Wissenschaftliche Erschließung und wissenschaftliche Aufarbeitung des Nachlasses von Wilhelm Muster
The unpublished works of Wilhelm Muster
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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NACHLAß,
MUSTER
Der Nachlaß des Grazer Schriftstellers Wilhelm Muster (1916-1994) ist vollständig erhalten und befindet sich im Franz Nabl Institut (Graz). Er umfaßt ca. 2,5 Laufmeter und läßt sich in fünf große Abteilungen gliedern: Lebenszeugnisse, Briefe, Werkmanuskripte mit vorangegangenen Studien, Entwürfe zu Vorträgen oder zu Lehrveranstaltungen und Zeitungsartikel. Schulabschlußzeugnisse und andere Urkunden dokumentieren Musters Lebensweg. In den Briefen spiegelt sich Musters Arbeit an seinen Romanen und Erzählungen wider, da sie auch Interpretationen eigener Texte enthalten. Anhand der Strukturpläne der Romane Lind Notizen zu den Charakteren der Romanfiguren läßt sich die Entstehung der Texte nachvollziehen und die Intention des Autors nachempfinden. Vorlesungsunterlagen behandeln zum einen die neuere deutsche Literatur und zum anderen die Kulturgeschichte Spaniens. Dazu kommen noch Aufsätze über die Theorie des Übersetzens. Zeitungsartikel betreffen die Interessen, die mit dem gerade entstehenden Werk zusammenhängen. Für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Nachlasses sind Inventarisierung, Aufstellung und Katalogisierung Voraussetzungen. Die Archivierung soll nach den `Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen` des Deutschen Bibliotheksinstitutes und nach der `Verwaltung und wissenschaftlichen Erschließung von Nachlässen in Literaturarchiven` des Brenner-Archivs (Innsbruck) erfolgen. Eine genaue Beschreibung des Materials soll die Grundlage für weitere Forschungen bieten. Ziel des Projektes soil die wissenschaftliche Erschliegung und Aufarbeitung dieses Nachlasses sein. Geplant ist die Veröffentlichung der Selbstdeutungen Musters.
Ziel des Projektes war die wissenschaftliche Bearbeitung des umfangreichen Nachlasses von Wilhelm Muster, wobei bereits zu Beginn der Forschungsarbeit zwei Schwerpunkte feststanden: Zum einen gibt es unzählige Notizen von Muster (0,5 Laufmeter) und kopierte Zeitungs- und Lexikonartikel von seinen Recherchen (0,9 Laufmeter) zum Erzählwerk, die die Vorstellungswelt und die Arbeitsweise Musters veranschaulichen. Zum anderen sind 510 Briefe erhalten, die sowohl autobiographische Aussagen als auch Selbstinterpretationen der literarischen Texte Musters enthalten. Es konnten folgende Ergebnisse erzielt werden: Durch die Ordnung und Zusammenstellung der Aufzeichnungen, Strukturpläne, der Roh- und Endfassungen sowie der von Muster gesammelten Artikel können Musters Intentionen klar dokumentiert und nachvollzogen werden. Durch die Einbeziehung des im Nachlass befindlichen Materials kann das Verständnis für Musters Texte wesentlich erweitert werden. Die Auswertung der autobiographischen Aussagen und der Äußerungen zum Werk in den Briefen Musters erbrachte eine Reihe von neuen Erkenntnissen: Musters Biographie kann nun ausführlichst ergänzt werden. Allerdings muß eingeschränkt werden, dass sich die von Muster gemachten Angaben manchmal von der Realität unterscheiden, da Muster auch Lebensläufe für eine Art von Dichtung hielt. In den Briefen an Kritiker, Verlagslektoren oder an Jerzy Staus finden sich zahlreiche Reflexionen, Kommentare und Selbstdeutungen Musters, die eine autornahe Interpretation der Texte ermöglichen. Der Beitrag "Spanienbilder im literarischen Schaffen von Wilhelm Muster. Reiseführer und Pulverland im Vergleich" wurde im Sammelband "Spanien und Österreich im 20. Jahrhundert. Direkte und indirekte Kontakte. Akten des Neunten Spanisch-Österreichischen Symposions" (Herausgegeben von Wolfram Krömer. Anif/Salzburg: Mueller-Speiser 2002) publiziert. Darin wird gezeigt, dass Muster sowohl im Reiseführer von Spanien (1972), als auch im Roman "Pulverland"(1986), der autobiographische Züge enthält, und auch in den Briefen ein ähnliches Spanienbild vermittelt. Selbst im Reiseführer, worin Muster Spanien als lebenslustiges und sinnenfreudiges Land darstellt, sind Geschichten des Todes eingestreut. Im Roman erzeugen Landschaftsbescheibungen und Beobachtungen der Tierwelt auf der Insel Ibiza, die vordergründig realistisch erscheinen, eine düstere Atmosphäre, so dass Ibiza durchgängig mit einer dunklen Aura des Todes, eines makaberen, ekelerregenden und altertümlichen Todes, umgeben wird. Muster selbst erklärt, dass er sich seit seiner Jugend mit Sterben und Tod befasste. Aber durch den Aufenthalt in seiner zweiten Heimat Spanien wurde die Vorliebe für Todesthemen wesentlich gefördert. Ein längerer Beitrag über die Briefe im Nachlass befindet sich in Arbeit. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit der Bearbeitung dieses Nachlasses wichtige Grundlagen für weitere Forschungen zu Muster und zu dessen Werk geschaffen wurden.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 7 Zitationen
- 1 Publikationen
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2019
Titel Dramatically decreased T cell responses but persistent IgE upon reduced pollen exposure DOI 10.1016/j.imbio.2019.07.003 Typ Journal Article Autor Van Hemelen D Journal Immunobiology Seiten 645-648 Link Publikation