Konkrete Dichtung und Mimesis. Dargestellt anhand des literarischen und verlegerischen Werks von Heimrad Bäcker
Concrete Poetry and Mimesis
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (65%)
Keywords
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ÖST. LITERATUR NACH 1945,
BÄCKER HEIMRAD,
KONKRETE DICHTUNG,
ÖSTERREICHISCHE NACHLÄSSE,
MIMESIS,
EXPERIMENTELLE LITERATUR
Forschungsprojekt P 13612Konkrete Dichtung und MimesisKlaus KASTBERGER28.06.1999 Konkrete Dichtung und Mimesis erschienen bis vor kurzem im Wissenschaftsdiskurs; als isolierte bzw. einander ausschließende Begriffe. Das Moment des Mimetischen wurde gar als konstitutive Negativdefinition der "Konkreten/Konzeptionellen Dichtung" herangezogen, etwa von S. J. Schmidt: "Konkrete Kunst, in welchem Medium auch immer sie verwirklicht wird, ist eine nicht-mimetische, generative Kunst, die die sinnliche Wahrnehmung der sichtbaren Wirklichkeit [...] aufhebt und sich auf die Thematisierung ihrer künstlerischen Mittel selbst konzentriert." Vor diesem Hintergrund soll die konkrete Dichtung, wie sie sich im dichterischen und editorischen Werk von Heimrad Bäcker präsentiert, eine Neubewertung ihres ästhetischen und erkenntnistheoretischen Potentials erfahren. Darüber hinaus soll ein aktuelles und reformuliertes Konzept von Mimesis mit der konkreten Poesie in Beziehung gesetzt werden. Mit "Repräsentation", "imitatio" und "Nachahmung" ist die Begriffsextension von Mimesis nur unzureichend bestimmt. Entgegen der Vorstellung von sinnlicher Nachahmung betont Walter Benjamin die Bedeutung der Sprache für die Mimesis: Sprache als die "höchste Stufe des mimetischen Verhaltens und das vollkommenste Archiv der unsinnlichen Ähnlichkeit". Damit verortet er Mimesis auf der Ebene der sprachlichen Medialität, mithin auf jener Ebene, die in Schmidts Definition den nucleus der konkreten Dichtung ausmacht. Projektziele: I) Sichtung, Ordnung, Erschließung und Archivierung des Vorlasses des Dichters und Verlegers Heimrad Bäcker. Die Vorlaßbearbeitung in Zusammenarbeit mit dem Vorlasser garantiert eine möglichst authentische archivarische Sicherung und qualitative Auswertung dieses Bestandes. II) Qualitative Sichtung und Auswertung des archivierten Materials als monographische literaturwissenschaftliche Studie zu Bäckers literarischem Werk "nachschrift" und zur konkreten Poesie, mit der auddrücklichen Gewichtung auf der kritischen Präsentation eines innovatorischen Konzepts von Mimesis. Die Innovation des Projekts liegt in der Anwendung dieser beiden in der Forschung als einander auschließend betrachteter Bereiche aufeinander. Das Projekt knüpft inhaltlich und methodologisch an die FWF-Projekte "Österreichische Nachlässe" und "Literaturwissenschaffliche Aufarbeitung des Friederike-Mayröcker-Vorlasses" an. Wie in diesen beiden Projekten ist es auch im gegenständlichen Fall um die Erschließung und die literaturwissenschaftliche Auswertung eines für die österreichische Literatur essentiellen Materialienbestandes zu tun. Dies kommt der archivarischen Pflege der österreichischen Literatur zugute und stellt für die Literaturwissenschaft die Weiterverfolgung eines innovativen philologischen Ansatzes dar.
- Wendelin Schmidt-Dengler, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in