Testing the optimal foraging theory
Testing the optimal foraging theory
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
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OPTIMAL FORAGING THEORY,
ORB WEB-WEAVING SPIDERS,
PREY CAPTURE,
WEB STRUCTURE,
HABITAT SELECTION
Die Optimalitätstheorie geht von einem maximalen Nutzen bei minimalem Energieaufwand aus. Bei Radnetzspinnen (Araneidae) erfordert dies unter anderem die Wahl eines beutereichen Habitates, eine effiziente Nahrungserwerbsstrategie sowie die Erkennung und Vermeidung potentieller Gefahren. Larinioides sclopetarius ist eine nachtaktive Radnetzspinne, die sich mit beleuchteten Brückengeländern, an denen Sie ihre Netze bevorzugt anbringt, einen besonders beutereichen Lebensraum erschlossen hat, da Fluginsekten in Wassernähe in hohen Dichten auftreten und vom künstlichen Licht angezogen werden. L. sclopetarius sucht diese Standorte aktiv auf, ein Verhalten, das genetisch determiniert ist. Darüber hinaus passen diese Spinnen ihre Aktivitätszeiten an jene der potentiellen Beutetiere an. D.h., sie können Beutedichte beurteilen und adäquat reagieren. Die Präferenz künstlich beleuchteter Standorte hat Vor- und Nachteile. Der Ernährungszustand dieser Spinnen ist besser als der ihrer Artgenossen in unbeleuchteten Habitaten. Die Weibchen sind grösser und legen grössere Eier, was sich positiv auf die Nachkommenschaft auswirkt. Dies führt allerdings zu hohen Spinnendichten nahe dem Licht und somit zu verstärkter Raumkonkurrenz. Grosse Spinnen können sich an "guten" Standorten behaupten, während konkurrenzschwächere Individuen an beuteärmere, unbeleuchteten Habitate abgedrängt werden. Entsprechend der Optimalitätstheorie stellt L. sclopetarius Kosten-Nutzen-Rechnungen an: schwächere Individuen sind eher bereit, das Risiko einer intraspezifischen Konfrontation einzugehen, um ihren Standort zu verteidigen oder ein fremdes Netz zu erobern. Weiters sind "hungrige" Spinnen bei der Beutewahl weniger selektiv. Sie sind eher bereit, grosse, potentiell gefährliche, und kleine, unprofitable Beute zu attackieren, die von "satteren" Artgenossen ignoriert wird. Um auf variable Bedingungen reagieren zu können, müssen Spinnen diese erkennen und ihr Verhalten anpassen. Sind L. sclopetarius mit starkem Wind konfrontiert, der sie vom Netz verdriften könnte, so richten sie das Dorsum gegen den Wind und bringen sich damit in eine stabilere Position im Netz. Sie nehmen also Wind nicht nur als Gefahr wahr und entziehen sich dieser durch Flucht, sondern sie reagieren durch einen adäquaten und komplexen Positionswechsel im Radnetz. Das Radnetz ist üblicherweise vertikal ausgerichtet und asymmetrisch. D.h., der Bereich oberhalb der Nabe ist kleinflächiger als der untere. Da die Spinne bei der Jagd mit dem Vorderkörper nach unten in der Nabe hängt und gravitationsbedingt nach unten schneller ist, ist diese Asymmetrie des Netzes von Vorteil und bedingt einen höheren Fangerfolg. Der Grad an Asymmetrie steigt bei L. sclopetarius mit zunehmendem Gewicht, zunehmender Grösse und mit dem Erfahrungsgrad. Die Netze erfahrener Spinnen weisen eine höhere Asymmetrie auf als jene gleichaltriger unerfahrener Individuen. Damit konnte erstmals nachgewiesen werden, dass Langzeiterfahrung das Verhalten von Spinnen beeinflußt. Darüber hinaus spielt Kurzzeiterfahrung eine wichtige Rolle: L. sclopetarius ist nicht nur in der Lage, Netzparameter wie Maschenweite, Netzgrösse, etc. individuell zu variieren, sondern auch den Fangerfolg aufgrund kürzlich gemachter Erfahrungen in einzelnen Netzbereichen zu beurteilen und diese optimal zu variieren. Beim Beutefang sitzt L. sclopetarius entweder in der Nabe des Netzes, wo sie Gefahren ausgesetzt ist, aber Beute schnell erreicht, oder in einem geschützten Schlupfwinkel oberhalb des Netzes. Sobald ein Insekt im Netz landet, geht die Spinne zur Nabe und lokalisiert die Vibrationen der Beute, bevor eine Attacke erfolgt. Wird die Lage des Schlupfwinkel manipulativ nach unten verlagert, geht die Flexibilität von L. sclopetarius so weit, dass sie Netze mit völlig untypischer Asymmetrie konstruiert und dadurch die Strecke zwischen Nabe und Schlupfwinkel möglichst gering hält. Damit ist sie in der Lage, Beute schneller zu erreichen und im Falle einer Gefahr rasch zu entkommen.
- Universität Wien - 100%