Ephesos, Projekt Agora, Aufarbeitung des keramischen Fundmaterials der spätgeometrischen bis hellenistischen Zeit der Grabunsjahre 1987 bis 1997
Ephesus, Agora-excavation, Pottery of greek periods
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE,
EPHESOS,
KERAMIKFORSCHUNG,
GRIECHISCHE EPOCHE
Unter dem Westteil der Handelsagora im Herzen des römischen Ephesos wurden 1987 - 1996 Teile einer Dorfsiedlung namens Smyrna erforscht, die, angelegt im späten 8. Jh. v.Chr., bei der Verlegung der Stadt zu Beginn des 3. Jh. v.Chr. aufgegeben wurde, da die Agora an dieser Stelle entstand. Der Förderungsantrag bezieht sich auf die wissenschaftliche Auswertung des Fundmaterials, um die stratigraphisch-chronologische Bewertung der einzelnen Bauphasen von Dorfsiedlung und Agoraanlage vornehmen zu können, andererseits stellt die Keramik einen wesentlichen Teil antiker Sachkultur dar und dient als Indikator wirtschaftlicher Verhältnisse. Herkunftsbestimmungen beleuchten darüber hinaus Handelsverbindungen der griechisch-hellenistischen Antike im ägäischen und westanatolischen Raum. Die archaische Siedlung weist sechs Bauphasen auf, nach ovalen und rechteckigen Einraumhäusern entstanden spätestens im frühen 6. Jh. komplizierte Grundrisse, deren Erforschung wesentlich für die Entwicklungsgeschichte des griechischen Wohnbaues und Siedlungswesens beitragen kann. Vom 6. bis zum 4. Jh. diente das Gebiet teilweise als Handwerkerquartier, u.a. wurde ein Töpferofen freigelegt. Erstmals in Ephesos ist es nun möglich, archaische und klassische Keramik aus einem Siedlungsverband zu untersuchen und dem Typenspektrum des überregionalen Heiligtums, des Artemisions, gegenüberzustellen. Es handelt sich dabei um Importe aus Korinth, Athen, westkleinasiatischen Städten und aus dem nordgriechischen Raum, aber auch lokal erzeugte Ware. Die Ausgrabungen haben auch wesentliche Teile der hellenistischen Vorgängeranlagen der Tetragonos Agora freigelegt. Vom 3. bis zum 2. Jh. v.Chr. folgten einander vier Hauptbauphasen, deren Baugeschichte detailliert untersucht und publiziert werden soll. In augusteischer Zeit erfolgte dann ein Neubau mit wesentlicher Vergrößerung der Agora auf etwa zwei Meter höherem Niveau. Für die Generalpublikation der hellenistischen Funde wird aus Gründen der Rationalität eine Mischung aus fundkontextbezogener und typenspezifischer Aufarbeitung angestrebt, deren Ergebnisse durch den Projektleiter und die einzelnen Sachbearbeiter zueinander in Relation gestellt werden, so daß die Gesamtinformation der stratigraphischen Einheit allen zur Verfügung steht. Münzen, Amphoren, Lampen und Terrakotten sollen als gattungsspezifische Publikationen epochenübergreifend vorgelegt werden. Die Vorlage der Lampen soll dabei als Dissertation eine Neubewertung der kleinasiatischen und speziell ephesischen Lampenproduktion aus stratigraphisch gesichertem Zusammenhang heraus ermöglichen. Das übrige keramische Fundmaterial, Tafelgeschirr und Küchenware, soll in Fundvergesellschaftungen (nach den einzelnen Befunden und Straten getrennt) bearbeitet werden. Im Anschluß daran lassen sich daraus typologische Entwicklungslinien, lokale Produktion und Handelsverbindungen nachzeichnen.
- Universität Wien - 100%
- Fritz Krinzinger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in