Kleininschriften der Austria Romana - Teil IV: Osttirol, Niederösterreich und Steiermark
Roman Inscriptions from Austria - Part IV
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (90%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
-
RÖMERZEITLICHE INSCHRIFTEN,
AUSTRIA ROMANA,
RÖMERZEITLICHE KLEINFUNDE,
RITZINSCHRIFTEN,
INSTRUMENTUM DOMESTICUM,
STEMPELINSCHRIFTEN
Mit Hilfe der archäologischen Forschung hat sich das römerzeitliche Fundmaterial und damit die Kenntnis des Römischen Österreich stetig vermehren lassen. Die Gruppe der beschrifteten Kleinfunde spielt dabei eine besondere Rolle. In zunehmendem Maße werden sie für wirtschafts- und kulturhistorische Fragestellungen herangezogen. Daneben treten immer wieder Stücke zutage, denen ein hoher Aussagewert zu Fragen der Verwaltungs- und Militärgeschichte der Provinz zukommt (s. u. Literatur). Eine systematische Erforschung und Auswertung dieser wichtigen Quellengruppe wird dadurch erschwert, daß ein großer Teil des Gesamtmaterials unveröffentlicht ist und ein anderer Teil an verhältnismäßig entlegener Stelle - nicht selten im Zusammenhang mit der Vorlage des archäologischen Fundmaterials - publiziert ist. Zwar haben sog. reproduzierte Inschriften wie Stempel auf Terra Sigillata-Gefäßen, Amphoren, Reibschalen etc. von jeher besondere Beachtung gefunden, doch steht eine überregionale Materialsammlung bisher aus. So ist es derzeit meist nur mit großem Aufwand möglich, in Erfahrung zu bringen, ob zu gewissen Inschriften oder Stempeln schon Parallelen in Österreich existieren oder nicht. Anfragen von Fachkollegen zeigen, wie nutzbringend eine auf Vollständigkeit ausgerichtete Materialvorlage dieser Art wäre. Um diese Forschungslücke zu schließen, wurden von M. Hainzmann seit 1987 drei Projekte initiiert, die der FWF finanzierte, und die eine Aufnahme der Museumsbestände an Kleininschriften in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg ermöglichten. Für einen sinnvollen Abschluß des Gesamtprojektes ist es notwendig, die noch ausständigen Österreichischen Gebietsteile an der Provinz Noricum in den Bundesländern Tirol, Steiermark und Niederösterreich bestandsmäßig zu erfassen und sie sowohl im Internet als auch in der Publikationsreihe TENOR (Testimonia Epigraphica Norica) der Forschung zugänglich zu machen. Vorarbeiten dazu wurden schon getätigt.
Zweck des Langzeitprojekts ist die Erstellung einer Datenbank aller römerzeitlichen Kleininschriften aus der Provinz Noricum, von denen bisher mehr als 12.000 gesammelt worden sind. Im Mittelpunkt des Projekts standen Instrumenta inscripta aller Art aus dem Bundesländern (Ost-)Tirol, Steiermark und Niederösterreich (norischer Anteil), wobei sich die Projektarbeit in drei Arbeitsschritte gliederte: Der aufwendigste Schritt war die Suche und Aufnahme der betreffenden Stücke in den musealen Sammlungen per Autopsie. Tausende Stücke waren in den letzten Jahrzehnten bei Ausgrabungen in den römischen Städten Aguntum, Cetium und Solva gefunden worden. Die Kleininschriften sind auf A5-Karteikarten dokumentiert, mit Angaben zu Fund- und Verwahrort, zu Publikation und Datierung, zur typologischen Ansprache und Herkunft des Instrumentums und zur Transkription der Inschrift, außerdem Zeichnungen, Abreibungen oder Fotos. Diese Daten werden computergestützt als ASCII-Dateien gespeichert und auszugsweise in Buchform oder als on-line-Version veröffentlicht. Eine Frucht der Projektarbeit sind drei weitere Bände der TENOR-Reihe (herausgegeben von Manfred Hainzmann) betreffend die Kleininschriften in den Museen von Enns und Wels (erschienen im Jahr 2000) und den epigraphischen (KWIC-) Gesamtindex zu Oberösterreich (im Druck, erscheint Ende 2002, zusammen mit einer CD). An einer neuen Projekt-Homepage wird derzeit gearbeitet. Die meisten Kleininschriften sind Töpferstempel auf Handelsgütern, die im Zeitraum zwischen der Mitte des 1.Jh. n.Chr. und der Mitte des 3.Jh. importiert wurden, z. B. Terra Sigillata aus Italien (Arezzo, Po-Gebiet), Gallien (La Graufesenque, Lezoux) und Germanien (Rheinzabern), Amphoren (vielfach aus Istrien), Reibschüsseln und Firmalampen, hauptsächlich aus Italien. Viele nach dem Brennen angebrachte Gefäßgraffiti können als Besitzmarkierungen in Form von Personennamen oder X-förmigen Zeichen gedeutet werden. Aus dem Raum Solva stammen einige Stücke aus lokaler Keramikproduktion mit Töpfermarken (auf Deckeln und Fußlappen von Dreifußschüsseln), wie sie auch von anderen Orten im südlichen Noricum bekannt sind. In Solva existieren auch zahlreiche Vorratsgefäße mit Töpfermarken und mehrere Webgewichte mit ungedeuteten Graffiti. Hier und in anderen Fällen scheint es regionale oder zeitlich abgegrenzte Verbreitungsmuster zu geben.
- Universität Graz - 100%