Wahrnehmung von Dehnungsreizen im Rektum während elektrischer Hautstimulation
Assessment of the influence of dermatomal stimulation of the perception of rectal distension in healthy subjects with the irritable bowel syndrom
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (40%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (60%)
Keywords
-
RECTAL TONE,
IRRITABLE BOWEL SYNDROM,
SPATIAL SUMMATION,
RECTAL HYPERSENSITIVITY,
RECTAL SENSATION,
ELECTROACUPUNCTURE
Forschungsprojekt P 13515Wahrnehmung von Dehnungsreizen im Rektum während elektischer HautstimulationJohann HAMMER28.06.1999 Dehnung des Darmes mit einem Ballon verursacht Wahrnehmungen, die mit zunehmender Dehnung an Intensität zunehmen. Z.B. verursacht die Dehnung des Mastdarmes mit einem Ballon das Gefühl von Gas im Mastdarm; bei zunehmender Dehnung kommt es zum GefühI von Stuhl und, bei weiterer Zunahme der Dehnung, von heftigem Stuhldrang. Die Mechanostimulation des Darmes mit gleichzeitiger Beurteilung von Symptomen und der Dehnbarkeit der Darmwand gewinnt immer mehr an Bedeutung in der Untersuchung von Patienten mit Magen/Darm-Beschwerden, wie beispielsweise Patienten mit dem irritablen Darmsyndrom (IBS). Bei bis zu 94% der Patienten mit IBS kann eine Reduktion der Akzeptanz gegenüber Dehnung des Mastdarms festgestellt werden. Die Ursache dafür ist derzeit unbekannt, allerdings konnte gezeigt werden, daß zentrale Mechanismen der Wahrnehmungsverarbeitung bei Patienten mit IBS verändert sind. Im vorliegenden Projekt soll die Rolle eines zentralen Mechanismus` der Wahrnehmung, sog. `räumliche Summation`, für die Wahrnehmung von Dehnungsreizen im Mastdarm bei Gesunden und bei Patienten mit IBS untersucht werden. Räumliche Summation spielt sowohl bei Reizwahrnehmungen auf der Haut als auch im Dünndarm eine Rolle. Weiters soll im Rahmen des Projektes geklärt werden, ob Stimulation von Hautpunkten mittels Elektroakupunktur die Wahrnehmung von Dehnungsreizen im Rektum und räumliche Summation bei Gesunden und Patienten mit IBS verändert. Ein elektronischer Barostat erlaubt, den Tonus des Mastdarm zu messen und Dehnung der Mastdarmwand mit zwei verschiedenen Ballongrößen durchzuführen. Das Füllungsvolumen und der Druck in den Ballonen zum Zeitpunkt, wenn sie wahrgenommen werden, wird gemessen. Die Messungen erfolgen unter Basisbedingungen und während wirklicher und Placebo-Electroakupunktur. Diese Studie läßt neue Erkenntnisse über die Neurophysiologie des Mastdarms erwarten. Weiters werden bisher nicht näher untersuchte Aspekte der Pathophysiologie des irritablen Darmsyndroms geklärt werden können. Auch wird die Rolle der Elektroakupunktur in der Therapie des irritablen Darmsyndroms untersucht.
Akupunktur bei Patienten mit Reizdarmsyndrom erhöht die Wahrnehmungsschwelle von Dehnungen im Darm, wie sie durch Darmgas oder einen Ballon, der zu Untersuchungszwecken in den Darm eingeführt werden kann, auftreten können. Nahezu die Hälfte aller Patienten, die wegen Darmbeschwerden zum Arzt gehen, leiden an sogenannten funktionellen Darmerkrankungen, deren häufigster Vertreter das irritable Darmsyndrom oder Reizdarmsyndrom darstellt. Es ist charakterisiert durch Bauchschmerzen in Verbindung mit Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall oder Verstopfung. Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt, organische Erkrankungen liegen auf jeden Fall nicht vor. Es ist allerdings bekannt, dass die Darmsensibilität erhöht ist, dass also eine Dehnung des Darmes - zum Beispiel durch Darmgas oder einen Ballon, der zu Untersuchungszwecken in den Darm eingeführt werden kann - stärkere Beschwerden hervorruft als bei gesunden Personen. Die Behandlung des Reizdarmsyndrom ist vielfältig, generell jedoch nicht zufriedenstellend. Akupunktur wird von vielen Patienten als nützlich empfunden aber auch von vielen Ärzten empfohlen, obwohl keine harten wissenschaftliche Daten vorliegen. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob Elektroakupunktur eine Verbesserung der Schmerzschwelle im Mastdarm erreichen kann. Wir verglichen daher einerseits Elektroakupunktur mit Plazebo-Akupunktur, bei der die Haut nur gekratzt wurde, die Nadeln jedoch die Hautschichten nicht durchdrangen, andererseits mit einem Protokoll, wo keine Akupunktur erfolgte. Während sich Elektroakupunktur und Plazebo sowohl im Bezug auf die Wahrnehmung im Mastdarm - das sind subjektive Parameter - als auch im Bezug auf objektive Parameter wie die Dehnbarkeit der Mastdarmmuskulatur nicht unterschieden, erhöhten beide Akupunkturverfahren` die Wahrnehmungsschwelle im Vergleich zum Protokoll, in dem keine Akupunktur angeboten wurde. Im Gegensatz dazu wurden objektive Parameter durch Elektro- und Plazebo-Akupunktur nicht verändert. Dieses Forschungsergebnis kann die subjektiv wahrgenommene Verbesserung mancher Beschwerden beim Reizdarmsyndrom durch Akupunktur erklären, obwohl objektiv messbare Veränderungen nicht stattfinden.
Research Output
- 34 Zitationen
- 1 Publikationen
-
2004
Titel Acupuncture has a Placebo Effect on Rectal Perception but not on Distensibility and Spatial Summation: A Study in Health and IBS DOI 10.1111/j.1572-0241.2004.30028.x Typ Journal Article Autor Rohrböck R Journal The American Journal of Gastroenterology