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Jüdische Frauen im Mittelalter

Jewish woman in the Middle ages

Klaus Lohrmann (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P12543
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.02.1998
  • Projektende 31.01.2001
  • Bewilligungssumme 50.944 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)

Keywords

    JUDENTUM, FRAUEN, MITTELALTER, ÖSTERREICH, GESCHICHTE, VERGLEICH: CHRISTINNEN-JÜDINNEN

Endbericht

In den letzten fünfzehn Jahren wurden die Methoden der Gender Studies, vor allem in den USA, auch auf die Erforschung der jüdischen Geschichte übertragen. Im deutschsprachigen Raum ist der Themenkomplex noch weitgehend vernachlässigt, was auch an der erforderlichen Fähigkeit liegt, mittelalterliche hebräische Quellen lesen und interpretieren zu können. Daher stellt das dreijährige Forschungsprojekt zur jüdischen Frau im Mittelalter eine eher seltene Kombination von jüdischer und Geschlechtergeschichte dar. Geographischer Schwerpunkt war Österreich mit den angrenzenden deutschen, ungarischen, böhmischen und mährischen Gebieten. Aus bisheriger Kenntnis der Quellen stelle ich die These auf, daß, negativ reziprok zur verbesserten Rechtsstellung infolge ihrer Geschäftstätigkeit, eine zunehmende Ausgrenzung der Frau aus Synagoge, Gottesdienst und Riten erfolgte. Diese These ist der Ausgangspunkt für die geplante Habilitationsarbeit "Namhaft im Geschäft - unsichtbar in der Synagoge. Jüdische Frauen im Spätmittelalter. Aus dem Urkundenmaterial in österreichischen Archiven läßt sich schließen, daß etwa ein Viertel der jüdischen Darlehensgeschäfte von Frauen durchgeführt wurde. Bis auf wenige Ausnahmen von weiblichen "Spitzenbankiers" lagen die Darlehenssummen jedoch etwa ein Drittel unter dem der Männer. Voraussetzung für die Geschäftstätigkeit und Rechtssicherheit dieser Geschäfte war die Besitz- und Rechtsfähigkeit sowie Mobilität der Frau. In der Folge traten jüdische Frauen mit allen Schichten der christlichen Umwelt in Kontakt, von Adeligen bis Prostituierten. Die Rabbiner mußten auf diese Aktivität reagieren und ebenso wie die christlichen Obrigkei-ten der Frau Zugang zum Gericht als Klägerin und Zeugin sowie zur Eidesleistung ermöglichen. Als Gegenreaktion - so meine Annahme - wurden Frauen sukzessive buchstäblich aus dem Synagogenraum, dem öffentlich-religiösen Raum schlechthin, gedrängt. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts an lassen sich im genauen Vergleich von Bräuchen und Rechtsgutachten Ausgrenzungsprozesse im Gottesdienst, Gemeindegebet und bei Ritualen, z. B. der Beschneidung, sehen. Gemeindeämter waren Frauen ohnehin nie zugänglich. Trotz Ausschluß von Unterricht und Gelehrsamkeit findet man aber in den Oberschichtfamilien äußerst gebildete Frauen, deren Urteil in halachischen Fragen von Rabbinern durchaus geschätzt und rezipiert wurde. Auch brachten einige Frauen zumindest die für das Geschäftsleben nötigen Lese- und Schreibkenntnisse mit. Der Vergleich mit ähnlichen Prozessen im christlichen Bereich zeigt, wie eng jüdische und christliche Lebenswelten miteinander verflochten waren und wie groß der gegenseitige, meist unbewußte und von den Zeitgenossen nicht wahrgenommene, Einfluß war - ein Phänomen der "Binnenakkulturation", das nicht nur für die Geschichte der Frau beobachtet werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Institut für jüdische Geschichte Österreichs - 100%

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