländearbeiten. Es wurden die Bereiche der Niederösterreichischen Molassezone, des Wiener Beckens (inkl. angrenzender Nebenbecken), des Steirischen Beckens und des kärntner Lavanttales berücksichtigt und decken somit geographisch das Verbreitungsgebiet des Badenium in Österreich ab. Die Proben wurden vor der wissenschaftlichen Bearbeitung chemisch aufbereitet, über Siebe fraktioniert gewaschen (geschlämmt), anschließend getrocknet und die Ostracoden unter dem Binokular ausgelesen. Dann erfolgte die Sortierung und Bestimmung der Arten. Es konnten ca. 100 badenische Arten unterschieden werden. Ein Großteil der Arten wurde am Elektronenmikroskop hinsichtlich von Feinstrukturen untersucht und zum Zwecke der Dokumentation fotografiert und anschließend beschrieben. Durch die systematisch-taxonomische Revision der von REUSS im Jahr 1850 beschriebenen Arten ergibt sich die Möglichkeit, die bisherigen Vorkommen unter den jeweiligen Artnamen mit den vorliegenden Neuabbildungen und -beschreibungen zu vergleichen und die paläobiogeographische und stratigraphische Verbreitung zu genauer zu klären. Neben der systematischen und paläoökologischen Bearbeitung war das Hauptziel des Projektes die biostratigraphische Auswertung der Ostracoden. Da die beprobten Lokalitäten durch Foraminiferen (schalenbildende Einzeller) biostratigraphisch eingestuft waren, konnte untersucht werden, welche stratigraphische Verbreitung die einzelnen Ostracodenarten innerhalb des Badenium aufweisen. Ein Großteil der gefundenen Arten ist in Österreich innerhalb größerer Zeiträume verbreitet als bisher angenommen und z.T. im gesamten Badenium verbreitet. Es konnte festgestellt werden, daß die bestehenden 4 etablierten Ostracodenbiozonen für die Untergliederung des Badenium in der Zentralen Paratethys auf die österreichischen Vorkommen nur zum Teil angewendet werden können, da bisher nur wenig Zonenleitfossilien nachgewiesen werden konnten und diese sehr selten vorkommen. Grund dafür ist die starke ökologische Abhängigkeit des Vorkommens von Ostracodenarten. Die Ergebnisse dieses Projektes sind über die lokale Bedeutung für die geologische Landesaufnahme, Auswertung von Erdöl- und Wasserbohrungen und stratigraphische Korrelation verschiedener Ablagerungsräume hinaus von europäischer, wenn nicht sogar weltweiter Relevanz, nachdem einige der von REUSS beschriebenen Arten auch außerhalb Europas dokumentiert worden sind.
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