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Der Zivilisationswortschatz im südosteuropäischen Raum 1840-1870:: Herrschaft und Staat. - Bulgarien.

Vocabulary of Civilization in Bulgaria: Rule and State

Heinz Miklas (ORCID: 0000-0003-3873-7705)
  • Grant-DOI 10.55776/P13630
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2000
  • Projektende 31.12.2003
  • Bewilligungssumme 76.572 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    BULGARIEN, ZIVILISATION, SÜDOSTEUROPA, SPRACHAUSBAU, WORTSCHATZ, PRESSE

Abstract Endbericht

Im Entwicklungsprozeß von Standardsprachen ist als Regel der Wortschatz besonders gravierenden Veränderungen ausgesetzt. Zu den hier zu beobachtenden Erscheinungen gehört der Ausbau jenes Wortschatzbereiches, der mit der Einbindung der jeweiligen Sprachgemeinschaft in eine überregionale Zivilisationssphäre einhergeht. Der Umfang sowie die Art und Weise dieses Ausbaus wird bestimmt durch eine Fülle von äußeren und inneren Faktoren und erfolgt je nach Sprache verschieden, obwohl quer durch die Sprachenvielfalt und Zeit durchaus mehr und minder typische Muster und Mechanismen feststellbar sind. Das Projekt ist selbständiger Teil eines Bündelprojekts, das sich erstnals in breitem Maße und vergleichend die Erfassung und Deutung des Zivilisationswortschatzes und der mit seiner Ausbildung verknüpften Prozesse zum Ziel setzt, und zwar am Objekt der südosteuropäischen Standardsprachen Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Bulgarisch, Rumänisch, Griechisch und Osmanisch-Türkisch. In einer dreijährigen Pilotphase soll aus dem Gesamt des Zivilisationswortschatzes die Entwicklung der thematischen Kernbereiche Herrschaft und Staat im Zeitraum 1840-1870 untersucht werden. Untersuchungskorpora bilden Periodika (hier: Carigradski vestnik, Konstantinopel 1848-62), ergänzt durch ausgewählte Einzeltexte (hier: Erlässe und Statuten). Aus der vergleichenden Analyse, zu erwarten sind allgemeine und arealspezifische Erkenntnisse über die innere und äußere Geschichte der Genese und Weiterentwicklung von Standardsprachen sowie kulturhistorische Einsichten zur Sprachenpolitik und -pflege. In der bulgarischen Entwicklung des zu analysierenden Wortschatzbereichs umfaßt der gewählte Zeitraum im wesentlichen die Modernisierungsperiode der Tanzimat bis zur Teilbefreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft im Jahre 1878. Wie bisherige Voruntersuchungen zeigen, ist diese erste Ausbauphase durch einen besonders dynamischen und kamplexen Charakter gekennzeichnet.

Die vorgestellte Arbeit ist selbständiger Teil eines Bündelprojekts, das erstmals in breitem Maße und vergleichend der Erfassung und Deutung des Zivilisationswortschatzes und der mit seiner Ausbildung verknüpften Prozesse nachgeht, und zwar am Objekt der südosteuropäischen Standardsprachen Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Bulgarisch, Rumänisch, Griechisch und Osmanisch-Türkisch. Aufgrund ihrer Vielfalt sowie der Zugehörigkeit ihrer Träger zu verschiedenen politischen und konfessionellen Gemeinschaften bietet diese Sprachenlandschaft hierfür hervorragende Voraussetzungen. Besondere Aktualität gewann die Sprachpolitik und -pflege dieses Raums durch die seit 1989 eingetretenen politischen Veränderungen. In einer dreijährigen Pilotphase wurde aus dem Gesamt des Zivilisationswortschatzes die Entwicklung der thematischen Kernbereiche Staat und Herrschaft untersucht. Das bulgarische Untersuchungskorpus bilden zunächst ausgewählte Zeitungsartikel. Hier fiel aus der Zahl der im Richtzeitraum 1840-70 erschienenen Periodika die Wahl auf den nach Bedeutung und Vielfalt herausragenden Konstantinopler Boten (Carigradski vestnik), der in den Jahren 1848-62 wöchentlich erschien und als erstes offizielles Organ der bulgarischen Sprachpflege fungierte. Ergänzt wurde diese Ausgangsbasis durch thematisch einschlägige Übersetzungen von Verordnungen und Gesetzen der osmanischen Regierung, bulgarische Originaldokumente (Statuten von Vereinen und anderen Institutionen) und den ersten Verfassungstext (Tarnovo 1879), der auch als Grundlage für die Festlegung eines vergleichenden Lexikons übergeordneter Begriffe diente. Das einst mächtige Bulgarien hörte mit der Eroberung durch die Osmanen 1393-96 auf zu existieren. Obwohl die Formierung der neubulgarischen Standardsprache erst nach der Wiedererlangung der kirchlichen (1870/72) und staatlichen Selbständigkeit (1878-1908) Bulgariens zu einem ersten Abschluß gelangt, werden die wichtigsten Grundlagen noch während seiner Zugehörigkeit zum Osmanenreich und kirchlichen Abhängigkeit vom griechisch- orthodoxen Patriarchat Konstantinopel gelegt. Der Prozeß wurzelt in der Erkenntnis der nationalsprachlichen Identität im Frühstadium der von der europäischen Aufklärung initiierten Epoche der sog. Wiedergeburt, formiert sich im Bewußtsein um die Notwendigkeit zur Erweiterung und Vereinheitlichung der eigensprachlichen Mittel und findet schließlich in der osmanischen Reformperiode ab 1839 auch die Freiheit zu einem systematischen Verlauf. Im Zivilisationswortschatz gelangt seine Dynamik und Komplexität deutlicher als in anderen Bereichen zum Ausdruck durch eine reiche Palette von Ein- und Mehrfachbesetzungen bzw. konkurrierenden Formvarianten, die allmählich eingeschränkt und auf ostbulgarischer Dialektgrundlage normiert wurden. Dabei geht die Aussonderung (anfangs oft nur zur Verdeutlichung beigefügter) türkischer Wörter Hand in Hand mit der Aufnahme russischer, russisch-kirchenslavischer und (meist über das Russische importierter) westeuropäischer Entlehnungen; woraus auch die Abkehr von der lange Zeit dominierenden griechischen Kulturorientierung und Zuwendung zu russischen Vorbildern abzulesen ist.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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