Architekturphantasien - Architekturrealitäten
Architectural Fantasy - Architectural Reality
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Informatik (40%); Kunstwissenschaften (50%)
Keywords
-
ARCHITECTURE,
VIRTUAL REALITY,
13TH CENTURY,
TEXTILE DECORATION,
AUSTRIA
Aufbauend auf den Forschungen der letzten Jahre über die frühgotische Baukunst in Österreich soll dem Aspekt des mittelalterlichen Kircheninnenraumes hinsichtlich seiner Benutzbarkeit und seiner festlichen Ausstattung nachgegangen werden. Das Baugeschehen an mittelalterlichen Kirchen ist durch lange Bauzeiten und immer wieder erfolgte Teilweihen geprägt. Zudem ist mit einer reichen textilen Ausstattung in den mittelalterlichen Kirchenräumen zu rechnen, die vor allem in schriftlichen und bildlichen Quellen überliefert ist. Ein zweiter Bereich des Forschungsprojektes wird dem historisch gewachsenen Außenraum gewidmet. An Stätten der österreichischen Landwerdung soll die für öffentliche Auftritte des Landesfürsten notwendige temporäre Schauarchitektur vor realer mittelalterlicher Architektur dargestellt werden. Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe von schriftlichen Quellen und der Bilddatenbank des Institutes für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (REAL) ausgewählte Schauplätze des Herzogtums Österreich - nach den oben geschilderten Aspekten - virtuell darzustellen. Für die visuelle Umsetzung wurden folgende drei Beispiele gewählt Die ehemalige Dominikanerinnenklosterkirche in Tulln Durch schriftliche Quellen ist die Bauzeit der Kirche mit den Jahren 1280 bis 1290 klar definiert, Bauherr war König Rudolf I. Der Bau wurde im 19. Jahrhundert niedergerissen. Durch die Verwendung bildlicher Quellen lassen sich bei dieser Visualisierung die im Mittelalter so wichtigen Farb- und Lichtstimmungen erzeugen. Westportal von St. Stephan, Wien, um die Mitte des 13. Jahrhunderts Die in den letzten Jahren durchgeführten Restaurierungsarbeiten am Riesentor durch das Bundesdenkmal ließen Farbpigmente in Rot, Gelb, Blau und Grün sowie Mauerhaken und Dübellöcher erkennen, die es erlauben, das Portal in seinem ersten Bauzustand virtuell darzustellen. Die gewählte Rekonstruktion ist ein Beispiel für jene auffällige und spektakuläre Inszenierung weltlicher und kirchlicher Macht im 13. Jahrhundert, die in schriftlichen Quellen immer wieder genannt wird. Die sogenannte Virgilkapelle, Wien, 1. Bauphase um die Mitte des 13. Jahrhunderts Bauhistorische Untersuchungen an dem Bau ließen erkennen, dass der ehemalige Nischenraum mit einer aufwendigen hölzernen Konstruktion versehen war, um ihn liturgisch bespielbar zu machen. Die Visualisierung ist ein Beispiel für den im Mittelalter doch sehr intensiven Einsatz temporärer Schauarchitektur (Holfeinbauten), die heute zum Großteil verloren ist.