Illuminierte Handschriften aus Österreich und Deutschland 1350-1410
Illuminierte Handschriften aus Österreich und Deutschland 1350-1410
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
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Gotische Buchmalerei Illuminierte Handschriften Österreichische Nationalbibl. 1350 - 1410,
1350 - 1410,
Gotische Buchmalerei,
Illuminierte Handsch,
Österreichische Nati
Die handgeschriebenen Bücher des Mittelalters überliefern uns mit ihren Illustrationen einen Bilderschatz, der unser Wissen um die Malkunst der Romanik und Gotik beträchtlich erweitert. Anders als die oft beschädigten oder durch Restaurierung verfälschten Fresken, Bildfenster und Tafelbilder aus diesen frühen Jahrhunderten sind Buchmalereien in der Regel vorzüglich erhalten. Innerhalb der Codices waren sie geschützt vor den Einflüssen des Lichtes und der Witterung; in Bibliotheken behütet, blieben sie meistens auch dem Zugriff von Bilderstürmern entzogen. Diese sorgsame Verwahrung hatte allerdings auch den Nachteil, daß die Werke der Buchmalerei von der Kunstgeschichte zunächst weniger beachtet wurden als die in Kirchen oder Museen besser zugänglichen Werke der Monumental- und Tafelmalerei. Um diese Lücke in unserem Wissen zu schließen, hat man in Österreich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts begonnen, die illuminierten Handschriften aller öffentlichen und Klosterbibliotheken zu publizieren. Die besonders zahlreichen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek werden seit 1923 katalogisiert. In den Jahren bis 1938 und von 1972 bis 1990 ist eine stattliche Anzahl von Bänden erschienen, mit denen die romanischen Handschriften aus ganz Europa, die byzantinischen und orientalischen Handschriften sowie die gotischen Handschriften aus Frankreich, Italien und den Niederlanden vorgestellt wurden. Nur der (in Wien naturgemäß besonders umfangreiche) Bestand an gotischen Handschriften aus dem deutschsprachigen Gebiet und aus den Ländern des östlichen Mitteleuropa blieb zunächst ausgespart. Seit dem Jahr 1989 finanziert der FWF die Bearbeitung dieses Bestandes; der Band "Mitteleuropäische Schulen I. 1250-1350" ist 1997 erschienen. Mit dem gegenwärtigen Projekt konnte der Folgeband im Manuskript fertig gestellt und zum Druck eingereicht werden. "Mitteleuropäische Schulen II" stellt 212 Handschriften vor, die zwischen 1350 und 1410 in den deutschsprachigen Gebieten Mitteleuropas entstanden sind. Rund drei Viertel dieser Codices sind österreichischer Herkunft, darunter die Hauptwerke jener Wiener Illuminatoren, die für den österreichischen Herzogshof tätig waren. Beschrieben werden in diesem Band u.a. auch vier reich illustrierte "Weltchroniken" sowie das älteste erhaltene Exemplar des "Elsässischen Troja-Romans". Ein Teil der katalogisierten Handschriften enthält zwar keine figürlichen Malereien, dafür aber Initialbuchstaben, die kunstvoll mit einem für die Gotik typischen Linienornament, dem sogenannten "Fleuronnée", verziert sind. Hier gelang es, die Produktion von zwei viel beschäftigten Wiener Buchmalereiwerkstätten genauer einzugrenzen. Andere Handschriften konnten mittels Stilanalyse datiert und bestimmten deutschen Kunstlandschaften zugeordnet werden. Den größten Gewinn aus diesem Katalogisierungsprojekt zieht naturgemäß die Kunstgeschichte, für die ein bisher unbekanntes Material erschlossen wird. Daneben profitieren aber auch andere wissenschaftliche Disziplinen von dieser Publikation - so vor allem die Germanistik, die allgemeine und die Kirchengeschichte sowie die Realienkunde des Mittelalters, der die Illustrationen der Ritterromane und Weltchroniken ein reiches Anschauungsmaterial für Kostüm- und Gerätekunde liefern.
- Universität Wien - 100%
- Michaela Krieger, assoziierte:r Forschungspartner:in