Politische Festtagskultur in Kärnten und Slowenien. Historische Ereignisse und sprachliche Eigenheiten einer ´multikulturellen´ Grenzregion
Celebration of regional holidays in Carinthia and Slovenia
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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KÄRNTNER ´ABWEHRKAMPF´,
PARTISANENGEDENKTAG,
KÄRNTNER VOLKSABSTIMMUNG,
KAMPF UM DIE NORDGRENZE,
ULRICHSBERGFEIERN,
SLOW. UNABHÄNGIGKEITSTAG
Die politische Festtagskultur Kärntens zeigt im Vergleich zu anderen Bundesländern ein deutlich anderes Profil. Dies ist vor allem im Kontext mit der spezifischen Geschichte des Landes zu sehen. Besonders der "Abwehrkampf" und die Volksabstimmung in den Jahren 1918 bis 1920 prägen die Landesgeschichte bis heute. Für einen Teil der Bevölkerung waren die Ereignisse in jenen Jahren identitätsstiftend, was sich in den alljährlichen 10. Oktober - Feiern spiegelt. In den letzten Jahren ist es jedoch zu einer differenzierten Reflexion mit unterschiedlicher Qualität gekommen. Hierbei soll auch die Position der slowenischen Volksgruppe in Kärnten berücksichtigt werden. Neben dem 10. Oktober haben sich in der Zwischenzeit auch die Ulrichsbergfeiern als ebenso fester wie umstrittener Bestandteil des Festtagskalenders der Kärntner Bevölkerung etabliert. Die politische Festtagskultur der Slowenen im 20. Jh. wurde durch den SHS - Staat die Okkupationszeit, das sozialistische Jugoslawien und die Republik Slowenien geprägt. Im SHS - Staat waren es vor allem politische und dynastische Gedenktage, die einerseits die Vereinigung von Serben, Kroaten und Slowenen als wesentlichen Bestandteil des neu entstandenen Königreiches in den Mittelpunkt stellten und andererseits die Sonderstellung der Königsfamilie und des jeweiligen Regenten hervorhoben. Die Okkupationszeit war geprägt durch die italienische und deutsche Festtagskultur, die Ausdruck kultureller Überlegenheit war und der Assimilierung der slowenischen Bevölkerung diente. Im sozialistischen Jugoslawien scheinen vor allem der Personenkult um Tito, die Partisanenfeiern und der Kampf um die Nordgrenze im Festtagskalender auf. Politische Festtagskultur im heutigen Slowenien bedeutet unter anderem Aufarbeitung der Vergangenheit und bewußte Pflege der erlangten Unabhängigkeit. Ziel des Projektes ist die besonderen Merkmale der politischen Festtagskultur in Kärnten und Slowenien aufzuzeigen und mögliche Erklärungen dafür zu liefern.
Sloweniens politische Festtagskultur ist allein deshalb so vielfältig, weil das Land im 20. Jahrhundert in verschiedene politische Systeme eingebunden war. Innerhalb der politischen Gedenk- und Festtage ist zwischen solchen zu unterscheiden, die nur über einen kurzen Zeitraum Bedeutung erlangten und solchen, die kontinuierlich, unabhängig von der jeweiligen Staatsform, gepflegt worden sind. Die zentrale Frage lautete: Wieweit konnte sich Slowenien im Rahmen der Identitätsfindung seine Festtagskultur überhaupt selbst bestimmen? Von welchen historisch-politischen und ideologischen Inhalten waren die Feierlichkeiten geprägt? Kurzbeschreibung der Forschungsergebnisse Ein wesentliches Merkmal des Festtagskalenders Sloweniens ist, dass er ständig erneuert wurde. Die Mitwirkungsmöglichkeiten und Mitgestaltung der slowenischen Bevölkerung waren dabei allerdings sehr eingeschränkt, Slowenien meist fremdbestimmt. Allein deshalb kann keineswegs von einer homogenen Festtagskultur des Landes gesprochen werden. Seit 1918 durchlebte das Land immerhin vier verschiedene politische Systeme. Die Entfaltung einer autonomen Festtagskultur war kaum möglich, galt es doch, sich jahrzehntelang einem Gesamtstaatsinteresse unter zu ordnen. Während in der Zeit des Königreiches SHS vorwiegend Gedenktage begangen wurden, die das Serbentum glorifizierten, befand man sich während des Zweiten Weltkrieges in der Okkupationszeit, als deutsche und italienische Gedenkfeierlichkeiten mitgetragen werden mussten, gleichsam in einem doppelten Frontenkrieg der Identitätsfindung. Nach 1945 stand die einseitig ausgerichtete Festtagskultur im Zeichen des kommunistischen (Tito -)Jugoslawiens. Erst ab 1991 konnte der unabhängige Staat Slowenien im Zuge der Demokratisierung einen eigenständigen Festtagskanon entwickeln. Dieser lässt deutlich erkennen, wie stark das Geschichts- und Kulturbewusstsein lange Zeit übermächtig von außen bestimmt worden war. Erst in der jüngeren Vergangenheit eröffneten sich breitere Wege und Zugänge hin zu einer slowenischen nationalen Identität. In diesem Kontext kommt der politischen Festtagskultur eine Schlüsselrolle zu.
- Universität Klagenfurt - 100%
- Ulfried Burz, assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 267 Zitationen
- 2 Publikationen
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2018
Titel The Impact of Biochar Incorporation on Inorganic Nitrogen Fertilizer Plant Uptake; An Opportunity for Carbon Sequestration in Temperate Agriculture DOI 10.3390/geosciences8110420 Typ Journal Article Autor Hood-Nowotny R Journal Geosciences Seiten 420 Link Publikation -
2014
Titel Biochar Decelerates Soil Organic Nitrogen Cycling but Stimulates Soil Nitrification in a Temperate Arable Field Trial DOI 10.1371/journal.pone.0086388 Typ Journal Article Autor Prommer J Journal PLoS ONE Link Publikation