Weltliche Vokalmusik in oberösterreichischen Stiften
Secular vocal music in the monasteries of Upper Austria
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
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MUSIKGESCHICHTE,
OPER,
VOKALMUSIK,
ORATORIUM,
OBERÖSTERREICH,
REKREATIONSMUSIK
Die Ergebnisse der vorliegenden Studien zeigen den hohen Stellenwert der weltlichen Vokalmusikpflege in den oberösterreichischen Stiften. Gleichzeitig verweisen sie auf die wichtige historische Bedeutung der Klöster im Gesamtbild der österreichischen Musikgeschichtsschreibung. Die Darstellungen liefern detaillierte Ergebnisse über die repräsentative und rekreative Funktion der Musik als Teil klösterlichen Selbstverständnisses. Der Nachweis intensiver Wechselbeziehungen mit den weltlichen und geistlichen Kulturmetropolen spricht der von hoher musikalischer Innovation geprägten Stiftsmusik eine wichtige Rolle als kulturelle Vermittlungsinstanz zu, die mit dem konföderativen Prinzip auf der Basis überregionaler Ordens- und Kulturverbindungen eine neue Dimension erhält. Darüber hinaus spiegelt die musikalische Wertevermittlung ein bedeutendes Maß an transformationellem Wirkungspotential, das als gestaltendes Prinzip neuer stilistischer, formaler und aufführungspraktischer Normativa erkennbar wird. Interessante Details reflektiert die Darstellung finanzieller Aufwendungen. Als Parameter ordensspezifisch, zeithistorisch und persönlich motivierter Musikwertschätzung dokumentiert das Quellenmaterial beeindruckende Auslagen für Notenbestand, Instrumente, musikalische Besoldung sowie Theater- und Aufführungssäle. Ergänzungen zur kulturellen Leistungsfähigkeit liefern ausgiebige Analysen über das beschäftigte Musikpersonal. Vom hohen Niveau der Stiftsaufführungen überzeugen Ensemblegrößen, Qualität der Musiker und soziale Stellung. Umfangreiche Rekonstruktionen belegen die hohe Konformität von Finanzleistung und Aufführungspraxis innerhalb der Ordenslinien. Die durchgeführten Studien verweisen auf die Strukturierung musikalischer Ausrichtung anhand konkreter gesellschaftlicher und zeitpolitischer Einflüsse. Als folgenreichster Einschnitt in die musikalische Entwicklung erweisen sich die Reformen Kaiser Joseph II. Sie zeichnen den Verlust höfischer Darstellungsformen und sind Beginn grundsätzlicher Neuorientierung. In den kulturhistorischen Entwicklungen des frühen 19. Jahrhunderts relativiert sich die schöpferische Kraft klösterlichen Musikschaffens. Im Vordergrund steht die Reproduktion, Weiterentwicklung beschränkt sich auf musikalische Kleinformen. Als gestaltendes Prinzip gelten die Inhalte lokaler bürgerlicher Kulturvorstellung.
- Universität Wien - 100%